|
Predigt zum 23. Sonntag im Jahreskreis
|
1. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Am letzten Sonntag habe ich über die Demut und ihren Gegensatz,
den Hochmut, gesprochen. Heute möchte ich den Faden wieder aufnehmen
und ein anderes Gegensatzpaar bedenken, das aus der Reihe der so genannten
sieben Todsünden genommen ist: die Trägheit bzw. ihren positiven
Gegensatz, den Starkmut.
Hierzu möchte ich anknüpfen an den Vergleich, den Jesus im
heutigen Evangelium anstellt: Wenn einer von euch einen Turm bauen
will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel
für das ganze Vorhaben ausreichen? Wer das Ziel will, der muss
auch die Mittel wollen. Das aber ist keineswegs selbstverständlich;
vielmehr kommt es immer wieder vor, dass man eine Sache zwar eigentlich
haben will, aber man hat keine Lust, das dazu Nötige einzusetzen.
So würden viele gern mit dem Rauchen aufhören, aber sie scheuen
die Entzugserscheinungen. Oder jemand würde gern Englisch sprechen
können, aber er sieht sich gegen die Arbeit an, die er investieren
müsste. Beispiele gibt es genug, die das illustrieren, wogegen Jesus
sich wendet.
Dass wir es hier mit der Trägheit zu tun haben, leuchtet vermutlich
leicht ein. Was aber ist die Trägheit eigentlich, und warum wird
sie von den Theologen als eine der sieben Haupt- oder Todsünden angesehen?
Wenn wir die Trägheit beschränken würden auf Faulheit und
Bequemlichkeit, dann ließe sich das allerdings nicht einsehen. Warum
sollte der Müßiggang aller Laster Anfang sein?
Nicht die Muße ist schlecht, und auch die Neigung zur Bequemlichkeit
ist noch keine Sünde; aber die Geisteshaltung, die sich dahinter
verbirgt oder verbergen kann, hat tatsächlich etwas an sich, das
direkt gegen Gott gerichtet ist, und darum geht es bei dem Laster, das
die Alten acedia genannt haben und das sowohl Trägheit
als auch Traurigkeit einschließt. Gemeint ist die Verweigerung von
Anstrengung, insbesondere von geistiger Anstrengung und zwar aus
einem Gefühl der Traurigkeit und Verzagtheit heraus, das Sören
Kierkegaard als Verzweiflung der Schwachheit bezeichnet hat.
Wer von dieser Verzweiflung der Schwachheit befallen ist, wagt es nicht
mehr, er selbst zu sein; er weigert sich, sein eigenes Wesen und seine
Berufung anzunehmen: sie ist ihm zu hoch und zu schwer, denn sie mutet
ihm eine Würde zu, die ihm eben als Zumutung erscheint, als etwas,
für das er sich zu schwach fühlt Verzweiflung der
Schwachheit. Das gibt es bei Erwachsenen und sogar schon bei Kindern.
Neulich war ich in der Grundschule, um für den morgigen Familiengottesdienst
zu werben. Daraufhin sagte mir ein Junge: Das ist nichts für
uns. Wir schlafen immer bis halb 10. Entscheidend war die Verachtung,
die in seinen Worten lag: Wie kann man nur so blöd sein, für
den Gottesdienst früher aufzustehen? Wie können Sie mir bloß
eine solche Überwindung zumuten? Ich frage mich dagegen entsetzt:
Wie kann man nur seine Kinder schon in so jungen Jahren zu solch erbärmlicher
Trägheit und Respektlosigkeit erziehen?
Der Mensch, der von Trägheit geprägt ist, weicht seiner Berufung
aus, er geht sich selbst aus dem Weg und verliert sich in Ablenkungen
jeder Art. Er ist wie Jona, der vor Gott fliehen will, damit er den schweren
Auftrag nicht ausführen muss. Die Berufung zu einem ewigen Leben
bei Gott macht ihn nicht froh, sondern ärgert ihn, so wie er überhaupt
über alles unzufrieden und nörglerisch ist. Weil er sich nicht
vorstellen kann und will, dass es Freude an Gott gibt, kann er nicht mehr
danken. Im Extremfall wird er depressiv und lebensüberdrüssig.
Wenn Gott ihm schon das Leben geschenkt hat, so räsoniert er, dann
müsse er ihm die Erfüllung dieses Lebens gefälligst in
den Schoß legen, anstatt ihn aufzufordern, an seiner Vervollkommnung
selbst zu arbeiten.
Von hier aus verstehen wir vielleicht besser, warum der hl. Thomas von
Aquin die Trägheit das Kopfpolster Satans genannt hat.
Vielleicht kommen wir sogar dahin, wenigstens ansatzweise die schockierenden
Sätze Jesu aus dem heutigen Evangelium zu verstehen: über das
Geringachten von familiären Banden, Leib und Leben im Vergleich zum
Reich Gottes, das Jesus als unmittelbar nahe gekommen ansah. Wer dieses
Ziel so klar im Blick hatte wie Jesus, der musste nun auch die Mittel
ergreifen, die zu ihm hinführten und alles andere hintanstellen:
Nur wer das wollte, der konnte Jünger Jesu sein und mit ihm eine
Lebens- und Schicksalsgemeinschaft bilden. Bloßes kraftloses Wünschen
hilft nichts, wenn das Ziel durch allerlei Hindernisse verstellt ist.
Da muss man die Hindernisse ausräumen! Wer das nicht tun will, sondern
untätig herumsteht und andere machen lässt, der arbeitet dem
Ziel entgegen.
Im Grunde ist das klar. Anstößig für uns ist eher die
Übertragung dieser Forderungen Jesu auf die ganze Gemeinde, für
die weder klar ist, dass die Welt jeden Augenblick untergehen kann, noch,
dass familiäre Beziehungen dem Reich Gottes im Weg stehen. Aber will
der Evangelist die Forderung Jesu wirklich buchstäblich auf seine
Gemeinde und sogar auf alle späteren Gemeinden übertragen?
Es geht doch wohl eher um die geistige Haltung und Konsequenz, von denen
wir unser Handeln bestimmen lassen sollen je nach den Umständen
mal so, mal so, aber eben überzeugt, unbeirrt und mit frohem und
starkem Mut. D.h. wenn man z.B. spürt, dass die Blutsbande ein Hindernis
für den Glauben sind, dann muss man sich davon befreien; oder wenn
man merkt, dass die weltliche Karriere oder das Luxusleben nach und nach
die Religiösität ersticken, dann muss man sich nach Alternativen
umsehen; wer diese Konsequenz fürchtet, ruht sich auf dem Kopfkissen
des Teufels aus.
Der Trägheit und der geistigen Unlust ist die Tugend der Tapferkeit
oder des Starkmutes entgegengesetzt. Wie gewinnt man Starkmut? In erster
Linie durch mentales Training, durch das Betrachten des geistig Edlen
und Schönen, also u.a. auch durch das, was wir hier im Gottesdienst
tun: Kontemplation Gottes und seiner Herrlichkeit, für die es sich
lohnt, sich anzustrengen. Auch die Betrachtung der Hässlichkeit der
feigen Bequemlichkeit kann uns aufrütteln: Mir nach spricht
Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle.
Ein böser
Knecht, der still kann stehn, sieht er voran den Feldherrn gehen.
Vgl. Heiko Ernst: Wie uns der Teufel reitet. Von der Aktualität
der 7 Todsünden. Berlin: Ullstein, 2006, 183.
Am letzten Sonntag habe ich über die Demut und ihren Gegensatz,
den Hochmut, gesprochen. Heute möchte ich den Faden wieder aufnehmen
und ein anderes Gegensatzpaar bedenken, das aus der Reihe der so genannten
sieben Todsünden genommen ist: die Trägheit bzw. ihren positiven
Gegensatz, den Starkmut.
Hierzu möchte ich anknüpfen an den Vergleich, den Jesus im
heutigen Evangelium anstellt: Wenn einer von euch einen Turm bauen
will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel
für das ganze Vorhaben ausreichen? Wer das Ziel will, der muss
auch die Mittel wollen. Das aber ist keineswegs selbstverständlich;
vielmehr kommt es immer wieder vor, dass man eine Sache zwar eigentlich
haben will, aber man hat keine Lust, das dazu Nötige einzusetzen.
So würden viele gern mit dem Rauchen aufhören, aber sie scheuen
die Entzugserscheinungen. Oder jemand würde gern Englisch sprechen
können, aber er sieht sich gegen die Arbeit an, die er investieren
müsste. Beispiele gibt es genug, die das illustrieren, wogegen Jesus
sich wendet.
Dass wir es hier mit der Trägheit zu tun haben, leuchtet vermutlich
leicht ein. Was aber ist die Trägheit eigentlich, und warum wird
sie von den Theologen als eine der sieben Haupt- oder Todsünden angesehen?
Wenn wir die Trägheit beschränken würden auf Faulheit und
Bequemlichkeit, dann ließe sich das allerdings nicht einsehen. Warum
sollte der Müßiggang aller Laster Anfang sein?
Nicht die Muße ist schlecht, und auch die Neigung zur Bequemlichkeit
ist noch keine Sünde; aber die Geisteshaltung, die sich dahinter
verbirgt oder verbergen kann, hat tatsächlich etwas an sich, das
direkt gegen Gott gerichtet ist, und darum geht es bei dem Laster, das
die Alten acedia genannt haben und das sowohl Trägheit
als auch Traurigkeit einschließt. Gemeint ist die Verweigerung von
Anstrengung, insbesondere von geistiger Anstrengung und zwar aus
einem Gefühl der Traurigkeit und Verzagtheit heraus, das Sören
Kierkegaard als Verzweiflung der Schwachheit bezeichnet hat.
Wer von dieser Verzweiflung der Schwachheit befallen ist, wagt es nicht
mehr, er selbst zu sein; er weigert sich, sein eigenes Wesen und seine
Berufung anzunehmen: sie ist ihm zu hoch und zu schwer, denn sie mutet
ihm eine Würde zu, die ihm eben als Zumutung erscheint, als etwas,
für das er sich zu schwach fühlt Verzweiflung der
Schwachheit. Das gibt es bei Erwachsenen und sogar schon bei Kindern.
Neulich war ich in der Grundschule, um für den morgigen Familiengottesdienst
zu werben. Daraufhin sagte mir ein Junge: Das ist nichts für
uns. Wir schlafen immer bis halb 10. Entscheidend war die Verachtung,
die in seinen Worten lag: Wie kann man nur so blöd sein, für
den Gottesdienst früher aufzustehen? Wie können Sie mir bloß
eine solche Überwindung zumuten? Ich frage mich dagegen entsetzt:
Wie kann man nur seine Kinder schon in so jungen Jahren zu solch erbärmlicher
Trägheit und Respektlosigkeit erziehen?
Der Mensch, der von Trägheit geprägt ist, weicht seiner Berufung
aus, er geht sich selbst aus dem Weg und verliert sich in Ablenkungen
jeder Art. Er ist wie Jona, der vor Gott fliehen will, damit er den schweren
Auftrag nicht ausführen muss. Die Berufung zu einem ewigen Leben
bei Gott macht ihn nicht froh, sondern ärgert ihn, so wie er überhaupt
über alles unzufrieden und nörglerisch ist. Weil er sich nicht
vorstellen kann und will, dass es Freude an Gott gibt, kann er nicht mehr
danken. Im Extremfall wird er depressiv und lebensüberdrüssig.
Wenn Gott ihm schon das Leben geschenkt hat, so räsoniert er, dann
müsse er ihm die Erfüllung dieses Lebens gefälligst in
den Schoß legen, anstatt ihn aufzufordern, an seiner Vervollkommnung
selbst zu arbeiten.
Von hier aus verstehen wir vielleicht besser, warum der hl. Thomas von
Aquin die Trägheit das Kopfpolster Satans genannt hat.
Vielleicht kommen wir sogar dahin, wenigstens ansatzweise die schockierenden
Sätze Jesu aus dem heutigen Evangelium zu verstehen: über das
Geringachten von familiären Banden, Leib und Leben im Vergleich zum
Reich Gottes, das Jesus als unmittelbar nahe gekommen ansah. Wer dieses
Ziel so klar im Blick hatte wie Jesus, der musste nun auch die Mittel
ergreifen, die zu ihm hinführten und alles andere hintanstellen:
Nur wer das wollte, der konnte Jünger Jesu sein und mit ihm eine
Lebens- und Schicksalsgemeinschaft bilden. Bloßes kraftloses Wünschen
hilft nichts, wenn das Ziel durch allerlei Hindernisse verstellt ist.
Da muss man die Hindernisse ausräumen! Wer das nicht tun will, sondern
untätig herumsteht und andere machen lässt, der arbeitet dem
Ziel entgegen.
Im Grunde ist das klar. Anstößig für uns ist eher die
Übertragung dieser Forderungen Jesu auf die ganze Gemeinde, für
die weder klar ist, dass die Welt jeden Augenblick untergehen kann, noch,
dass familiäre Beziehungen dem Reich Gottes im Weg stehen. Aber will
der Evangelist die Forderung Jesu wirklich buchstäblich auf seine
Gemeinde und sogar auf alle späteren Gemeinden übertragen?
Es geht doch wohl eher um die geistige Haltung und Konsequenz, von denen
wir unser Handeln bestimmen lassen sollen je nach den Umständen
mal so, mal so, aber eben überzeugt, unbeirrt und mit frohem und
starkem Mut. D.h. wenn man z.B. spürt, dass die Blutsbande ein Hindernis
für den Glauben sind, dann muss man sich davon befreien; oder wenn
man merkt, dass die weltliche Karriere oder das Luxusleben nach und nach
die Religiösität ersticken, dann muss man sich nach Alternativen
umsehen; wer diese Konsequenz fürchtet, ruht sich auf dem Kopfkissen
des Teufels aus.
Der Trägheit und der geistigen Unlust ist die Tugend der Tapferkeit
oder des Starkmutes entgegengesetzt. Wie gewinnt man Starkmut? In erster
Linie durch mentales Training, durch das Betrachten des geistig Edlen
und Schönen, also u.a. auch durch das, was wir hier im Gottesdienst
tun: Kontemplation Gottes und seiner Herrlichkeit, für die es sich
lohnt, sich anzustrengen. Auch die Betrachtung der Hässlichkeit der
feigen Bequemlichkeit kann uns aufrütteln: Mir nach spricht
Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle.
Ein böser
Knecht, der still kann stehn, sieht er voran den Feldherrn gehen.
Vgl. Heiko Ernst: Wie uns der Teufel reitet. Von der Aktualität
der 7 Todsünden. Berlin: Ullstein, 2006, 183.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir haben ein kaufmännisches Verhältnis zum Lieben
Gott. Wieviel gebe ich - und wieviel bekomme ich dafür?
Wo ist es am billigsten? Und wieviel reicht für den Himmel?
Ein guter Kaufmann setzt nicht alles auf eine Karte. Da gilt
dann vielleicht: Ein bisschen für ein bisschen.
Ein bisschen Glauben für ein bisschen Himmel, es müssen
ja nicht unbedingt die vordersten Plätze sein. Mir reicht
auch ein Stehplatz im Himmel. Aber dafür brauch ich dann
auch nicht hier auf Erden alles zu geben.
Jesus ist da etwas anderer Meinung: Wenn jemand zu mir gehören
möchte, dann muss er bereit sein, alles zu geben. Sogar
sein Leben. Wenn's sein muss.
Diese Predigt richtet sich nicht an die Apostel, die ehelos
leben sollen, an die zukünftigen Priester und Bischöfe
oder so. Es heißt ausdrücklich: Er wandte sich
an die vielen Menschen, die ihn begleiteten.
Dabei geht es nicht darum, dass wir alle jetzt auch wirklich
alles geben müssen. Aber wir sollten bereit sein dafür.
Ein bisschen für ein bisschen geht nicht.
Denn: Glauben erfahren kann nur der, der sich ganz gibt. Schnupperkurse
funktionieren nicht.
Ein bisschen Glauben und ein bisschen Verzicht für ein
bisschen Himmel ist nicht drin. Da ist Jesus radikal. Ein
harter Geschäftsmann.
Aber das ganze Bild verändert sich radikal, wenn wir
von unserem kaufmännischen Verhältnis zum lieben
Gott absehen und ihn so betrachten, wie Jesus es tut: Als
Vater, den wir ganz Vertrauen dürfen.
In der Lesung heißt es, dass Gott einen Plan hat für
alle seine Geschöpfe, auch wenn wir ihn nicht erkennen.
Daher rührt oft das Leid und die Glaubenszweifel: Dass
dort, wo wir Gottes Plan nicht verstehen, er uns grausam oder
fern erscheint. Dann sieht es manchmal so aus, als ob wir
alles verlieren würden.
Aber dem, der Gott vertraut, nicht rechnet oder kalkuliert,
sondern liebt, der wird sich ganz in Gottes Hände geben
und er wird wissen, dass nichts, aber auch gar nichts von
dem verloren geht, dass Gott uns geschenkt hat.
Wer Gott vertraut, der wird sich seinen Plänen anvertrauen
und bereit sein, ihm ganz zu folgen. Aber Gott vertrauen kann
nur der, der sich von dem vordergründigen besitzen-wollen
und haben-wollen, dem festhalten-wollen befreien kann. Und
zwar radikal.
Ein bisschen vertrauen geht nicht.
Ein bisschen lieben geht nicht.
Und auch ein bisschen leben oder ein bisschen sterben geht
nicht.
Das weiß jeder, der liebt. Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder! An Gott zu glauben - den
Schritt zu machen und sein ganzes Lebensglück an diesen
Gott zu hängen - das ist immer auch ein Wagnis. Gott
verspricht uns viel, und weil Gott derjenige ist, der nicht
trügt und betrügt, wissen wir eigentlich, dass uns
nichts passieren kann - im Gegenteil. Aber davor heißt
es, auf unsere irdischen Sicherheiten verzichten. Und das
ist ein schwieriger Schritt, den viele von uns noch gar nicht
wirklich gemacht haben.
Wir haben gerade an den letzten Wochenenden einige Hochzeiten
hier gefeiert. Zwei Menschen haben sich einander getraut.
Auch sie wissen nicht, was sein wird; ob die Liebe des anderen
trägt, wie lange sein 8oder ihr) Wort gilt. Eine Ehe
auf Lebenszeit zu schließen, ist immer ein Wagnis. Aber
sie trauen einander. Gerade dadurch beweisen sie einander,
dass sie sich wirklich lieben: Sie sind bereit, dem anderen
zu trauen; weiter zu trauen als alle Überlegungen zuvor
reichen. Denn wahre Liebe heißt immer, einen Vertrauensvorschuss
zu geben.
Liebe heißt nicht, auszurechnen, sondern vorzuschießen.
Und das gilt auch für Gott und unseren Glauben. Ob Gott
wirklich das Fundament ist, das trägt, erweist sich immer
erst, wenn wir uns trauen. Wenn wir uns trauen, ihn als unsere
größte Sicherheit, unsere größte Freude,
unser größtes Geschenk in unser Leben einzubeziehen.
So handelt auch Paulus in der Lesung: Ein entflohener Sklave,
Onesimus, der Paulus zum geliebten Sohn und Bruder im Herrn
geworden ist, wird von ihm dem früheren Besitzer Philemon
zurückgeschickt. Paulus befiehlt nicht und bittet nicht,
dass Philemon den Sklaven freilässt. Er und Onesimus
gehen das Risiko ein und vertrauen. Wir wissen nicht, was
passiert ist, aber vermutlich hat gerade dieses Vertrauen
auf die Güte des Philemon bewirkt, dass dieser wirklich
auch Güte zeigen konnte.
Wahre Liebe gibt sich in die Hände des anderen, traut,
glaubt und hofft. Nur - was glaubt und hofft der, der liebt?
Das ist nicht unerheblich! Jesus warnt im heutigen Evangelium
eindringlich davor, Glauben als ein blindes Wagnis anzusehen.
Ganz im Gegenteil: Wer wirklich vertrauen schenken will, der
soll selbstverständlich vorher seinen Verstand einschalten!
Es gibt heute genügend Leute, die lieber der Kraft von
Edelsteinen glauben, oder den Horoskopen und Sterndeutern;
im Fernsehen wird Nacht für Nacht die Zukunft aus Karten
vorhergesagt. Selbstverständlich fühlen sich auch
die Menschen, die sich ganz und gar auf dem Aberglauben stützen,
scher und gut aufgehoben. Aber ein solcher Glaube ist trügerisch
und dumm: Das, worauf diese Menschen bauen, wird nicht halten,
was es verspricht. Solche Menschen sind Menschen, die auf
Sand bauen.
Aber anstatt den Aberglauben zu pflegen, gibt es auch eine
blinden christlichen Glauben: Ein Glaube, der Gott einfach
für seine eigenen Ziele einspannt und nicht fragt, wer
dieser Gott eigentlich ist.
Wer Gott z.B. als eine Art Kranken- und Leid-Versicherung
bucht, wird enttäuscht werden. Wie oft klagen Menschen,
dass sie so sehr an Gott glauben und nun doch einen Schicksalsschlag
nach dem anderen einstecken müssen. Auch sie haben fest
darauf vertraut, dass Gott sie liebt. Aber sie haben nicht
wirklich hingeschaut: Gott bewahrt nicht vor Leid; er hat
seinen eigenen Sohn nicht davor bewahrt und er hat angekündigt,
dass es uns nicht besser gehen wird.
Bauen Sie nicht auf Sand: Denken Sie nach. Wir haben einen
Glauben, der uns großes verheißt - ein Gott, der
uns nicht fallen lassen wird in alle Ewigkeit. Aber auch ein
Gott, der uns auf diesem Weg ein Kreuz anvertraut - oder besser:
Der uns am Kreuz Jesu Christi mittragen lässt. Sind Sie
dazu bereit? Sind sie bereit, alle anderen vorübergehenden
Sicherheiten hintan zu stellen? Sich mit der ganzen Welt anzulegen,
um ihren Gott nicht zu verlieren? Und dann - sind Sie bereit,
heute damit anzufangen? Amen.
4. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Um das Glück zu finden, bedarf es nicht eines bequemen Lebens,
sondern eines verliebten Herzens. Vielleicht stimmen Sie diesem
Satz ohne Widerspruch zu, und dann haben wir schon einen Ansatzpunkt,
um die harten Worte im heutigen Evangelium wenigstens ein bißchen
zu begreifen.
Am besten ist, wir bilden uns gar nicht erst ein, wir könnten diese
Worte verstehen wir sollen Vater und Mutter, Brüder und Schwestern
geringachten? Wie kann Jesus das gemeint haben?
Eines Tages wird er von Petrus gefragt: Du weißt, wir haben
alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich
sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus
oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen
hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit
wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und
Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden
Welt das ewige Leben. (Mk 10,28-30)
Diese Antwort Jesu wirft auch Licht auf unsere Textstelle. Es geht um
ein Mehr, ein Besseres als das, was man in der Welt kennt und liebt. Petrus
hat es intuitiv erfaßt, indem er sagt, daß er alles verlassen
hat, um Jesus nachzufolgen. Aber nun kommt er in Zweifel, ob sich das
auch gelohnt hat und noch weiterhin lohnt. Das verliebte Herz hat er schon,
und er hat das Glück gespürt, das aus diesem verliebten Herzen
kommt, aber er kann das noch nicht richtig einordnen, und so sagt Jesus
ihm und den anderen Jüngern, daß jeder Verzicht, jedes Verlassen
um Jesu willen ein Hundertfaches zurückgibt.
Freilich kommen auch immer wieder Fragen voller Zweifel wie die von Petrus.
Sie kommen deshalb, weil der Schatz, für den man dieses oder jenes
ja eigentlich alles, wenn man das Evangelium genau nimmt
aufgibt, mit natürlichen Augen nicht zu sehen ist. Und sie kommen
dann, wenn das Herz weniger verliebt ist. Dann wird plötzlich das
bequeme Leben verlockender, obwohl man doch aus Erfahrung wissen müßte,
daß dieses nie das Glück zu bringen imstande ist.
Aber wir Menschen vergessen so leicht. Darum müssen wir dieselbe
Erfahrung mehrmals machen die gute wie die schlechte. Die gute
Erfahrung vom Glück, das von einem verliebten Herzen ausgeht, und
die schlechte Erfahrung von der traurigen Leere, die zurückbleibt,
wenn man sich egoistisch einzig um ein bequemes Leben bemüht. Unsere
Vergeßlichkeit wird ausgenutzt von der Werbung, auf die wir niemals
hereinfallen würden, wenn wir die entscheidenden Lebenserfahrungen
immer im Gedächtnis präsent hätten. Während diese
aber verblassen, schieben sich die künstlich produzierten Werbebilder
und -phrasen davor, die uns ein Glück vorgaukeln, das im Konsum bestehen
soll.
Wenn die Erinnerung an das echte Glück verblaßt und nicht
durch neue Erfahrungen aufgefrischt wird, nimmt die Verliebtheit des Herzens
ab. Das gilt für alle Freundschafts- und Liebesbeziehungen, und es
gilt auch für unsere Beziehung zu Gott. Das geht schleichend und
unbemerkt, und irgendwann fragt man sich, wo denn die alte Liebe geblieben
ist. Damit uns dies nicht widerfährt, müssen wir rechtzeitig
aufgerüttelt werden, damit wir zur Besinnung kommen und Gegenmaßnahmen
ergreifen. Ein solches Aufrütteln geschieht hier und jetzt: Wir hören
das Wort des lebendigen Gottes, das alle einlullenden Laute schrill übertönt
und sich querstellt zu verfehlten Lebensentwürfen. Um sich Gehör
zu verschaffen, muß der Ton eine gewisse Schärfe besitzen,
müssen die Vergleiche drastisch sein. Kann ein Feldherr mit 10.000
Mann gegen 20.000 eine Schlacht gewinnen? Können wir gegen die gewaltige
Verführungsmacht der kapitalistischen Gesellschaft etwas ausrichten
und den inneren Kampf gewinnen, wenn wir unsere geistigen und geistlichen
Kräfte verkümmern lassen?
Was aber stärkt diese Kräfte? Das Evangelium gibt die Auskunft:
Der Verzicht, die Hingabe, das Schenken. Das größte Vorbild
ist der Herr selbst, der Gott gleich war, aber nicht daran festhielt,
wie Gott zu sein, sondern sich entäußerte und wie ein Sklave
wurde und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte
sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. (Phil 2,6-8)
In der Messe feiern wir das Opfer Jesu und sind eingeladen, in diese Hingabebewegung
zum Vater mit einzugehen: zuerst mystisch im Kult und dann real im alltäglichen
Leben.
Lassen wir uns heute wieder aufrütteln, und erinnern wir uns an
die guten Erfahrungen: Wer sein Herz für die Liebe öffnet, es
nicht in purer Eigenliebe verengen läßt, der wird mit einer
überirdischen Zufriedenheit belohnt.
5. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 10.09.04
Geiz ist geil! Billig will ich!
So lauten nur zwei der auf uns einprasselnden Werbeslogans.
Es scheint als ob ganz Deutschland darauf aus ist, nur noch zu sparen, das
Beste zum günstigsten Preis zu erhaschen.
Die Geschäfte versuchen nun mit Bonuskarten und Treueprämien die
Kunden zu halten. Die Käufer versuchen noch die Krawatte zum Herrenoberhemd
dazu zu bekommen.
Die neue Lust am Feilschen? Die neue Lust am Geschäftemachen?
Mit Verlaub, feilschen konnten wir immer schon. Vor allem mit dem lieben Gott.
Wenn Du mir diesen Posten in der Bank bescherst, lieber Gott, dann komme ich
auch wieder jeden Sonntag zur Kirche. Wenn nicht, dann nicht.
Ich zünde Dir jetzt diese Kerze an, und wehe das klappt nicht, mit der
zwei in Mathe.
Kennen Sie solche Gebete?
Kaufen, etwas erwerben, will nur derjenige, der etwas nötig hat oder
dem gerade danach ist.
Wenn’s mir schlecht geht, dann bete ich zu Gott, vielleicht gibt er
mir ja, was ich brauche. Not lehrt eben beten.
Oder ich gehe nur in den Gottesdienst, wenn ich das Bedürfnis danach
habe. Die Kirche als Bedürfnisanstalt.
Viele behandeln den lieben Gott wie einen arglosen Besitzer eines himmlischen
Gemischtwarenladens, bei dem man für einen günstigen Preis das bekommen
kann, was man so gerade zum Leben braucht.
Ein bisschen Glauben für ein bisschen Himmel. Es müssen ja nicht
unbedingt die besten Plätze an der Tafel des ewigen Gastmahles sein.
Ein Stehplatz tut’s auch. Aber dafür brauch ich dann auf Erden
auch nicht allzu viel zu geben.
Geben wir es zu: Jeder und jede von uns, ich auch, hat schon einmal solche
Gedanken. Statt eines hochherzigen Glaubens treibt uns da oft eine religiöse
Krämerseele...
Das kann es aber nicht sein. Das spüren wir. Erst recht, wenn wir aufmerksam
das heutige Evangelium hören.
Da spricht der Herr ganz anders: Entweder ganz oder gar nicht.
Wenn Du zu mir gehören möchtest, dann musst Du bereit sein, alles
zu geben. Alles, wirklich alles. Dein ganzes Herz. Und nicht nur einen Teil
davon.
Diese Predigt hält Jesus nicht allein seinen Aposteln, also denen, die
ihm besonders nahe sind. Diese Predigt richtet er nicht nur an die ehelos
lebenden Priester und Ordensleute. Nein, im Evangelium heißt es ausdrücklich,
dass er sich an alle Umstehenden wandte, an die vielen, die ihn begleiteten.
Also auch an Sie.
Jesus weiß, was er zu verkaufen hat. Das Wertvollste, was es gibt:
Leben in Fülle hier auf Erden und dereinst im Himmel.
Und er weiß, dass dieses Leben einen hohen Preis hat: Das ganze Herz
eines Menschen.
Da gibt es nichts mehr zu Feilschen. Ein bisschen Himmel für ein bisschen
Herz.
So wie ich eben keinen Turm ohne die nötigen Materialien bauen, und keinen
Krieg ohne ausreichende Truppen führen kann, so kann ich eben Christus
nicht nachfolgen, wenn ich nicht bereit bin, ihn mit ganzem Herzen zu lieben.
Dabei ist wichtig festzuhalten, dass die Liebe zu Christus niemals und niemanden
daran hindert die Menschen und das Gute in dieser Welt zu lieben. Die Liebe
zu Christus lässt uns erst die Menschen und die Welt richtig lieben.
Wer also den Himmel will, der muss sich bemühen, sein ganz Herz Christus
zu schenken, mit ganzem Herzen zu glauben.
So wie der Bauherr seine Mittel nüchtern berechnen muss, so wie der
Feldherr seine Truppenstärke inspizieren muss, so muss auch derjenige,
der Christus nachfolgen will, auf sein Herz schauen:
Gebe ich Gott wirklich die Ehre? Mache ich faule Kompromisse im Bezug auf
den Besuch des Sonntagsgottesdienstes? Pflege ich das Gebet allein, in der
Familie? Suche ich bei Verständigen Rat, wenn ich Fragen zum Glauben
habe, oder lass ich es bleiben? Kämpfe ich gegen Einflüsse, die
mich vom Glauben und von der Kirche fernhalten wollen?
Wer etwas kaufen will, muss zuerst in seine Geldbörse schauen.
Wer glauben will, den Himmel erwerben will, der muss sein Herz anschauen,
sein Gewissen erforschen. Der Selige Josefmaria Escriva sagt: „Gewissenserforschung.
– Eine tägliche Arbeit. Wer ein Geschäft betreibt, vernachlässige
die Buchführung nicht. Gibt es ein wichtigeres „Geschäft“
als das Geschäft des ewigen Lebens?“
Mit dem Evangelium heute ruft uns der Herr zur beständigen Gewissenserforschung
auf. Jeden Tag sollten wir uns kurz befragen, wie es um uns und unsere Liebe
zu Gott steht. Das kann geschehen kurz vor dem Schlafengehen oder auch in
der Mittagspause.
Da, wo Sie Lieblosigkeiten gegenüber Gott und den anderen feststellen,
nehmen Sie das Sakrament der Versöhnung, die Beichte in Anspruch.
Christus schenkt uns den ganzen Himmel, wenn wir ihm unser ganzes Herz schenken.
Was für ein „Geschäft“...
Fürbitten
Herr Jesus Christus, unser Glück ist, dass wir ganz
zu Dir gehören dürfen. Nimm mit uns auch unsere
Hoffnungen und Bitten an.
Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert
zu dir:
Für uns und alle Menschen, die in sich selbst gefangen
sind, in Ängsten und in Verpflichtungen: Befreie uns,
gib uns den Blick für das Gute und Schöne, und
schenke uns immer wieder neu die Liebe zu Dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert
zur Dir:
Gib uns und allen Menschen jederzeit den Mut, Dir und einander
zu vertrauen; sende Deinen Heiligen Geist in unsere Herzen,
damit wir unabhängig von Berechnungen und Prognosen
in Dir Hoffnung und Erlösung finden.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz
zu eigen dir:
Führe alle Menschen auf den Weg des Heiles, lass sie
nicht versinken in den Verstrickungen des Alltags und der
Ichsucht. Nimm uns an als Deine Kinder und lass uns zur
vollen Gemeinschaft mit dir gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 474, 1 + 3 + 5
Kyrie: 454
Gloria: 979
1. Lesung: Weish 9, 13-19
Zwischengesang: 291, 1 + 3
Evangelium: Lk 14, 25-33
Credo: 983
Gabenbereitung: 490
Sanctus: 434
Agnus Dei: 435
Danksagung: GL Seite 27, Abschnitt 5
Schluss: 595