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Predigten, Fürbitten und Lieder zum 3. Sonntag in der Fastenzeit
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1. Predigtvorschlag
"Vielleicht trägt er doch noch Früchte" Das Evangelium
besteht aus lauter Warnungen. Man erzählt Jesus, dass Pilatus ein paar
Männer umbringen ließ, dass beim Einsturz eines Turmes 18 Männer
erschlagen wurden. Für Jesus sind alle anderen, solange sie sündigen,
genauso gefährdet. Und dann erzählt er selber das Gleichnis vom
Feigenbau, der keine Frucht bringt. Man sollte ihn umhauen, er ist ein Schmarotzer.
Auf Bitte des Gärtners erhält er eine letzte Chance: "Vielleicht
trägt doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen."
Schon die ersten Ereignisse wären in diesem Sinn zu deuten: jedem droht
das Schwert des Pilatus - in der vergangenen Woche sind wieder viele Menschen
Opfer von Gewalttaten geworden, über jedem kann jederzeit der Turm einstürzen,
dazu muss man nicht auf Haiti oder in Chile wohnen. Der unfruchtbare Feigenbaum
wird hier nicht verflucht, aber er hat die Geduld des Besitzers bis zum äußersten
strapaziert; dass man ihn düngt und die Erde um ihn aufgräbt, ist
Gnade - eine letzte, die er nicht verdient hat. Eine ihm angebotene Gnade,
die nicht automatisch Frucht hervorbringt, sonder die er, der im Baum gemeinte
Mensch, mit der Gnade leisten muss.
Die zweite Lesung gibt einen Überblick über die dem Volk in der
Wüste gewährten Gnaden: Durchzug durchs Meer, Speise vom Himmel,
Trank aus dem Felsen, der nach der Sage mit dem Volk mitwandert. Und wieder
soll die ganze Schilderung uns zur Warnung dienen: das Volk war undankbar,
gierte nach den Leckerbissen Ägyptens zurück, ließ sich zur
Unzucht verleiten, murrte gegen Gott. Und so erreichten, weil Gott sie strafte,
die meisten das von Gott verheißene Ziel nicht. Die Kirche, die damit
von Paulus gewarnt werden soll, kann sich den Juden gegenüber nicht in
größerer Sicherheit wiegen: für sie werde doch alles gut ausgehen.
Vielleicht ist sie gerade deshalb, weil sie begnadeter ist, auch gefährdeter.
Niemand gerät auf schlimmere Abwege, als solche, die von Gott für
andere zum Weg vorbestimmt waren, die als Lehrer, Trainer, Priester, Patres
ihrer Erwählung untreu wurden. Zu großer Heiligkeit Vorbestimmte
können die gefährlichsten Führer werden und beim Abfall vom
wahren Weg ganze Teile der Kirche mit sich reißen. Wieviele werden in
Deutschland der Kirche den Rücken zukehren, weil Verantwortung Tragende
in der Kirche den falschen Weg eingeschlagen haben! Das wird unsere Kirche
verändern!
Und dennoch wird in der 1. Lesung das Wunder des brennenden Dornbuschs geschildert
und Mose erwählt, um diesen Namen Gottes "Ich-bin-da" als den
Namen des Retters dem Volk zu verkünden. Was besagt dies im heutigen
Zusammenhang anderes, als dass Warnungen, die an den Menschene rgehen und
sich an ihm verwirklichen können, die Treue des mitwandernden Gottes
niemals in Frage stellen? Es wäre deshalb verkehrt zu folgern, Gottes
Geduld mit dem unfruchtbaren Menschen sei einmal zu Ende, nach der göttlichen
Liebe folge die göttliche Gerechtigkeit. Gottes Eigenschaften sind nicht
endlich. Endlich ist nur der Mensch. Der Feigenbaum wird irgendwann sterben
und dann kann er keine Frucht mehr bringen. Gewarnt wird nicht davor, dass
Gottes Geduld erschöpft sei, sondern dass die begrenzte Zeit der Chance
für den Menschen demnächst ein Ende hat.
Nutzen wir diese Fastenzeit, unsere Wurzeln zu kräftigen, damit wir
nicht mitgerissen werden, wenn andere fallen, sondern dass wir Früchte
vorweisen können, wenn wir vorm Herrn stehen.
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Stellen Sie sich vor, ein Vater hat einen Sohn, der auf die schiefe Bahn
geraten ist. Er hat Geld gestohlen und verjubelt, wurde erwischt und muß
jetzt den Schaden wiedergutmachen. Der Vater bürgt für ihn, nimmt
einen Kredit auf und bezahlt die Schuld seines Sohnes. Der Sohn verspricht
ihm hoch und heilig, von nun ein rechtschaffenes Leben zu führen. Aber
es dauert nicht lange, da beginnt er, sich wieder mit seinen schlechten Freunden
zu treffen und die Nähe seines Vaters zu meiden. Es kommt zur Aussprache.
Der Sohn sieht seine Schuld ein, ändert aber sein Leben nicht. So geht
es lange Zeit.
Können Vater und Sohn auf Dauer so weiterleben? Oder muß der Vater
dem Sohn nicht irgendwann eine Frist setzen: Dies ist deine letzte Chance!
Wenn du sie nicht nutzt, mußt du gehen?
Das ist eine ernst gemeinte Frage, nicht nur ein Gleichnis. Können Menschen
auf Dauer eine Gemeinschaft bilden, wenn auch nur einer von ihnen ständig
die Liebe verletzt und nur egoistisch seinen eigenen Vorteil sucht? Nehmen
wir an, es ist wirklich nur einer der Störenfried. Wird er nicht den
Frieden der ganzen Gemeinschaft zerstören? Wir werden wohl sagen
müssen: Das gibt es gar nicht, daß nur einer sich falsch verhält
und alle anderen richtig; jeder hat seinen eigenen Anteil am Unfrieden, an
der Lieblosigkeit. Aber wenn es wirklich so sein sollte, daß alle gut
sind bis auf einen, dann muß der Schlechte sich bessern; ansonsten kann
er nicht bei den anderen bleiben.
Um es kurz und bündig zu sagen: Eine Ewigkeit mit Bösen zusammen
zu sein, wäre die Hölle. Himmel dagegen ist, wo nur die Liebe regiert.
Nun ist Gott die Liebe selbst. Wir sind es gewohnt, uns Gott so vorzustellen,
daß er keine Probleme hat mit den Sündern. Egal was Menschen auch
anstellen, sie finden immer einen gnädigen Gott. Das ist zwar richtig,
aber nur die eine Seite der Wahrheit! Richtig daran ist, daß Gott jedem,
auch dem größten Sünder eine Chance gibt und solange
er lebt, immer wieder eine Chance. Falsch aber ist, zu denken, das bedeute,
eine Umkehr sei also gar nicht nötig. Jesus sagt es im Evangelium gleich
zweimal in äußerster Klarheit: Ihr alle werdet genauso umkommen,
wenn ihr euch nicht bekehrt. Nicht die einzelne Sünde ist für
Gott ein Problem, sondern die fehlende Bereitschaft, sich davon wirklich abzuwenden.
Die Botschaft des heutigen Evangeliums ist eindeutig: Da werden Galiläer
von Pilatus grausam ermordet; 18 Menschen finden den Tod beim Einsturz eines
Turms. Wie soll man das verstehen? Verlockend und eingängig ist die Volksmeinung:
Das Unglück ist die Strafe für begangene Sünden. Also: Sie
waren selbst schuld. Die anderen, die nicht getroffen wurden, können
sich sicher wähnen. Doch Jesus sagt kategorisch: Nein! Solche
Katastrophen sind niemals Zeichen der Schuld der Betroffenen. Denn wenn schon
von Schuld gesprochen werden soll, dann muß man sagen: alle sind schuldig,
ohne Ausnahme. Keiner kann sich sicher wähnen, solange er sich nicht
aufrichtig von seiner eigenen Schuld abkehrt. Und zwar jetzt gleich, nicht
irgendwann in der Zukunft.
Jesus sagt es im Gleichnis: Für den Feigenbaum ist es höchste Zeit,
die Frucht zu bringen, die man ungeduldig von ihm erwartet. Dabei ist es eine
besondere Gnade, daß der Weingärtner noch um Aufschub für
ihn bittet, daß er sogar den Boden umgräbt und düngt, wo der
Baum doch eigentlich schon seine Chance erhalten und verspielt hatte.
Offenbar sieht Jesus sich selbst in der Rolle des Weingärtners. Er hat
Mitleid mit dem Feigenbaum, der ein Bild ist für die Stadt Jerusalem,
die ihn und seine Botschaft ablehnt. So ruft er einmal aus: Jerusalem,
Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir
gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine
Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt.
Darum wird euer Haus (von Gott) verlassen. (Lk 13,34) Er sieht voller
Trauer den Untergang der Stadt voraus: Als Jesus näher kam und
die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem
Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor
deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine
Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von
allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern
und keinen Stein auf dem andern lassen; denn du hast die Zeit der Gnade nicht
erkannt. (Lk 19,41ff)
Diese Worte Jesu gehen auch uns an. Jedem einzelnen ist die Chance zur Umkehr
gegeben, aber keiner kann wissen, wie lange die Frist noch währt. Wir
sind nicht besser als die Bewohner von Jerusalem. Aber wir sollen und wir
können es sein wenn wir die Gnade Gottes annehmen, die uns angeboten
wird, nämlich jetzt. Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist er
da, der Tag der Rettung. (2 Kor 6,2)
3. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 14.03.04
Liebe Schwestern und Brüder,
wir alle haben noch die schrecklichen Bilder vom Donnerstag, dem 11. 03. im
Kopf.
Entsetzlich diese Anschläge in Madrid. Ihre Brutalität, ihre Menschenverachtung,
ihre Kaltblütigkeit.
Schrecklich dieses Leiden. Seine Sinnlosigkeit, die Ahnungslosigkeit, die
Unschuld der Opfer.
Uns allen sind diese Bilder noch sehr präsent.
Ähnlich wie die Bilder des 11. September aus New York. Ähnlich wie
die Bilder des Anschlages von Lockerbie,
die Bilder von Eschede, als der Zugunfall zig Menschen in den Tod riss,
die Bilder vom holländischen Enschede, als die Explosion einer Feuerwerkskörperfabrik
einen ganzen Stadtteil der Erde gleich machte,
ja, ähnlich wie die Bilder, die uns die Überlebenden der Konzentrationslager
zeigen und die Leichenberge der dort elendig Krepierten.
Auch im damaligen Israel gab es ähnliche Katastrophen. Darüber
reden Jesus und seine Jünger im heutigen Evangelium. Damals gab es noch
nicht die Massenmedien, die all das Schreckliche so allgegenwärtig, so
omnipräsent machen, so wie wir es heute erleben.
Aber die Mund zu Mund-Propaganda gab es auch damals schon. Und wie bei uns
heute bewegten solche Ereignisse die Menschen, waren Tagesgespräch.
Katastrophen, Unglücke, Unfälle, Gewalttaten, Anschläge. All
das wirft Fragen auf. Damals wie heute.
Wer ist schuldig? Wie konnte das passieren? Wäre das nicht zu verhindern
gewesen?
Neben diesen eher analytischen Fragen, gibt es aber auch Fragen, die uns
in unserer Existenz anrühren.
Kann das nicht auch mit mir passieren? Was, wenn ich in so etwas hineingezogen
werde?
Und für viele stellt sich die Frage nach Gott. Wie kann der so etwas
zulassen? Ist das seine Gerechtigkeit? Wo ist da Gott?
All diese Fragen werden wachgerufen. Und es ist schwer, darauf zu antworten.
Jedenfalls gibt es darauf keine glatten Antworten.
Ein Weg zu einer Antwort könnte folgendes Gespräch sein, in dem
ein jüdischer Rabbi gefragt wird:
"Rabbi, wie kannst du nach Auschwitz noch an Gott glauben?" Der
Rabbi antwortet mit einer Gegenfrage: "Wie kannst du nach Auschwitz nicht
an Gott glauben?"
Für den einen Fragenden schließt es sich aus, dass Leid und Gott
gleichzeitig existieren können.
Für den Rabbi lässt sich das Leid, all das Unglück dieser Welt
nur ertragen, wenn es Gott wirklich gibt.
Er lebt aus dem Glauben, der seine Wurzeln in der Begegnung des Mose mit dem
brennenden Dornbusch hat. Wir haben die Stelle in der Lesung gehört.
In ihr offenbart sich Gott als der "Ich-bin-da". Gott ist da, ist
präsent, hört, sieht unser Leid, unsere Not.
Er ist nicht die Ursache all dessen – der größte Teil ist
Folge der freien Entscheidung von Menschen: Ground Zero, Auschwitz und jetzt
Madrid haben ihre Ursache im Handeln der Menschen. Ebenso ein Großteil
der sogenannten Naturkatastrophen.
Und da wo alles Leiden unerklärlich bleibt, bleibt Gott an unserer Seite.
Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint
über euch und eure Kinder ... Denn, wenn es so dem grünen Holz ergeht,
was wird dann mit dem Dürren geschehen?
So spricht Jesus zu den Frauen, denen er auf seinem Kreuzweg begegnet.
Er verheimlicht nicht, dass es Leid gibt. Er, der das Kreuz trägt - ohne
schuldig zu sein – weiß darum, dass viele ein schweres Kreuz tragen
werden müssen – ohne schuldig zu sein.
Das Kreuz ist eine Wirklichkeit in unserem Leben. Es war harte Wirklichkeit
in Seinem Leben.
Das Christentum nimmt diese Welt ernst, weiß auch um die Lasten, die
dieses Leben mit sich bringt. Es widersteht der Versuchung, diese harte Wirklichkeit
auszublenden, tot zu schweigen, so wie es die Räucherstäbchen-Romantik
der esoterischen Weltsichten tun. Der christliche Glaube flüchtet sich
nicht in eine Scheinwelt, unterdrückt die bohrenden Fragen nicht durch
Drogen-Konsum und anderen Rausch.
Die Frauen am Kreuzweg werden den Anblick von damals nicht vergessen haben.
Jesus, mit offenen Wunden, geschlagenem Gesicht, blutigen Händen, die
einen wuchtig-schweren Holzbalken umfassen. Leise nur waren die keuchenden
Worte des geschwächten Herrn zu vernehmen:
Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint
über euch und eure Kinder ... Denn, wenn es so dem grünen Holz ergeht,
was wird dann mit dem Dürren geschehen?
An diesen Jesus wird die eine sich erinnert haben, als ihr Sohn kurz nach
der Geburt sterben musste.
An diesen Jesus wird eine andere gedacht haben, als sie, an Lepra erkrankt,
von den Menschen verstoßen wurde.
Dieser Jesus kam einer in den Sinn, als sie vor den Trümmern ihres Hauses
stand, das ein Erdbeben zerstört hatte.
Dieser Jesus trat vor das innere Auge der anderen, deren Sohn im Widerstandskampf
gegen die römischen Besatzer fiel.
Und alle spürten, dass sie mit ihrem Leid nicht allein waren. Denn sie
ahnten schon damals, dass dieser Jesus nicht nur sein eigenes Kreuz getragen
hat, sondern dass er auch ihr je eigenes Kreuz trug und mitträgt.
Mose hat den Namen Gottes gehört: "Ich-bin-da".
Die Frauen haben den "Ich-bin-da" mit eigenen Augen gesehen. Er
trug das Kreuz. Gott ist der "Ich-bin-da", gerade dann, wenn wir
an einem Kreuz tragen. Er hat es schon vor uns und für uns getragen.
Liebe Schwestern und Brüder,
damit wir uns richtig verstehen:
Das Christentum ist keine sadistische oder masochistischen Religion. Wir suchen
nicht das Kreuz! Nein, wir versuchen es zu verhindern, zu lindern in seiner
Wucht. Gerade auch hier im Krankenhaus.
Aber das Kreuz ist eine unumgängliche Realität dieses Lebens, dieser
Erde. Das Christentum ist eben keine "Schönwetter-Religion".
Immerhin ist das Kreuz sein Erkennungszeichen und das leere Grab.
Aber das leere Grab existiert ebenso, wie das Kreuz. Und vielleicht haben
die gleichen Frauen, die Jesus und sein Kreuz gesehen haben, auch sein leeres
Grab besucht.
Und vielleicht hat sie jemand damals gefragt: "Ihr Töchter Jerusalems,
wie könnt ihr nachdem ihr Jesus mit dem Kreuz gesehen habt, noch an diesen
Jesus glauben?" Und vielleicht hat eine von ihnen geantwortet: "Wie
kann ich, nachdem ich Jesus mit dem Kreuz gesehen habe, nicht an ihn glauben?"
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder
Im heutigen Evangelium wird Jesus eine der größten
Fragen der Menschheit gestellt, die auch bei uns heute immer
wieder gestellt wird: Warum das Leid in der Welt? Warum ließ
Gott es zu, dass die Galiläer von Pilatus umgebracht
wurden, warum ließ Gott die Katastrophe zu, dass achtzehn
Menschen von dem einstürzenden Turm erschlagen wurden?
Warum?
Jesus antwortet. «Glaubt bloß nicht, dass Gott
sie wegen ihrer Schuld bestraft hat, dann müsste jeder
einzelne von Euch genauso sterben.» Wenn es nach Gerechtigkeit
ginge, dann hätte ein jeder von uns den Tod verdient.
Denn wir alle haben viel von Jesus gehört und erfahren,
wir sind durch ihn und durch die Kirche reich beschenkt worden;
ein jeder von uns, mich eingeschlossen, müsste deshalb
eigentlich ganz anders leben.
Aber wir sind eben Menschen, und ein jeder hat seine Schwächen,
in die er immer wieder zurückfällt. Für die
meisten von uns gilt, was Jesus damals den Menschen gesagt
hat: «Aufgrund Eurer Gedanken, Worte und Werke hätte
ein jeder den Tod verdient».
Doch der Gott, den Jesus verkündigt, handelt anders.
Um das deutlich zu machen, erzählt Jesus den Menschen
das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum. Wir Menschen werden
von Ihm mit solch unfruchtbaren Feigenbäumen verglichen.
Gott, der Weingärtner kommt immer wieder zu uns und schaut
nach, ob wir die erwarteten Früchte tragen, aber nichts
geschieht. Drei Jahre schon schaut er vergeblich nach uns,
und wir bringen immer noch keine Frucht. Wir haben die Geduld
Gottes schon über jedes normale Maß strapaziert,
so dass es nun Zeit wird, uns umzuhauen, damit wir nicht weiter
sinnlose Nutznießer und Schmarotzer des Weinberges sind.
Doch trotz unseres sinnlosen Treibens wird der Feigenbaum
nicht verflucht, nicht umgehauen, sondern Gott schenkt uns
erneut seine Gnade. Obwohl wir den Tod verdient hätten,
bemüht er sich noch einmal um uns, gräbt die Erde
um den Feigenbaum auf, düngt ihn. Gott gibt sich um jeden
einzelnen von uns solch eine Mühe, wie der Weingärtner
um diesen Feigenbaum. Er lockert den Boden auf; da wo bei
uns alles fest und hart ist. Wo unsere Positionen im Streit
mit der Verwandtschaft oder Bekanntschaft fest und unumstößlich
sind, will er die Erde auflockern, so dass wieder neues Leben
entstehen kann. Er düngt den Boden, gibt Nahrung von
außen hinzu, so wie Aspekte, neue Sichtweisen, neue
Ideen eine Beziehung zwischen Oppositionen neu beleben können.
Gott will, dass wir endlich zu leben anfangen, Frucht bringen.
Daher müht er sich um jeden Einzelnen.
Wir haben diese Gnade Gottes nicht verdient. Wenn es nach
der Gerechtigkeit ginge, hätte ein jeder von uns den
Tod verdient. Das wir überhaupt noch leben, dass Gott
mit uns noch nicht die Geduld verloren hat, ist Grund genug,
ihm täglich zu danken.
Die Zeit, die wir hier auf Erden haben, ist nichts anderes
als Gottes Geduld mit uns. Die Zeit, die jeder Mensch noch
zu leben hat, ist das Warten Gottes auf Früchten. Eine
andere Daseinsberechtigung haben wir nicht.
Und das Leid in der Welt? Der Tod der Unschuldigen? Jesus
gibt da keine direkte Antwort. Er stellt lediglich fest -
in aller Deutlichkeit, dass es keine Strafe Gottes. Er erinnert
uns aber anhand der Gegenwart dieses plötzlichen Todes
an unseren eigenen Tod, der uns schneller ereilen kann, als
wir meinen.
Der Tod ist greifbar, das Leid in der Welt wird uns tagtäglich
vor Augen geführt, und Gott selbst fiel dem Tod am Karfreitag
zum Opfer. Doch danach gibt es immer wieder ein Ostern. Jeder
Sonntag lädt uns ein, nach einem Freitag des Verzichts,
des kleinen Sterbens, neu das Leben zu feiern.
Jesus will uns ermuntern, gerade angesichts der Gegenwart
des Todes, endlich anfangen zu leben.
Fürbitten
Herr, Du rufst uns in diesen Tagen auf zur Umkehr und zur
Buße. Dich bitten wir:
-
Öffne uns die Augen für unsere eigene Schuld
uns zeige uns Weg zurück zu Dir.
-
Stärke unsere Gemeinschaft. Heile die Kranken, behüte
die Starken, führe zurück, die abseits stehen
und richte die Verzweifelten auf.
-
Sei den Ausgestoßenen Trost und Hilfe; Begleite
die, die sich für die Elenden dieser Welt einsetzen.
-
Mach allen Feindschaften und Kriegen ein Ende und zeige
den Völkern den wahren Frieden - wir beten besonders
für die Opfer der Terror-Anschläge in Spanien.
-
Du bist als Erster von den Toten auferstanden. Nimm die
Verstorbenen auf in die Herrlichkeit des ewigen Lebens.
Wir beten für: ...
Herr, Du bist unser Leben, unser Anfang, unser Ende. Erhöre
gnädig unsere Bitten, denn Dein ist die Zeit und die
Ewigkeit. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 615, 1 + 2
Kyrie: 168, 1 - 4
2. Lesung: 1 Kor 10, 1-6.10-12
Zwischengesang: 615, 3
Evangelium: Lk 13, 1-9
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 644
Sanctus: 491
Agnus Dei: 470
Nach der Komm.: 965, 1 + 2
Schluß: 965, 4