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Predigt zum 25. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 23.09.07
Liebe Schwestern und Brüder,
dieses Evangelium ist schon irgendwie komisch. Es scheint, als ob da ein
anderer Jesus auftritt, einer den wir so nicht kennen.
Jedenfalls dieser eine Satz wirkt auf mich – und vielleicht auch auf
Sie – zumindest befremdlich:
Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte:
Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die
Kinder des Lichtes.
Was soll das? Will der Herr uns zu regelrechtem Betrug aufrufen?
Selbst der Hl. Augustinus fragt: "Warum hat uns der Herr dieses Gleichnis
erzählt?"
Und er gibt sich und uns eine Antwort, die weiterführt:
"Nicht um den Diener als nachahmenswertes Vorbild hinzustellen, sondern
um hervorzuheben, dass er Vorsorge für die Zukunft traf, und um die Christen
zu beschämen, denen eine solche Entschlossenheit fehlt."
Und der Diener reagiert ja wirklich entschlossen. Allerdings erst kurz vor
Toreschluß und in einer sehr fragwürdigen Weise. Kurz bevor er
entlassen wird, betrügt er seinen Arbeitgeber, um sich Freunde für
das Leben später zu kaufen. Geschickt mit egoistischem Kalkül. Schlau
aber ungerecht.
Und in seiner Entschlossenheit, für seine Zukunft zu sorgen, sollen
wir dieses Kind dieser Welt zum Vorbild nehmen. Auch vor uns steht nämlich
ein dringender Termin, ein Wendepunkt.
Den verdrängen wir aber gerne. Ich meine unseren Tod.
Dieses Gleichnis fragt uns nach unserer Entschlossenheit, für unsere
ewige Zukunft zu sorgen.
Und wie der untreue Verwalter das Geld seines Arbeitgebers zur Verfügung
hatte, so haben auch wir Materielles und Immaterielles treuhänderisch
zu verwalten, um unsere Zukunft vorzubereiten:
All das nämlich, was uns Gott geschenkt hat: unseren Besitz, all die
irdischen Güter und unsere charakterlichen Anlagen und Talente.
Damit gilt es zu wirtschaften. Aber nicht auf Kosten von Betrug und Hinterziehung
oder Bestechung.
Es gilt, das in die ewige Zukunft zu investieren, was unser irdisches Leben
ausmacht.
Und dabei gibt es eine Regel:
Nicht das, was ich für mich behalte, was ich mit Händen und Klauen
verteidige, werde ich mitnehmen. Nein, das Totenhemd hat keine Taschen.
Ich werde das in der Ewigkeit besitzen, was ich auf Erden weggegeben habe.
Ich habe von Gott Talente geschenkt bekommen, damit ich durch sie andere beschenke.
Mir sind irdische Güter anvertraut, damit ich sie gut verwalte.
Das ist die christliche Sicht der Dinge dieser Welt. Sie sind nicht Selbstzweck,
sondern sie sind Mittel, um mein Leben zu gestalten, es den anderen angenehmer
zu machen und dadurch Gott zu loben.
"Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommen, Gott, von Dir. Wir
danken Dir dafür." So lautete das erste Tischgebet, das ich gelernt
habe.
Und es ist wahr: Alles Gute kommt von Gott, ist anvertraut, geschenkt. Und
unser Umgang damit zeigt, ob wir dem Schenkenden, nämlich unserem Schöpfer,
dafür dankbar sind.
Deshalb ermahnt uns der Herr im Evangelium:
Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen,
und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.
Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Eigentum nicht zuverlässig gewesen
seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang
mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann
euer wahres Eigentum geben?
Wir sehen, dass der Herr sozusagen einen direkten Zusammenhang zwischen Himmel
und Erde sieht: Wie Du gelebt hast auf Erden, hat Einfluß auf Dein ewiges
Leben.
Wie Du mit den geschenkten irdischen Gütern und Talenten umgehst, das
ist auch relevant für das größte Geschenk, das dich erwartet:
der Himmel.
Gerade deshalb ist das Christentum keine Weltflucht, wie wir sie in so vielen
ostasiatisch angehauchten Meditationsreligionen feststellen müssen.
Nein, der Christ zieht sich nicht in eine spirituelle Scheinwelt zurück,
sondern er nimmt die Welt und die Gesellschaft um sich herum sehr ernst. Er
setzt sie nicht absolut, aber er vernachlässigt sie auch nicht. Man könnte
sagen: Für ihn gibt es nicht nur den Himmel oder nicht nur die Erde.
Für ihn gibt es den Himmel durch die Erde.
Der Herr weist darauf hin, dass wir auch die kleinsten Dinge zuverlässig
verwalten sollen. Es geht nicht darum, Großartiges, Aufsehenerregendes
zu gründen oder zu vollbringen. Es geht um die Aufmerksamkeit für
das, was jetzt, im Moment dran ist:
· Den unangenehmen Anruf jetzt zu machen und nicht auf den Sankt Nimmerleinstag
zu verschieben.
· Das Auto jetzt in die Werkstatt zu bringen, bevor sich dieses komische
Geräusch zu einem großen Schaden entwickelt.
· Die vom Arzt verordnete Therapie pünktlich und gewissenhaft
zu erfüllen, damit mein Leib nicht unnötig Schaden nimmt.
· Bei der nächsten Gelegenheit, das bürgerliche Recht und
die christliche Pflicht wahrzunehmen und zu wählen, egal wie das Wetter
und die Laune gerade so ist.
Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den
großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch
bei den großen.
Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Eigentum nicht zuverlässig gewesen
seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang
mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann
euer wahres Eigentum geben?
Mir scheint, das am Anfang sperrige Evangelium hat es in sich, damit jeder
und jede von uns in sich geht, damit jeder und jede von uns sich die Fragen
stellt:
Wie setzte ich all das ein, was der Herr mir geschenkt hat? Nehme ich diese
Welt ernst, weil Gott ernst nehme und den Himmel?
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Am heutigen Caritas-Sonntag haben wir die übliche Leseordnung abgeändert
und passend zum Jahresthema das Evangelium von der Kindersegnung ausgesucht.
Das Thema ist aktuell: Wir haben die weltweit niedrigste Geburtenquote
in der Bundesrepublik mit 1,36 Kindern je Frau. 2005 sank die Geburtenzahl
auf den niedrigsten Stand seit 1946.
Viele Zeitgenossen wollen keine Kinder. Sie sehen in ihnen eine Last
und ein Armutsrisiko. Andere empfinden Kinder als Störenfriede. Gewiss
gibt es immer noch viele junge Paare, die Kinder wollen und Kinder bekommen.
Aber inzwischen gibt es neue Probleme, die zum Teil erheblich sind. Mittlerweile
gilt jedes siebte Kind in Deutschland als arm und sozialhilfebedürftig.
Die Zahl ist in erschreckendem Ausmaß gewachsen. Dazu kommt oft
eine geistige Armut, die Kinder daran hindert, sich entsprechend ihren
Veranlagungen zu entfalten und menschenwürdig aufzuwachsen.
Aber auch auf der anderen Seite des Spektrums gibt es Probleme, die von
Pädagogen und Soziologen mit Sorge wahrgenommen werden: Kinder, die
wie Prinzen und Prinzessinnen behandelt werden, die verwöhnt und
verzärtelt werden und kaum jemals Grenzen gezeigt bekommen. Kinder
brauchen die Eltern als Gegenüber und als Maß, an dem sie sich
orientieren können. Sie brauchen Normen und Werte, die ihrem natürlichen
Egoismus eine Grenze setzen. Weil auch Kinder sündigen und Fehler
machen können, brauchen sie eine feste Hand, damit sie zu charakterfesten
Menschen heranreifen können. Doch die wird ihnen oft vorenthalten.
Ein weiterer Punkt: Durch den Pisa-Schock scheint das ganze Schulsystem
in Frage gestellt zu sein. Kinder sollen früher eingeschult und in
nur 12 Jahren zum Abitur geführt werden. Das stellt schon die Kleinen
unter enormen Stress. Elfjährige müssen inzwischen 34 Unterrichtsstunden
pro Woche zur Schule, d.h. oft dreimal nachmittags und anschließend
noch Hausaufgaben machen. Man raubt den Kindern die schönste Zeit
ihres Lebens und wozu? Dass man ihnen dann, wenn sie ihre Schulkarriere
in Siebenmeilenstiefeln hinter sich gebracht haben, sagt: Wir brauchen
euch nicht, wir haben keine Ausbildungsplätze für euch und auch
keine Arbeit.
Jesus begegnet Kindern anders. Als seine Gefährten Kinder von ihm
fernhalten wollen, um ihn zu schützen, da reagiert er unwillig und
verärgert: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht
daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Sie
sind besondere Menschen! Und er nimmt sie in die Arme und segnet sie.
Er schätzt die Kinder nicht, weil sie dies und das geleistet haben,
sondern weil sie von Gott geliebt und gewollt sind; weil sie wertvoll
sind. So erinnert uns Jesus heute daran: Kinder sind besondere Menschen.
Sie verdienen geliebt zu werden, weil sie ein Wert sind, der alle Anstrengungen
und Mühen rechtfertigt.
Für unsere Gesellschaft dagegen ist das Kind oft Konsumgut geworden,
das man sich je nach Lust und Finanzlage leistet oder nicht. Und es wird
schon sehr früh von der Wirtschaft als Konsument wahrgenommen und
umworben, von der Politik als zukünftiger Leistungsträger und
Steuerzahler. Nur nicht als Mensch, als einmaliges und unverwechselbares
Du mit Wert und Würde, die von Gott stammen.
Diese Erkenntnis aus dem Glauben ist noch etwas anderes als die augenblicklich
in den Medien beschworene Sorge über die demographische Entwicklung
und die Überalterung der Gesellschaft. Die Politik und bestimmte
gesellschaftliche Gruppierungen sind wach geworden. Sie sorgen sich um
die Zukunft. Aber es geht dabei vorrangig ums zukünftige Geld, das
die Politiker übrigens schon ausgegeben haben, indem sie immer neue
Schulden aufgehäuft haben, und nun vor einem doppelten finanziellen
Engpass stehen. Um die verhängnisvolle Entwicklung zu stoppen oder
gar umzukehren, werden ein weiteres Mal finanzielle Umschichtungen gefordert,
um jungen Paaren mehr Anreize zu geben, Kinder in die Welt zu setzen:
mehr Kindergeld; kostenlose Ganztagsbetreuung in Kindertagesstätten;
steuerliche Besserstellung der Familien
Das sind vermutlich richtige und auch sehr überlegenswerte Vorschläge.
Aber glauben wir nicht, dadurch die Freude am Kind und den Mut zum Kind
spürbar und nachhaltig stärken zu können! Das Problem ist
doch die Grundeinstellung zum Kind und die muss sich ändern.
Das Kind darf nicht länger als Hindernis auf dem Weg in die freie
Entfaltung der eigenen Persönlichkeit empfunden werden. Im Gegenteil:
Gerade das Kind hilft auf dem Weg der Persönlichkeitsentfaltung.
Das können uns die vielen Ehepaare sagen, die sich nach einem Kind
sehnen, aber keins bekommen können. Das Kind muss uns wieder für
sich gewinnen durch das, was es ist: ein Geschenk, das reich macht und
das Leben bereichert.
Jesus zeigt sich nicht nur als Freund der Kinder, sondern sagt sogar
gegen unseren Prestige- und Leistungskult: Wer das Reich Gottes
nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. (Mk
10,15) Das Reich Gottes kann nämlich nicht durch Anstrengung und
Leistung erworben werden, es ist ein Geschenk für den, der glaubt.
Es kommt uns von oben entgegen, wir müssen nur Herz und Hände
öffnen. Das Kind kann uns da ein Vorbild sein, denn es schaut auf,
während wir Erwachsenen meist auf andere herabschauen. Aufschauen
ist eine Blickrichtung, die Gott, den Vater, wahrnehmen lässt und
das Herz mit Vertrauen erfüllt. Jesus selbst hat uns diese Blickrichtung
vorgelebt, indem er immer wieder zum himmlischen Vater aufschaute, ihm
dankte und seinen Segen auf die Menschen herabrief. Mit seiner ganzen
strahlenden Existenz war Jesus auf den Vater ausgerichtet und eben darum
auch den Menschen so herzlich zugewandt. Wer wie ein Kind das Aufschauen
übt, der wird nicht auf andere herablassend niederschauen und der
wird auch nicht bloßer Zuschauer sein, den das Elend dieser Welt
nicht berührt.
Ein Lied von Kathi Stimmer-Salzeder kann uns das Jahresmotto der Caritas
Mach dich stark für starke Kinder! vielleicht noch ein
wenig näher bringen:
1. Kinderaugen - große Augen, voller Staunen, weit und hell.
Wie ein Spiegel aller Liebe, die sie spüren, die sie sehn.
Kinderaugen - Hoffnungsaugen, immer wieder voller Glauben
Tränen sind wie Regen, der befreit, aufgefangen von Geborgenheit.
[Refrain:]
Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind,
dem wird es verloren gehn.
Denn Gottes Reich ist denen versprochen, die wie Kinder sind,
denn Gottes Reich ist denen versprochen, die wie Kinder sind.
2. Kinderhände weiche Hände, voller Kraft und doch so
zart,
wenn sie streicheln, wenn sie fassen, das, was zu begreifen ist.
Kinderhände starke Hände, kämpfen gegen Widerstände
und sind von Vertrauen angerührt, wenn sie eine Hand voll Liebe führt.
3. Kinderlachen welch ein Lachen! Pflanzt sich fort, macht gut
und froh.
wie ein Speicher voller Sonne, welch ein Reichtum - Herzlichkeit.
Kinderlachen Wunderlachen, kann in Herzen Frieden machen.
Menschenwege finden einen Sinn, geben sie sich diesem Wunder hin.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Liebe Schwestern und Brüder, das Gleichnis, das Jesus
da gerade erzählt hat, klingt zunächst ein bisschen
seltsam: Da lobt Jesus einen Verwalter, der erst faul ist,
und anschließend betrügerisch. Mit dem Eigentum
seines Chefs geht er großzügig um, und sichert
sich so die Sympathien der Menschen. Dann ist er, wenn er
gefeuert worden ist, zumindest bei den ehemaligen Schuldnern
seines Herrn gern gesehen.
Jesus lobt den unehrlichen Verwalter aber nicht, weil er so
toll betrügen kann; die Klugheit des Verwalters liegt
eher darin, dass er das Geld und den Besitz benutzt. Der unehrliche
Verwalter hat erkannt, dass es keinen Sinn macht, das Geld
selbst auf die Seite zu schaffen. Das ist irgendwann aufgebraucht.
Sondern er setzt seine Stellung ein, um sich etwas wertvolleres
zu erwerben: Freunde.
Abgesehen davon, dass die Art und Weise, wie der Verwalter
sich die Freunde verschafft, schlicht betrügerisch ist:
Die Grundhaltung, die Klugheit des Verwalters, ist nicht schlecht:
Nicht Geld horten, Besitz sammeln und sich im Ruhm sonnen
ist beruhigend. Sondern alles was wir haben, wird für
ein höheres Ziel einzusetzen.
Das ist nämlich etwas, das wir oft vergessen: Alles
was wir haben, dient uns als Mittel, um in dieser Welt die
jenseitige Welt zu gewinnen.
Aber das fängt nicht erst an, wenn mal Geld übrig
bleibt und wir fragen, was wir damit nun tun sollen. Die Klugheit
beginnt bereits dort, wo wir fragen, ob wir dieses Geld überhaupt
verdienen wollen - oder nicht unsere Zeit, unsere Arbeitskraft,
unsere Geduld und Intelligenz usw. überhaupt in den Dienst
des Geldes stecken sollen - oder ob es nicht lohnendere Ziele
gibt.
Natürlich - das weiß ich auch - brauchen wir Geld
zum überleben. Deshalb benutzt Jesus ja auch immer wieder
Beispiele aus dem Arbeitsleben - er findet arbeiten nicht
grundsätzlich schlecht. Auch Paulus betont, dass er immer
nebenbei gearbeitet - als Netzmacher - und sich so seinen
Unterhalt verdient hat.
Aber darüber hinaus stellt sich schon die Frage, ob wir
tatsächlich noch mehr Geld brauchen - denn besseren Job
annehmen müssen, die nächste Beförderung anstreben
wollen, die Arbeit nebenbei auch noch mitmachen.
Es wirkt schon seltsam, wenn in unserem Land immer mehr Ehepaare
immer weniger Kinder haben möchte - aus wirtschaftlichen
Gründen. Aus wirtschaftlichen Gründen? Ging es uns
denn in den 50-er und 60-er Jahren soviel besser? Geht es
denn den Menschen in den Bevölkerungsreichen Ländern,
in Afrika und Südamerika, soviel besser als uns, dass
sie es sich leisten können, zwei- oder dreimal soviel
Kinder großzuziehen als wir?
Wofür arbeiten wir eigentlich? Für unser Gehaltskonto,
unsere Rente, unseren Urlaub oder die nächste Anschaffung?
Liebe Schwestern und Brüder, wahrscheinlich wird jeder,
den wir fragen, sagen, dass er arbeitet, um schließlich
und letztlich ein glückliches und sicheres Leben zu führen.
Aber der Weg dorthin - zum Glück - wird verschieden gesehen:
Für die einen ist es ein Glück, sich selbst immer
mehr zu gönnen.
Die anderen aber haben die Klugheit des Verwalters: Glück
finden wir nur in den Menschen, denen wir zum Glück geholfen
haben. Erfüllung finden wir nur dort, wo wir erfüllt
haben. Seligkeit erfahren wir nur dort, wo wir selig gemacht
haben.
Nicht alle von ihnen können an der Kinderarmut unsere
Gesellschaft persönlich noch etwas ändern. Aber
wir alle können an der Einstellung, die dazu geführt
hat, etwas ändern: Arbeiten Sie noch - oder leben Sie
schon?
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Jeden Tag flattert bei mir eine Unmenge an Werbesendung durch
den Briefschlitz. Von Büchersendung über Kirchenbedarf,
Friedhofsgeräte und Baumarktprospekten bis zu Angeboten
von Winzern und Weinbauern (die sind dann aber meistens an
meinen Vorgänger adressiert). Heute habe ich einen Kalender
zugeschickt bekommen - schon wieder eine Werbesendung - der
für jede Woche zwei Seiten bietet. Als ich dahinein schaute,
fiel mir auf, dass vor dem ersten Tag ein großer Platz
zur Verfügung steht, mit der Überschrift: Prioritäten.
Interessant. Offensichtlich erwartet der Kalender von mir,
dass ich mir vor Beginn einer jeden Woche überlege, was
für Prioritäten ich setzen soll. Was ist mir diese
Woche besonders wichtig?
Ja, da bin ich ins Grübeln gekommen. Was ist mir eigentlich
kommende Woche besonders wichtig? Naja: Eigentlich wollte
ich schon immer mal meinen Schreibtisch ganz abgeräumt
haben. Und mein Auto muss auch dringend mal gewaschen werden.
Aber vielleicht sind das noch keine Prioritäten, die
ich für eine ganze Woche setzen sollte; denn das lässt
sich ja schnell erledigen. Wenn man erst einmal damit anfängt...
Vielleicht sind mit Prioritäten aber Grundsätze
gemeint, die vor all den vielen anderen Dingen Vorrang haben
sollen, die sonst so in einer Woche zu tun sind. Vor allem
dann, wenn demnächst ein Termin ins Haus steht. Dann
kommt man ja erfahrungsgemäß erst richtig in die
Gänge.
Dem Verwalter im heutigen Evangelium ist es so ähnlich
gegangen. Erst, als der Herr ihm mit der Kündigung droht,
wird er rege. Er beginnt, Gutes zu tun, weil er weiß,
dass demnächst ein anderes Leben beginnen wird.
Er macht das zwar nicht gerade auf vorbildhafte Weise - man
kann das auch Betrug nennen - aber zumindest ist er nicht
dumm. Er setzt eindeutige Prioritäten.
«Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons,
damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn
es mit Euch zu Ende geht.» heißt dann auch die
Moral.
Und damit weist Jesus uns auf unseren Termin hin: Der Zeitpunkt,
an dem es gilt, diese Welt zu verlassen. Was tun wir heute
schon für die nächste Welt? Welche Prioritäten
setzen wir? Heute? Für die kommende Woche? in unserem
Leben?
Vielleicht versuchen wir, noch Gottgefällig zu leben
- und gleichzeitig möglichst viel Spaß am Leben
zu bekommen. So eine Art Gratwanderung. Ein bisschen Gott
und ein bisschen Vergnügen. Jesus, der uns wohl sehr
gut kennt, meint allerdings dazu: «Ihr könnt nicht
beiden dienen, Gott und dem Mammon.» Wir müssen
wohl doch Prioritäten setzen, uns entscheiden (ein der
schwersten Übungen heutzutage: Entscheidungen treffen).
Nur allzu gerne sind wir dann aber doch wie der Verwalter:
Wir stehen im Dienst Gottes, verschleudern aber seine Gaben.
Seien wir ruhig ehrlich.
Jesus erinnert uns nun aber an unseren Termin, an dem unser
Leben zu Ende geht. Er sagt zwar nicht, wann das sein wird.
Aber er lässt sich nicht verdrängen, dieser letzte
Termin in unserem Leben. Und auch, wenn wir ihn gerne weit
wegschieben: Er ist uns oft näher, als wir wahrhaben
wollen.
Können wir uns den klugen Verwalter zum Vorbild nehmen?
Jetzt schon Geld, Besitz und Luxus gering achten, um für
den Zeitpunkt nach unserer Kündigung gerüstet zu
sein?
Welche Prioritäten tragen sie in ihrem Wochenblatt ein?
5. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, in der Zeitung stand letztens,
dass Jack Nicholson, der berühmte Hollywoodschauspieler,
auf einer seiner letzten Feiern haufenweise Dollarscheine
verbrannt hat. "Ich habe soviel Geld, das kann ich niemals
alles ausgeben", war sein Kommentar. Hätte Jack
Nicholson in die Bibel geschaut, wäre ihm vielleicht
aufgegangen, was seine Aufgabe ist: Mit dem, was er hat, Gutes
tun; helfen und heilen; Not lindern und Menschen zu Gott zu
führen. Einfach nur Geld haben ist irgendwann langweilig.
Denn das Gleichnis, das Jesus da gerade erzählt hat,
kann man nur so verstehen. Zunächst klingt es ein bisschen
seltsam: Da lobt Jesus einen Verwalter, der erst faul ist,
und anschließend betrügerisch. Mit dem Eigentum
seines Chefs geht er großzügig um, und sichert
sich so die Sympathien der Menschen. Dann ist er, wenn er
gefeuert worden ist, zumindest bei den ehemaligen Schuldnern
seines Herrn gern gesehen.
Jesus lobt den unehrlichen Verwalter aber nicht, weil er so
toll betrügen kann; die Klugheit des Verwalters liegt
eher darin, das er das Geld und den Besitz benutzt. Der unehrliche
Verwalter hat erkannt, dass es keinen Sinn macht, sich Geld
auf die Seite zu schaffen. Das ist irgendwann aufgebraucht.
Sondern er setzt seine Stellung ein, um sich etwas wertvolleres
zu erwerben: Freunde.
Zugegeben: Gekaufte Freunde sind keine sonderlich zuverlässige.
Das wird jeder erfahren, auch der Verwalter; und Jack Nicholson
hat wahrscheinlich schon genügend Freunde (hoffentlich
gute), dass er keine mehr kaufen braucht.
Aber die Grundhaltung, die Klugheit des Verwalters, ist schon
einmal nicht schlecht: Nicht Geld horten, Besitz sammeln und
sich im Ruhm sonnen ist beruhigend. Sondern alles was wir
haben für ein höheres Ziel einzusetzen.
Das ist nämlich etwas, das wir oft vergessen: Alles
was wir haben, dient uns als Mittel, um in dieser Welt die
jenseitige Welt zu gewinnen.
Dabei fordert Jesus keinen Mindesteinsatz; wir müssen
also nicht erst einen Haufen Geld zusammenhaben, um mit dem
Gutsein beginnen zu können. Jede Mark, die wir verdienen,
ist eine Gnade, wenn wir sie jemandem schenken, der sie nötiger
braucht als wir. Jack Nicholson hätte sich die Frage
schon viel früher stellen sollen.
Alles, was wir besitzen, können wir in Münzen für
die Ewigkeit umwandeln, wenn wir nicht darauf sitzen bleiben
wollen. Denn gestapeltes Geld, ob in Form von Kontoauszügen
oder Stereoanlagen, schadet letztlich nicht nur denen, die
es hätten auch gut gebrauchen können, sondern vor
allem uns: Wir verlieren den Blick für das wirklich Notwendige;
unsere Schätze im Himmel. Irgendwann glauben wir, dass
es nichts wichtigeres gibt als unser Haus. Unser Vorgarten.
Das Auto. Den nächsten Urlaub. Irgendwann arbeiten wir
nur noch für Dinge mit begrenztem Haltbarkeitsdatum.
Liebe Schwestern und Brüder, das Gleichnis und die Predigt
Jesu ist kein Spendenaufruf. Es geht nicht darum, jetzt etwas
abzugeben. Vielleicht ist es ja sinnvoll, den gutbezahlten
Nebenjob doch nicht anzunehmen, dafür aber mehr Zeit
für die Familie zu haben. Oder Zeit und Geld in ehrenamtliche
Arbeit zu investieren. Weniger zu schuften, dafür mehr
zu leben. Bei der Berufswahl den schöneren Beruf zu wählen
- und nicht den besser bezahlten. Lieber die Mietwohnung zu
nehmen, als im Eigenheim mit Schulden. Lieber eine Hochzeitsfeier
in bescheidener Gemütlichkeit, als eine Show, bei der
man sich noch die nächsten zehn Jahre bei jedem Kontoauszug
dran erinnert. Und so weiter.
Jesus möchte, dass wir erkennen, dass wir nicht zwei
Ziele gleichzeitig verfolgen können: Hier ein Leben im
Wohlstand und dort ein Leben bei Gott. Entweder das eine oder
das andere wird zum Hauptlebensinhalt.
Egal, ob die alte DM, der jetzige Euro oder der Dollar: Die
himmlische Währung steht höher im Kurs. Amen.
6. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Eine Schar Kinder spielt friedlich und vergnügt. Zwei Erwachsene
beobachten sie und stellen sich die Frage: Kann man in diese Gruppe Zwietracht
und Streit bringen? Der eine nimmt wortlos eine Hand voll Münzen
und wirft sie unter die Kinder. Die Situation verwandelt sich schlagartig.
Man sieht nur noch Schreiende und Raufende. Jeder will möglichst
viel Geld erhaschen. Da sagt der eine Mann zum anderen: So wie bei
diesen Kindern ist es auch bei den Erwachsenen. Die Gier nach Geld und
Besitz entzweit und stiftet Unfrieden.
Am heutigen Caritas-Sonntag geht es um die zweischneidige Rolle des Geldes.
Jesus nennt es Mammon, das war der phönizische Gott des
Reichtums. Jesus weist durch diese Wortwahl darauf hin, daß das
Geld sehr schnell zum Ersatzgott werden kann, zur alles bestimmenden
Wirklichkeit, wie es jüngst ein Theologe im vielbeachteten
Buch Der verwechselbare Gott ausgedrückt hat. Daß
Habgier großes Unrecht zur Folge hat, müssen wir tagtäglich
erfahren. Die Lesung aus dem Prophetenbuch Amos gibt davon ein prägnantes
Beispiel. Für den Mammon verkaufen die Leute am Ende sogar ihre Seele.
Spätestens dann wird das dämonische Antlitz des Geldes offenkundig.
Aber darüber möchte ich heute keine weiteren Worte verlieren,
sondern auf die andere Seite dieser zweischneidigen Wirklichkeit eingehen:
auf das Gute, das wir mit unserem Hab und Gut tun können und tun
sollen. Macht euch Freunde mit dem Geld! ruft uns Jesus heute
zu. Das dürfen wir nicht falsch verstehen. Jesus meint nicht, wir
sollten uns mit Geld Freunde kaufen. Er spricht hier ja von den ewigen
Wohnungen und von denjenigen, die bereits gestorben sind und uns dort
empfangen oder eben nicht. Diese sollen unsere Freunde sein! Die
Klugheit, die Jesus uns empfiehlt, geht also weit über den engen
Horizont des zeitlichen Lebens hinaus. Sie richtet sich auf das ewige
Leben, nicht bloß auf die paar Jahre, die wir hier auf Erden verbringen!
Und hier stellt der kluge Mensch die alles entscheidende Frage: Was
werde ich anfangen, was wird mir geschehen, wenn ich aus diesem Leben
scheiden muß? Das lateinische Wort für Klugheit ist prudentia,
es kommt vom Verbum providere, das heißt vorausschauen. Der kluge
Mensch schaut voraus auf die Zukunft. Die Planung für diese Zukunft
bliebe kurzsichtig, wenn sie nicht über den Rand dieses Lebens hinausblickte
und das Ende nicht bedächte.
So ist die Botschaft des heutigen Sonntags im Grunde sehr schlicht, aber
in ihrer Schlichtheit vielleicht für den einen oder anderen auch
ärgerlich: Das Beste, was ihr mit Besitz und Geld tun könnt,
ist, es für gute Zwecke herzugeben. Ihr könnt es sowieso
nicht mitnehmen in die jenseitige Welt, also wandelt es um in Liebe für
eure Angehörigen, Nachbarn und bedürftige Mitmenschen!
Dann werden diese euch in den ewigen Wohnungen empfangen.
Heute ist der Caritas-Sonntag. Wir werden erinnert an die Not vieler
Menschen auch in unserem Dorf, an eine Not, die oft verborgen ist, weil
man sich ihrer schämt. Es mag ja oft auch selbstverschuldete Not
sein doch sind wir deshalb unserer Pflicht enthoben, tatkräftig
zu helfen? Ist der soziale Abstieg nicht ein Übel, das uns, wenn
wir es uns vor Augen führen, so schrecklich erscheint, daß
wir es nicht einmal unserem schlimmsten Feind wünschen? Und dann
maßen wir uns ein leichtfertiges Urteil an, daß die ins soziale
Abseits Gestürzten ihr Elend durch ihr Verhalten selbst verdient
haben?!
Ganz im Gegenteil müßten wir jeden Tag um so dankbarer sein,
daß wir bis heute vor solchem Unglück bewahrt wurden. Nicht
jammern und klagen um ein paar Euros, die wir aufgrund der schlechten
Wirtschaftslage vielleicht weniger haben, und das Herz noch mehr verschließen
und verhärten! Sondern froh und dankbar sein und aus dieser Dankbarkeit
heraus das Herz und auch den Geldbeutel für den anderen, für
den Armen öffnen.
Wir können ja froh sein, daß es die Caritas gibt und Menschen
auch in unserer Gemeinde, die sich sehr sorgfältig umschauen, um
abzuschätzen, wo wirklich Hilfe nötig ist. Da sind wir meistens
überfordert, denn wir kennen die Lage der Bedürftigen zu wenig
und möchten auch nicht von solchen ausgenutzt werden, die in Wahrheit
gar nicht so schlecht dran sind. Die Angst, das Geld den Falschen zu geben,
kann uns sogar ganz daran hindern, zu spenden. Doch wenn Sie heute Geld
in die Kollekte geben, können Sie sicher sein, daß es bei wirklich
bedürftigen Familien ankommt. Auch wenn Sie heute nicht sehen können,
wieviel Freude Sie einem Menschen damit bereiten, so werden Sie es doch
dann gewahr werden, wenn Sie an der Schwelle zur ewigen Wohnung stehen.
Das letzte Hemd hat keine Taschen, sagt der Volksmund, mitnehmen
können wir nichts. Nur die Werke unserer Liebe bleiben uns bis in
Ewigkeit. Amen.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du rufst uns in Deinen Dienst. Dich
bitten wir:
-
Lass alle Menschen begreifen, dass Macht, Ansehen, Geld
und Ruhm vor Dir keinen Bestand hat; dass Güte, Liebe
und Gebet bei Dir dafür in ewiger Erinnerung bleiben
wird.
-
Segne alle, die Deine Liebe tatkräftig verwirklichen;
die sich der Pflege und der Sorge um bedürftige Menschen
widmen.
-
Schenke allen Menschen, die sich zu den Gottesdiensten
zusammenfinden, Ruhe und Besinnung, damit sie die heiligen
Geheimnisse mit ganzem Herzen feiern können.
-
Bewahre uns vor Neid und Stolz; lass uns mit dem zufrieden
sein, was Du uns schenkst.
-
Belohne unsere Verstorbenen mit dem versprochenen Lohn:
Dem Leben in Deinem Frieden. Wir feiern diesen Gottesdienst
...
Herr, Du hast uns Deine Liebe und Aufmerksamkeit als Lohn
versprochen. Schenke uns die Kraft, uns mit ganzem Herzen
und ganzer Seele in Deinen Dienst einzusetzen. Darum bitten
wir, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 262, 1 + 2
Kyrie: sprechen
Gloria: 457, 1 + 3
1. Lesung: Am 8, 4-7
Zwischengesang: 640, 2 + 3
Evangelium: Lk 16, 1-13
Credo: 983
Gabenbereitung: 985
Sanctus: 986
Agnus Dei: 989
Danksagung: 262, 3
Schluss: 586, 1 + 2