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Predigt zum 24. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 16.09.07
Liebe Schwestern und Brüder,
Neben zwei anderen Gleichnissen hören wir heute im Evangelium die Erzählung
vom verlorenen Sohn oder dem barmherzigen Vater.
Wir kennen dieses Gleichnis. Es ist uns seit Kindestagen vertraut. Oft haben
wir es gehört.
Es gibt eine Unmenge an Schriften, Meditationen und Erklärungen dazu.
Häufig wurden Szenen aus diesem Gleichnis auch gemalt. Ein ganz besonders
bekannte Beispiel stammt von Rembrandt, das die Rückkehr des Sohnes in
die Arme des Vaters auf ergreifende Weise illustriert.
Wir wollen gleich das Evangelium in seiner ganzen Länge hören.
Anschließend möchte ich nur wenige Deutungen geben.
Das Wichtigste wird sein, dass wir alle dieses Gleichnis auf uns und in uns
wirken lassen. Es wir uns im Inneren anrühren, so wie es schon viele
Menschen bewegt hat.
Während des Evangeliums können Sie sitzen bleiben
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn zeigt,
wer wir sind,
was die Sünde ist,
wer Gott für uns ist.
Im verlorenen Sohn sehen wir uns, uns und unsere Freiheit.
Aus freiem Willen lässt sich der Sohn seinen Erbteil auszahlen.
Aus freiem Willen verlässt er das Haus des Vaters.
Aus freiem Willen verschleudert er sein Geld.
Aber es gilt auch:
Aus freiem Willen kehrt der Sohn zurück, kehrt er um.
Wir können uns entscheiden: dafür oder dagegen.
Wir unterliegen zwar manchen Zwängen, aber wir sind keine Marionetten.
Weil wir frei sind, uns zu entscheiden, tragen wir Verantwortung für
unser Leben, für das Gute und das Böse, das wir tun.
Um unseren Willen in die richtige Richtung zu lenken, müssen wir immer
wieder das tun, was auch der verlorene Sohn getan hat: Innehalten, in sich
gehen, an den Vater denken.
Freilich sollte eine solche Gewissenserforschung nicht nur dann geschehen,
wenn wir schon am Boden zerstört sind, sozusagen am Schweinetrog. Nein,
wir sollten jeden Tag uns ein paar Minuten dafür nehmen. Z. B. vor dem
Schlafengehen oder in der Mittagspause.
Am Tiefpunkt angelangt erkennt der Sohn seinen Fehler:
Er hat die Geborgenheit, Sicherheit und Liebe bei seinem Vater aufgegeben.
Er hat nur noch sich selbst, seine Begierden, seine Lust, sich zu zerstreuen,
gesehen.
Er wollte, dass es niemand über ihn gibt, er wollte sich selbst genügen.
Zu meinen "Ich reiche mir. Ich habe niemanden nötig. Ich weiß
allein am besten, was gut ist." – das zu meinen, heißt mit
anderen Worten, sein zu wollen wie Gott.
Nur er genügt sich selbst. Nur er hat niemanden nötig. Nur er weiß,
was gut, was böse ist.
Das aber nicht anerkennen zu wollen, heißt sich selber zu einer Art
Gott zu erheben: Das ist die Sünde.
Die Sünde trennt uns vom Vater. Die Sünde drückt uns an den
Boden, weil wir uns überfordern:
Wir sind nur Menschen, wir sind keine Götter!
Der Sohn hat sich vom Vater getrennt. Aber der Vater hat sich nie von seinem
Sohn losgesagt.
Als der Sohn reumütig zurückkehrt, wird er vom Vater freudig aufgenommen.
Ja, er gibt ihm alles zurück. Dem neidischen Bruder macht der Vater deutlich:
Was wir feiern ist sozusagen eine Wiederauferstehungsfest. Dein Bruder war
tot und nun lebt er wieder.
Durch unsere Sünden sagen auch wir uns mehr oder weniger von Gott los.
Aber er bleibt unser barmherziger Vater. Wenn wir umkehren und bereuen, dann
wird er uns vergeben, egal was geschehen war.
Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen
Sünder der umkehrt.
Auch wir werden dieses Auferstehungsfest miterleben. Wir können es miterleben
in jeder Beichte. In diesem Sakrament werden wir, die wir uns von Gottvater
getrennt haben, wieder aufs neue und noch stärker mit ihm vereint. Das
Sakrament der Versöhnung ist daher das Sakrament der Freude. Freude darüber,
dass die heilbringende Gemeinschaft zwischen mir und Gott wiederhergestellt
ist.
Liebe Schwestern und Brüder,
das Gleichnis vom verlorenen Sohn bzw. vom barmherzigen Vater – es ist
wohl eines der schönsten und tiefsten der Hl. Schrift. Lassen Sie seine
befreiende Botschaft in Ihnen wirken. Vielleicht hilft dieses Gleichnis uns
allen, dass wir unser Bemühen um eine gute Gewissenserforschung verstärken,
dass wir das Sakrament der Buße, die Beichte neu entdecken und in Anspruch
nehmen.
Dann wird schon heute im Himmel bei den Engeln Feststimmung sein. Und wir
werden mit innerer Freude erfüllt werden.
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Ein beliebter und erfolgreicher Hochschullehrer, glücklich verheiratet
mit zwei wohlgeratenen Kindern, fährt zu einem Klassentreffen und
kehrt davon völlig verändert zurück: Seine ehemaligen Klassenkameraden
haben ihm von ihren verschiedenen Karrieren und Erfolgen erzählt,
und seitdem nagt der Neid an dem bis dahin glücklichen und zufriedenen
Mann. Seine wohlgeordneten Verhältnisse kommen ihm plötzlich
mittelmäßig und langweilig vor, sein Gehalt erschient ihm lächerlich
im Vergleich zu dem seiner früheren Mitschüler, obwohl einige
viel dümmer als er waren. Warum haben die anderen, was ich
nicht habe? So viele Jahre schon strenge ich mich an und gönne
mir kaum eine Pause doch wie wenig wird das honoriert. Aber die
trüben Tassen und Versager die schöpfen überall
den Rahm ab. Der Professor wird vom Neidgefühl so zerfressen,
dass er zu einem Psychiater gehen muss.
So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen
Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt,
damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der
hier gekommen, dein Sohn,
da hast du für ihn das Mastkalb
geschlachtet. (Lk 15,29f) Aus dem Lamento des älteren Sohnes
im Gleichnis spricht der Neid, eine der sieben Wurzelsünden, eine
Sünde, die ihre eigene Strafe im Gepäck hat, denn sie macht
wie keine andere Sünde einsam und unzufrieden. Der ältere Sohn
will am Fest nicht teilnehmen, der Professor kann sich seines Lebens nicht
mehr freuen. Der Neid frisst seinen eigenen Herrn. Er sticht,
nagt und frisst, ist wie ein Wurm in uns und redet uns immer wieder ein,
dass wir zu kurz kommen und benachteiligt werden. Wie steht es
mit Ihrer Lebensfreude?
Kain neidet Abel die Gunst Gottes, Geschwister belauern einander, ob
der andere vielleicht mehr bekommt: mehr zu essen, mehr Aufmerksamkeit,
mehr Zuwendung. Als meine kleinen Nichten in Kanada sprechen lernten,
war ein Ausruf von Anfang an im Repertoire: Me too !
Ich auch! Wenn ein Kind ein Spielzeug haben will, das einem
anderen gehört wie oft hört es dann: Nein, damit
will ich jetzt selbst spielen. Die Botschaft ist klar: Das sollst
du nicht haben, du sollst nicht in den Genuss von dem kommen, was mir
zusteht. Die Angst, selber zu kurz zu kommen, wandelt sich sogleich in
Missgunst: Was ich nicht habe, soll der andere auch nicht haben.
Unsere moderne Konsumwelt setzt diesen Neid voraus und lebt von ihm.
Permanent stimuliert die Werbung unsere Wünsche, damit wir inmitten
des Überflusses das Gefühl haben, uns fehle etwas, wir hätten
noch nicht, was uns glücklich machen kann.
Aber der Neid ist nicht harmlos. Den neidischen Menschen selbst verkrüppelt
er und wühlt in ihm viele andere negative Gefühle auf: Traurigkeit
und Missgunst. Der neidische Mensch sucht einen Ausgleich für das
eigene Unglück und findet ihn in der Herbsetzung der beneideten Menschen:
(der da, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht
hat) oder in der Schadenfreude, in Rache durch Intrigen oder Denunziation.
Im Extremfall führt der Neid zu Ressentiment und Hass, wie wir am
Beispiel Kains sehen können, aber auch z.B. Hitlers, der seinen mangelnden
Erfolg mit tiefem Hass auf die beneideten Juden kompensierte und in vielen
Deutschen und Österreichern auch willige Neidgenossen fand.
Wie gehen wir mit aufkommendem Neid um? Der Professor, den ich eingangs
erwähnt habe, konnte seinen Neid überwinden, indem er mit Hilfe
des Psychiaters aufhörte, ständig auf die Besitztümer der
anderen zu schauen, und sich stattdessen bewusst machte, wie viel er selbst
hatte und wie gut es ihm doch eigentlich ging. Er lernte, seinen eigenen
Selbstwert wieder durch das zu definieren, was er Positives geleistet
und erreicht hatte, und nicht durch den Vergleich mit anderen. Überhaupt
ist das Sich-Vergleichen die Wurzel von Neidattacken. Man kann es auch
übertreiben mit dem Vergleichen, vor allem dann, wenn die Maßstäbe,
die man dabei setzt, unpassend sind. Wenn man das Vergleichen schon nicht
lassen kann, dann sollte man sich auch gleichsam nach unten vergleichen:
mit Menschen, denen es schlechter geht, und davon gibt es bekanntlich
mehrere Milliarden.
Zweitens sollte man sich überlegen, was einen Menschen denn in Wahrheit
zufrieden macht: Sind es denn wirklich Besitz, Geld, Freizeit und Status?
Sind wir neidisch, weil wir unglücklich sind, oder unglücklich,
weil wir neidisch sind? Macht nicht vielmehr das Bewusstsein glücklich,
lieben zu können und selbst geliebt zu sein, vor allem von Gott,
der spricht Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein
ist, ist auch dein. Ist es nicht Dummheit und schnöde
Undankbarkeit, das zu vergessen?
Und drittens kann es auch helfen, sich einmal zu überlegen, was
es den Menschen denn womöglich gekostet hat, um die Position zu erreichen,
für die ich ihn beneide. Vielleicht hat er hart arbeiten müssen
und auf Freizeit, Bequemlichkeit und Beliebtheit verzichtet während
ich selber all das zur Genüge hatte und weiterhin habe.
Der ältere Sohn im Gleichnis hat seinen Bruder wegen der Barmherzigkeit
beneidet, die ihm der Vater geschenkt hat. Ob er aber bereit gewesen wäre,
mit ihm zu tauschen und all die Demütigungen zu ertragen, die dieser
erlebt hat? Ob er selbst wohl verloren, ja seelisch tot sein wollte? Und
wenn nicht wie kann er dann neidisch sein?
Vgl. Heiko Ernst: Wie uns der Teufel reitet. Von der Aktualität
der 7 Todsünden. Berlin: Ullstein, 2006, 69f.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
"Was nix kostet, ist auch nix" - ein Grundsatz,
der sich vor allem in der Erziehung bewährt, der aber
auch unseren Alltag prägt: Wenn sie sich einen Pullover
kaufen - oder eine Jacke oder etwas ähnliches - dann
sind sie davon überzeugt, dass die Qualität vom
Preis abhängt - je teurer, desto besser. Und Was nix
kostet, ist auch nix.
Dieser Grundsatz könnte auch die Überschrift über
das heutige Evangelium sein. Der Wert, den das eine Schaf
für den Hirten hat - oder die eine Drachme - steigt,
weil er sich dafür verausgabt habe. Weil es etwas gekostet
hat, das Verlorene wieder zu finden.
Das eine Schaf mag überhaupt nicht besser sein als die
99 anderen; wahrscheinlich ist es sogar etwas dümmer
oder störrischer, sonst wäre es ja nicht verloren
gegangen. Aber weil ich mich für dieses eine Schaf einsetze,
wird es mir wertvoll.
Liebe Schwestern und Brüder, auch wir sind Gott wertvoll,
nicht, weil wir so pflegeleicht wären, sondern weil wir
ihm etwas kosten - das Leben seines Sohnes. Das gibt er für
uns hin, weil wir als Menschen insgesamt Gott aus den Augen
verloren haben. Weil wir uns verirrt haben. Und - weil ich
das heute noch genauso immer wieder tue.
All unsere persönlichen Schwächen können uns
peinlich sein. Wir können leugnen wollen, dass wir uns
verirrt haben. Wir können darauf bestehen, dass wir keine
Schafe sind und genau wissen, was wir tun. Und dazu stehen.
Vor Gott aber steigern unsere Schwächen und Fehler seine
Beziehung zu uns. Ich bin ihm wertvoll, weil er sich für
mich verausgabt hat. Weil ich persönlich Gott schon soviel
gekostet habe, bin ich ihm auch so wertvoll.
Das leugnen, unsere Fehlerfreiheit betonen, das beraubt uns
nicht nur dieser Wertschätzung Gottes, es kappt auch
jede Verbindung zu ihm.
Stellen sie sich vor, sie sehen jemand beim Ertrinken, stürzen
sich selber in die Fluten und retten unter großer Mühe
den Fremden, um dann anstelle von Dankesworten zu hören:
Das hätte ich auch alleine geschafft. Was soll man da
sagen? Eine solche Reaktion kappt jede Verbindung, die durch
den Einsatz so intensiv hätte werden können.
Manchmal bin ich genauso wie dieser Gerettete: Ich will nicht
wahrhaben, dass ich Gott brauche. Ich will nicht wahrhaben,
dass ich seine Verzeihung brauche. Ich bestreite, dass Jesus
für mich gestorben ist.
Aber ich spüre dann auch, dass ich mir selbst damit
auch meinen Retter und Erlöser beiseite schaffe, ihn
ablege. Und dass ich dadurch Gott noch mehr aus den Augen
verliere.
Schuld, Sünde, Fehler und Schwächen sind nichts
Schönes. Sie sind aber die menschlichen Eigenschaften,
die uns immer wieder zu Gott zurückführen. Die uns
daran erinnern, wie wertvoll wir für Gott sind.
Denn was nichts kostet, das ist auch nichts.
4. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Welches Motto sollen wir über das diesjährige Pfarrfest stellen?
Soweit ich mich erinnere, hatte niemand im Pfarrgemeinderat einen Vorschlag,
und so lassen wir die Liturgie dieses Sonntags entscheiden: Das Evangelium
bietet uns reichlich Stoff zum Nachdenken und zur Vertiefung unseres christlichen
Gemeindelebens. Es führt uns den womöglich wichtigsten Charakterzug
Gottes vor Augen, seine unendliche Barmherzigkeit.
Da fällt mir schon etwas auf: Angenommen, wir hätten mit ein
paar Leuten stundenlang nach einem Pfarrfest-Motto gesucht ich
bin sicher, der Name Gott wäre nicht darin vorgekommen. Vielleicht
hätte irgendwas von Freude, Fest, Gemeinschaft usw. darin gestanden.
Haben wir etwa - unbewußt - Angst davor, in der Öffentlichkeit
von Gott zu reden? Ich weiß es nicht. Aber was mir einfällt,
ist, daß erst die religiöse Dimension unserem Pfarrfest Sinn
und Tiefgang verleiht. Von welcher Freude sollten wir sprechen, wenn nicht
von der über Gottes Barmherzigkeit? Welche Gemeinschaft wollen wir
feiern, wenn nicht die der Christen, d.h. der von Gott Berufenen und Erlösten?
Und welches Motiv sollte uns bewegen, ALLE einzuladen, nicht nur die Freunde
und Bekannten aus der Clique, die Angesehenen und die Betuchten, wenn
nicht der Glaube, daß Gott seine Barmherzigkeit und Liebe ALLEN
anbietet und uns auffordert, dasselbe zu tun?
Aber schauen wir uns die Botschaft des heutigen Gleichnisses etwas genauer
an. Es ist freilich unerschöpflich und unergründlich, es können
heute nur einige Gesichtspunkte aufleuchten. Im März habe ich das
letzte Mal darüber gesprochen und u.a. herausgestellt, daß
beide Söhne verloren sind, der daheimgebliebene Ältere nicht
weniger als der Jüngere, denn er hat in seiner Selbstgerechtigkeit
vergessen, was Liebe und Barmherzigkeit ist. Heute möchte ich Ihre
Aufmerksamkeit auf den Vater lenken und auf sein Verhalten beiden Söhnen
gegenüber, damit wir etwas lernen für unser eigenes Verhalten
gegenüber den sog. verlorenen wie auch gegenüber den vertrotzten
Menschen.
Der Vater wird von tiefem Mitleid bewegt. Dieses Gefühl ist keineswegs
selbstverständlich, denn er wurde ja von seinem Sohn gekränkt
und verletzt; hatte dieser ihm doch zu verstehen gegeben: Ich mag
dich nicht mehr, ich will nur dein Geld und dann weg von dir! Wir
könnten uns auch ganz andere Reaktionen des Vaters vorstellen und
finden sie im älteren Sohn gespiegelt, der dem undankbaren Bruder
zürnt, ihn aus seinem Herzen verstößt und mit ihm nichts
mehr zu tun haben will. Alle Tage kommt es vor, daß enttäuschte
Liebe in Haß und Rachsucht umschlägt. Geschieht ihm recht,
diesem Nichtsnutz! Eigene Schuld! Der
soll mir fortan gestohlen bleiben! Aber so denkt und empfindet der
Vater nicht. Nicht einen Moment kommt ihm in den Sinn, über seine
verletzte Liebe zu klagen und dem Schuldigen die gerechte Strafe zu wünschen,
er sieht nur, in welche Verlorenheit sein nach wie vor geliebter Sohn
hineinrennt, und er hofft inbrünstig, er werde doch zurückkommen.
Darauf wartet er mit unerschöpflicher Geduld, unbeirrt von den Sprüchen
seines anderen Sohnes und erst recht von dem Gerede seines Gesindes, das
sicherlich kein gutes Haar am Abtrünnigen läßt. Er wartet,
bis der Verlorene zurückkehrt, und geht ihm dann voll Freude entgegen,
um ihn wieder aufzunehmen.
Die Liebe des Vaters nimmt hier die reine Gestalt der Barmherzigkeit
an, die das Elend des Verirrten am eigenen Leib spürt, mitleidet
und zuzudecken bemüht ist. Das beste Gewand muß her, ein Ring
sowie neue Schuhe: das Gewand gibt die Ehre zurück, der Ring stellt
die verlorene Würde wieder her, die Schuhe symbolisieren die wiedergewonnene
Freiheit. Nicht die geringste Demütigung wird dem Zurückgekehrten
zugemutet.
Die Liebe des Vaters zeigt sich aber noch in anderer Gestalt dort
nämlich, wo sie sich dem Älteren zuwendet, der seinen Bruder
total abgeschrieben hat. Er ist ja im Unterschied zum anderen Sohn im
Recht, er hat nichts Verwerfliches getan, was ihn in Schande und Elend
gestürzt hätte. Aber trotz seiner Rechtschaffenheit ist er seinem
Vater ganz und gar nicht ähnlich, denn er besitzt nichts von dessen
Barmherzigkeit, kein Stück. Und so entfremdet er sich ausgerechnet
in dem Moment von seinem Vater, in dem sein Bruder zuhause wieder heimisch
wird. Das bereitet dem Vater ein neues Leid, denn nun trennt sich auch
noch sein bisher zu Hause gebliebener Sohn von ihm und begibt sich in
das Dunkel draußen vor dem Festsaal, weil er statt Freude nur Zorn
und Eifersucht empfindet. Der Vater versucht es natürlich im Guten,
geht hinaus und redet ihm gut zu: Er soll sein Herz doch für die
Freude öffnen, den Bruder wieder annehmen und am Festmahl teilnehmen.
Solange der Bruder noch ohne Bruder ist, solange empfindet der Vater Schmerz
und bleibt die vollkommene Freude fern.
"Jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern!"
Das sagt der Vater zu dem, der sich eben noch als der Unwürdigste
fühlte, wie auch zu dem, der sich dem brüderlichen Mahl verweigert.
Dieses Wort sollte uns heute daran erinnern, daß unser Pfarrfest
von diesem Geist belebt sein müßte: vom Geist der Barmherzigkeit,
der Geschwisterlichkeit und des Friedens. Es sollte heute keinen geben,
der sich ausgeschlossen fühlt, und keinen, der aus Ärger über
die Anwesenheit eines bestimmten anderen sich entf
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du hast uns die Liebe und die Barmherzigkeit
des Vater geoffenbart. Dich bitten wir:
-
Stärke unseren Glauben, dass wir bereit sind, unsere
eigenen Fehler zu erkennen und Dir einzugestehen.
-
Stärke unseren Glauben, dass wir Deine Barmherzigkeit
erfahren und Deine Liebe täglich neu erleben.
-
Stärke unseren Glauben, dass wir Geduld und Vergebung
denen schenken, die uns mit ihrer Unvollkommenheit belasten.
-
Stärke unseren Glauben, dass wir in den Ehen, Familien
und Gemeinschaften einander Deine unverdiente Liebe weitergeben.
-
Stärke den Glauben der Christen, die in Unterdrückung
und Ungerechtigkeit leben, dass sie anstelle von Rache
und Haß Verzeihung und Neubeginn verkünden.
-
Stärke in uns den Glauben an das ewige Leben bei
Dir. Wir beten für unsere Verstorbenen: ....
Darum bitten wir, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 961, 1 - 3
Kyrie: sprechen
Gloria: 840, 1 + 2
2. Lesung: 1 Tim 1, 12-17
Zwischengesang: 980
Evangelium: Lk 15, 1 - 10 (Kurzfassung)
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 965, 1 - 3
Sanctus: 469
Agnus Dei: 470
Danksagung: 965, 4
Schluss: 960, 1 + 2