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Predigt zum 6. Sonntag in der Osterzeit
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1. Predigtvorschlag
"Der Heilige Geist und wir haben beschlossen" (Apg
15,28)
Eine Kirche, die in sich gespalten ist, ist kraftlos und
unglaubwürdig. Darum war die Eintracht in der Kirche
ein Anliegen, um das von Anfang an gebetet und gerungen wurde.
Es galt nicht das Motto des Alten Fritz: "Jeder soll
nach seiner Facon selig werden" oder "Ist ja doch
egal, was einer glaubt", sondern es wurde gefragt nach
der Treue zur Sendung, wie Jesus selbst sie verstanden hatte.
Die Apostelgeschichte berichtet davon.
Sie berichtet von der Christengemeinde in Antiochien in
Syrien. Antiochia war nach Rom und Alexandrien die drittgrößte
Stadt im damaligen Römischen Weltreich. Unter den etwa
500.000 Einwohnern gab es eine große jüdische Gemeinde.
Nach der Steinigung des Diakons Stephanus kamen in der dann
einsetzenden Verfolgung die Christen auch nach Antiochia und
verkündeten dort den Glauben (Apg 11,19), und zwar -
anscheinend erstmals - nicht nur an die Glaubensgeschwister,
die Juden, sondern auch an die Heiden. Zum erstenmal hat man
die Jünger Jesu hier "Christen" genannt (Apg
11,26).
Aber auch in Antiochia passierte bald, was sich in der Zeit
darauf in der Kirche immer aufs neue wiederholen sollte: Aus
einem "Seht, wie sie einander lieben" wird ein "Seht,
wie sie miteinander streiten!" Aber im Unterschied zu
manchen Anlässen, woraus bei uns zuweilen Streit entsteht,
gab es hier, in der Urgemeinde in Antiochia, einen ganz wichtigen
und wesentlichen Grund: nämlich die Frage, ob einer,
um Christ werden und die Taufe empfangen zu können, nicht
zuerst Jude werden müsse, um dann, als Jude, den Weg
zu Christus zu finden? So dachten die frommen Juden, die Christen
geworden waren. Sie warfen ein gewichtiges Argument in die
Waagschale: Gott habe doch das jüdische Volk auserwählt
und ihm und keinem anderen Volk seine Verheißungen gegeben.
So sei der Weg zum Heil doch klar vorgegeben: über das
Volk Israel.
Aber dagegen stand die andere Meinung, die Paulus und Barnabas
vertreten. Sie sagen: Nicht die Beschneidung und die Befolgung
der jüdischen Gesetzesvorschriften ist notwendig, sondern
der Glaube an Christus. Nicht nur den Juden hat Gott das Heil
zugesagt, sondern allen Menschen, die sich für Christus
und seine Botschaft öffnen. Alle sind, unabhängig
von ihrer Herkunft, berufen und eingeladen, in der Taufe neues
und ewiges Leben und die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen
Gott zu empfangen.
Wo diese beiden Meinungen aufeinandertrafen, war klar, daß
eine Entscheidung und eine Klärung bald erfolgen mußte.
Denn beides zugleich ging nicht, das eine schloß das
andere aus. Wer aber hat recht? Was ist zu tun? Wie finden
wir die Wahrheit?
Die Gemeinde macht nun keine Umfrage in dieser Sache und
läßt auch nicht einfach eine Mehrheit entscheiden.
Was sie tun, gibt den Weg der Kirche in den späteren
Jahrhunderten vor: Man geht nach Jerusalem, wo Petrus ist.
Bei Petrus sind auch noch andere Apostel. Diesen wird die
Streitfrage vorgetragen. Es ist das erste Konzil der Kirche:
Das Apostelkonzil. Die Apostel hören, prüfen und
schließlich entscheiden sie. Sie geben Paulus und Barnabas
recht: Der Glaube an Christus genügt zur Taufe und zum
Heil. Der Geist wirkt überall, auch bei denen, die nicht
zum jüdischen Volk gehören.
So begründet das Konzil seine Entscheidung: "Der
Heilige Geist und wir haben beschlossen". Der Heilige
Geist kommt also zuerst. In ihm lebt Christus. In ihm lehrt
Christus. Jesus hatte versprochen: "Der Beistand aber,
der Heilige Geist, (...) der wird euch alles lehren und euch
an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh 14,26).
Darauf können die Apostel sich berufen. Sie glauben,
was die Kirche seitdem immer glaubte und auch in Zukunft immer
glauben wird: Der Heilige Geist läßt die Kirche
nicht im Stich. In den notwendigen Entscheidungen hilft er,
den richtigen Weg zu finden. Aber es muß Vertrauen da
sein. Und es muß gebetet werden. Der Heilige Geist will
erbetet, erfleht werden. Die Apostel in Jerusalem, die Jünger
in Antiochia und die vielen, vielen Christen, die auf den
Heiligen Geist gehofft haben, sie haben gehorcht mit den Ohren
und sie haben gebetet mit dem Mund und sie haben geglaubt
mit dem Herzen. Sie werden in der Kunst darum auch gezeichnet
mit einem Lichtschein, dem "Heiligenschein", um
das Haupt herum. - Ein Pastor, bei dem ich früher als
Kaplan tätig war, hatte als regelmäßiges Bonmot,
das er immer wieder zum Besten gab: Bei den vielen Sitzungen,
die es heute in der Kirche gibt und bei denen mehr geredet
als gebetet wird, haben wir demnächst die Heiligenbilder
nicht mehr mit dem Heiligenschein am Kopf, sondern um den
Hintern. - (Sitzungskatholizismus nennt man das auch.)
Das Gebet ist entscheidend, um mit dem Heiligen Geist in
Kontakt zu kommen. Und ein Zweites kommt hinzu, was Barnabas
und Paulus und die übrigen Christen auszeichnete: Sie
haben gehört. Nachdem die Entscheidung gefallen war,
die das Lehramt in Form des Apostelkollegiums getroffen hatte,
hatten sie gehört, die Entscheidung weitergegeben und
sind selber der Entscheidung gefolgt. Das Hören und Hörenkönnen
ist in unserer Zeit wieder bitter nötig. Ich bin immer
wieder erstaunt, mit welch letzter Sicherheit bestimmte, ja
sogar von der Kirche bezahlte Leute Dokumente und Stellungnahmen,
die aus Rom kommen, kommentieren, kritisieren, bagatellisieren
und was weiß ich noch können - die das besagte
Papier noch nicht einmal in der eigenen Hand, geschweige denn
gelesen haben. Glauben sie denn nicht mehr, daß Petrus
in Rom ist? Daß er auch heute zu uns spricht? Daß
er auch uns Wichtiges, Wesentliches zu sagen hat, was wir
uns nicht durch kirchenfeindliche Medien vermiesen lassen
sollten? Der kleine Piepvogel, den manche bei sich haben und
gerne hören, ist noch längst nicht die Taube des
Heiligen Geistes - glücklicherweise.
Und schließlich, als drittes: Der Dienst. Die Apostel
und die Jünger setzten ihre Mission fort. Sie legten
nicht die Hände in den Schoß. Auch das muß
uns als Beispiel vor Augen stehen: Wo können, ja wo müssen
wir als Kirche dienen und vom Glauben Zeugnis geben? Wo können
wir zum Beispiel Neuzugezogene einladen: Zum Gottesdienst,
zu einem Abend oder zu einer Feier in der Gemeinde? Das Zeugnis
gelebten Glaubens: ein wichtiger Dienst. Und das Zeugnis der
Eintracht in der Kirche, aber auch in der konkreten Gemeinde.
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Der heilige Pankratius hat im jugendlichen Alter seinen Glauben mit dem
eigenen Blut bezeugt. Unter Kaiser Diokletian entschied er sich dafür,
lieber enthauptet zu werden als seinen Glauben zu verleugnen. Er vertraute
auf das Wort des Apostels Paulus: Ich bin überzeugt, daß
die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu
der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. (Röm 8,18)
Wie wenig dieser Satz mit einer Floskel gemein hat, können wir ermessen,
wenn wir vergleichbare zeitgenössische Berichte zu Rate ziehen. Hören
wir die Geschichte einer Frau aus einem nordkoreanischen Gefangenenlager,
die durch das Zeugnis der Martyrer später selbst Christin wurde:
"Ich sah, wie acht christliche Gefangene einen großen Metallkessel
mit geschmolzenem Eisen trugen. Ein Wachoffizier schrie sie an und benutzte
dabei sehr gemeine Worte. »Morgen ist der Tag des Gedankenreinigens.
Morgen geht ihr raus und sagt allen, daß es keinen Himmel gibt,
an den man glauben kann daß es keinen Gott gibt. Sonst müßt
ihr sterben, versteht ihr?« Es herrschte Schweigen. Keiner der Gefangenen
antwortete dem Offizier. Der wurde wütend und begann, die Männer
zu verfluchen. Er schrie: »Alle acht, kommt hierher und legt eure
Gesichter auf den Boden!« Sie taten, wie er befohlen hatte. Sie
knieten nieder und beugten ihre Köpfe. Der Offizier rief andere männliche
Gefangene herbei: »Bringt kochendes Eisen aus dem Ofen und gießt
es über sie!« - Die verängstigten Gefangenen liefen und
holten einen Kessel geschmolzenes Eisen. Dann gossen sie die glühende
Masse auf die still knienden Männer Gottes. Plötzlich drang
mir der Geruch brennenden Fleisches in die Nase. Die Körper fingen
von der großen Hitze zu schrumpfen an, als das flüssige Metall
sich durch das Fleisch brannte. Ich fiel zu Boden und wurde fast ohnmächtig
vor Entsetzen. Die Wirkung auf mich war so gewaltig, daß ich schrie,
als sei ich verrückt. Auch andere Gefangene im Lager schrieen vor
Entsetzen, als die acht Christen starben. Ich sah ihre eingeschrumpften
Körper und dachte in meinem Herzen: »Was glauben sie? Was sehen
sie im leeren Himmel? Was kann ihnen wichtiger sein als ihr Leben?«
In den Jahren, als ich im Gefängnis war, sah ich viele Gläubige
sterben. Aber niemals, niemals verleugneten sie den Gott im Himmel. Sie
hätten nur zu sagen brauchen, daß sie nicht an die Religion
glauben, und sie wären freigelassen worden. Ich verstand nicht, was
ihnen die Angst vor dem Tode nahem. Ihr unglaublicher Glaube ließ
eine große Frage in meinem Herzen aufkommen: »Was sahen sie,
das mir fehlte?«
Liebe Gemeinde! Die berichtete Begebenheit ist so schrecklich, daß
ich lange gezögert habe, ob ich sie Ihnen überhaupt zumuten
kann. Aber die Frage, die sie auslöst, ist mir so wichtig
zum einen, um unserem Pfarrpatron Pankratius näherzukommen, und zum
anderen für meine Predigtreihe über den Himmel: »Was glauben
sie? Was sehen sie im leeren Himmel? Was kann ihnen wichtiger sein als
ihr Leben?« Paulus hat damals die Herrlichkeit des Himmels vorweggenommen,
um die Leiden der gegenwärtigern Zeit besser ertragen zu können
und ausgerufen: Ich bin gewiß: Weder Tod noch Leben, weder
Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur
können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist,
unserem Herrn. (Röm 8,38f)
Ich stelle darum die heutige Predigt unter die Überschrift: Der
Glaube an den Himmel macht Mut. Ich meine nicht zuerst und allein
den überragenden Mut zum Martyrium davor graut mir genau wie
Ihnen wahrscheinlich auch; nur eine besondere Gnade Gottes kann die Kraft
dazu geben, so etwas zu ertragen ich meine auch den Mut und die
Kraft, gegen den Strom zuschwimmen, gegen die Neigung zur Bequemlichkeit
anzukämpfen und die Verantwortung für das eigene Leben und für
die anvertrauten Menschen anzunehmen. Daß dies nicht selbstverständlich
ist, sehen wir an der wachsenden Zahl derjenigen, die mit ihrem Leben
nichts Rechtes anzufangen wissen, die oft nach einer heißen
Phase rauschhafter Gier nach Erlebnissen eine deprimierende Leere
empfinden und ihr Leben am liebsten wegwerfen würden. Die Psychologen
sprechen inzwischen schon von einer Quaterlife Crisis, d.h. von einer
Krise, die bereits die Mitzwanziger trifft zum Ende des ersten
Lebensviertels, nicht erst zur Lebensmitte.
Wer von Herzen sagen kann: Wir sind nur Gast auf Erden und wandern
ohne Ruh mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu, der hat
es leichter, die Enttäuschungen des Lebens wegzustecken, weil er
weiß: Das Eigentliche kommt noch! Um in diesem Leben Verantwortung
übernehmen zu können, braucht es nicht nur seelische Kraft,
sondern vor allem auch die Aussicht, daß es sich lohnt. Und es muß
sich lohnen nicht nur auf kurze Sicht, denn die wird schnell eingeholt
von den zahlreichen Rückschlägen, die das Leben bietet; es muß
sich lohnen auf lange Sicht, d.h. im endgültigen Maßstab.
Der Apostel Paulus weist darauf hin, wie Menschen empfinden, die den
Glauben an ein ewiges Leben im Himmel nicht teilen: Wenn Tote nicht
auferweckt werden, dann laßt uns essen und trinken; denn morgen
sind wir tot. Und er mahnt: Laßt euch nicht irreführen!
Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten. Werdet nüchtern, wie es sich
gehört, und sündigt nicht! Einige Leute wissen nichts von Gott;
ich sage das, damit ihr euch schämt. (1 Kor 15,32-34)
3. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 16.05.04
Liebe Schwestern und Brüder!
Kurz nach Ostern veröffentlichte der Vatikan die Instruktion Redemptionis
Sacramentum über einige Dinge bezüglich der
heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind.
Bevor dieses Dokument erschienen war gab es schon Gerüchte:
"Der Papst will die Messdienerinnen abschaffen."
"Der Papst und der Ratzinger wollen wieder die Messe auf Latein und mit
dem Rücken zum Volk einführen." usw.
Wie sich herausstellte – noch vor der Veröffentlichung des Dokumentes
– war Stimmungmache gegen den Apostolischen Stuhl aus sogenannten "kirchenkritischen"
Kreisen. Nichts von alledem findet sich in er Instruktion.
Andere wiederum – in den Medien oder am kirchenpolitischen Stammtisch
– fühlten sich am Tag der Erscheinung oder am Tag darauf geharnischte
Kommentare gegen das ach so konservative, rückwärtsgewandte Rom.
Wir in Deutschland seien da ja schon viel weiter, offener.
Fragte man dann mal nach, ob die Betreffenden das Dokument denn schon gelesen
haben, wurde schnell das Thema gewechselt. Die 74 Seiten durchzulesen haben
dann doch wohl die wenigsten geschafft. Geschweige denn, sich überhaupt
bemüht, das Dokument zu erwerben.
Dann wurde zum Schluß noch über den kühlen Stil gemeckert,
der sei so kalt und juristisch. Da stellt sich mir dann die Frage, ob eine
"Instruktion", also eine Anweisung, in Reimform verfasst werden
muß.
So wie dieser Instruktion, die eigentlich nur das bestätigt und in Erinnerung
ruft, was seit dem zweiten Vatikanum gilt – so wie dieser Instruktion
geht es vielen Dokumenten aus Rom.
"Zentralismus" sei das Ganze wird geschrieen. Rom mache die Ortskirchen
unmündig, nehme sie nicht ernst.
Da entsteht dann eine andere Frage, ob denn Rom, der Papst, das Lehramt denn
noch ernstgenommen werden, oder ob da nicht allzu häufig Vorabverurteilungen
kommen – nach dem Motto: "Was kann von da schon Gutes kommen?"
Schwestern und Brüder,
Konflikte, Streitigkeiten kommen unter uns Menschen zwangsläufig vor.
Davon bleibt auch die Kirche nicht verschont. Die Frage ist, wie man damit
umgeht.
Schon ganz früh gab es in der Kirche heftige Auseinandersetzungen. Davon
berichtet die Lesung aus der Apostelgeschichte. Worum ging es da? Und welchen
Weg weist uns hier die Hl. Schrift, mit Uneinigkeit umzugehen?
Damals ging es um eine wichtige Frage: Muß man, um Christ werden zu
können, zuerst Jude gewesen sein?
Für die frommen Juden, die Christen geworden waren, war die Beschneidung
und die Befolgung jüdischer Gesetze unaufgebbare Bedingung. Dagegen stand
die Meinung, die auch von Paulus und Barnabas vertreten wurde, dass allein
der Glaube an Christus zähle.
Wo diese beiden Meinungen aufeinandertrafen, war klar, daß eine Entscheidung
und eine Klärung bald erfolgen mußte. Denn beides zugleich ging
nicht, das eine schloß das andere aus. Wer aber hat recht? Was ist zu
tun? Wie finden wir die Wahrheit?
Die Gemeinde macht nun keine Umfrage in dieser Sache und läßt auch
nicht einfach eine Mehrheit entscheiden. Was sie tun, gibt den Weg der Kirche
in den späteren Jahrhunderten vor:
Man geht nach Jerusalem, wo Petrus ist. Bei Petrus sind auch noch andere Apostel.
Diesen wird die Streitfrage vorgetragen.
Es ist das erste Konzil der Kirche: Das Apostelkonzil. Die Apostel hören,
prüfen und schließlich entscheiden sie. Sie geben Paulus und Barnabas
recht: Der Glaube an Christus genügt zur Taufe und zum Heil. Der Geist
wirkt überall, auch bei denen, die nicht zum jüdischen Volk gehören.
So begründet das Konzil seine Entscheidung: "Der Heilige Geist und
wir haben beschlossen".
Der Heilige Geist kommt also zuerst. In ihm lebt Christus. In ihm lehrt Christus.
Jesus hatte versprochen: "Der Beistand aber, der Heilige Geist, (...)
der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt
habe" spricht der Herr im Evangelium.
Darauf können die Apostel sich berufen. Sie glauben, was die Kirche seitdem
immer glaubte und auch in Zukunft immer glauben wird: Der Heilige Geist läßt
die Kirche nicht im Stich. In den notwendigen Entscheidungen hilft er, den
richtigen Weg zu finden. Aber es muß Vertrauen da sein. Und es muß
gebetet werden. Der Heilige Geist will erbetet, erfleht werden.
Die Apostel in Jerusalem, die Jünger in Antiochia und die vielen, vielen
Christen, die auf den Heiligen Geist gehofft haben, sie haben gehorcht mit
den Ohren und sie haben gebetet mit dem Mund und sie haben geglaubt mit dem
Herzen. Sie werden in der Kunst darum auch gezeichnet mit einem Lichtschein,
dem "Heiligenschein", um das Haupt herum. –
Ein Pfarrer, den ich kenne, hatte als regelmäßiges Bonmot, das
er immer wieder zum Besten gab: Bei den vielen Sitzungen, die es heute in
der Kirche gibt und bei denen mehr geredet als gebetet wird, haben wir demnächst
die Heiligenbilder nicht mehr mit dem Heiligenschein am Kopf, sondern um den
Hintern. -
Das Gebet ist entscheidend, um mit dem Heiligen Geist in Kontakt zu kommen.
Und ein Zweites kommt hinzu, was Barnabas und Paulus und die übrigen
Christen auszeichnete: Sie haben gehört.
Nachdem die Entscheidung gefallen war, die das Lehramt in Form des Apostelkollegiums
getroffen hatte, hatten sie gehört, die Entscheidung weitergegeben und
sind selber der Entscheidung gefolgt.
Dieses Hören und Hörenkönnen ist in unserer Zeit wieder bitter
nötig.
Ich frage mich immer wieder, wenn über Dokumente des Papstes von einigen
– auch von der Kirche bezahlten – Leuten hergezogen wird:
Glauben die denn nicht mehr, daß Petrus in Rom ist? Daß Christus
durch die Nachfolger der Apostel, durch das Bischofskollegium auch heute zu
uns spricht?
Ist das Lehramt für jene nur so lange akzeptabel, so lange es die eigene
Meinung wiedergibt? Ist die Kirche für diese Menschen noch Hierarchie
– was so viel heißt wie heiliger Ursprung, heilige Ordnung –
oder ist die Kirche nur eine Art Weltanschauungsverein mit sozialer Note?
Der Papst verkörpert die Einheit der katholischen Kirche. Er tut das
nicht willkürlich, sondern in Übereinstimmung mit dem Kollegium
der Bischöfe und dem, was schon immer geglaubt worden ist. Es geht da
nicht um Erfindung neuer Glaubenssätze, sondern um die Bewahrung der
Botschaft Jesu und der Lehre der Apostel. Das erfordert manchmal auch klare
Entscheidungen. Und aus denen spricht der Hl. Geist. Auch heute.
Ich jedenfalls für mich allein bin nicht so katholisch, dass ich keinen
Papst und keine Bischöfe nötig hätte. Ich bin dankbar für
den Dienst der Lehre und auch des Erinnerns, den die Nachfolger Petri und
der Apostel leisten.
4. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 16.05.04
Liebe Schwestern und Brüder!
„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen
Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.“
Von welchem Frieden spricht Jesus in diesem Abschnitt des Evangeliums? Nicht
vom äußeren Frieden, der in der Abwesenheit von Kriegen und Konflikten
zwischen Menschen oder verschiedenen Ländern besteht.
Bei anderen Gelegenheiten spricht Jesus auch von diesem Frieden. Zum Beispiel,
wenn er sagt: „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne
Gottes genannt werden.“
Hier spricht Jesus von einem anderen Frieden, jenem inneren Frieden, dem
Frieden des Herzens, dem Frieden des Menschen mit sich selbst und mit Gott.
Man versteht das aus dem heraus, was Jesus sofort danach anfügt: „Euer
Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“
Das ist der fundamentale Friede, ohne den es keinen anderen Frieden geben
kann. Milliarden von Tropfen schmutzigen Wassers schaffen kein sauberes Meer,
und Milliarden von unruhigen Herzen schaffen keine Menschheit, die in Frieden
lebt.
Das von Jesus gebrauchte Wort ist „shalom“. Mit ihm grüßten
sich die Juden und tun dies immer noch. Mit diesem Wort begrüßte
Jesus die Jünger am Paschaabend, und er ordnet an, dass auf diese Weise
die Menschen gegrüßt werden sollten: „Wenn ihr in ein Haus
kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ (Lk 10,5-6).
Wir müssen bei der Bibel anfangen, wenn wir den Sinn des Friedens verstehen
wollen, den Christus schenkt.
In der Bibel bedeutet „shalom“ mehr als die bloße Abwesenheit
von Kriegen und Unruheherden. Es zeigt positiv Wohlstand, Ruhe, Sicherheit,
Erfolg, Ruhm an.
Die Heilige Schrift spricht sogar vom „Frieden Gottes“ (Phil 4,7)
und vom „Gott des Friedens“ (Röm 15,32). Friede bedeutet
also nicht nur das, was Gott „gibt“, sondern auch das, was Gott
„ist“. In einem Hymnus nennt die Kirche die Dreifaltigkeit „Meer
des Friedens“.
Das sagt uns, dass jener Friede des Herzens, den wir alle ersehnen, ohne
Gott oder außerhalb von ihm niemals vollkommen oder dauerhaft sein kann.
Den Gott ist es, der diese Welt erschaffen hat und sie trägt und lenkt.
Ich meine Augustinus sei es gewesen der einmal sagte: „Friede ist die
Ruhe der Ordnung“ – da, wo alles in Ordnung, d. h. im Sinne Gottes
ist, da ist Friede. Dem Willen Gottes gehorchen ist so Quelle des inneren
Friedens.
Jesus lässt uns begreifen, was sich diesem Frieden widersetzt: die Verzagtheit,
die ängstliche Unruhe, die Furcht: „Euer Herz beunruhige sich nicht.“
„Das ist leicht gesagt!“, wird dem jemand entgegenhalten. Wie
soll die ängstliche Unruhe, die Nervosität, die uns alle verzehrt
und uns daran hindert, ein wenig Frieden zu genießen, verbannt werden?
Einige sind aufgrund ihres Temperaments anfälliger für solche Dinge.
Ist da eine Gefahr, so machen sie sie noch gefährlicher, und ist da eine
Schwierigkeit, so verkomplizieren sie sie hundertfach. Alles wird zum Anlass
für ängstliche Unruhe.
Das Evangelium verspricht kein Allheilmittel für diese Übel; in
einem gewissen Sinn sind sie Teil unseres Menschseins, da wir ja Kräften
und Bedrohungen ausgesetzt sind, die so viel größer sind als wir.
Ein Gegenmittel wird aufzeigt: Das Kapitel, dem der Abschnitt des heutigen
Evangeliums entnommen ist, beginnt folgendermaßen: „Euer Herz
lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!“ (Joh
14,1). Das Heilmittel ist das Vertrauen auf Gott.
Ohne dieses Vertrauen auf Gott zu leben, lässt uns unruhig werden, ja
verzweifeln. Wenn wir uns umschauen in unserer Gesellschaft, dann sehen wir
– vor allem in den Medien – fröhliche, optimistische Menschen.
Wenn aber Nachrichten, wie z. B. über die Erderwärmung, sie daran
erinnern, dass diese Welt nicht alles und nicht ewig ist, dann kommt auf einmal
blankes Entsetzen und Angst zum Vorschein. Wilde Aktionspläne, Petitionen
usw. Kurz darauf aber kehrt man zurück zur Spaßgesellschaft, um
sich nicht wirklich ändern zu müssen, sondern die Probleme zum Schweigen
zu bringen. Mit einem billigen Aktionismus und unrealistischem Optimismus
bringt man die Unruhe zum Schweigen. Für kurze Zeit.
Das ist aber im wahrsten Sinne des Wortes nur „ein schwacher Trost“,
da ihm die innere Stärke des Glaubens fehlt.
Nach dem letzten Krieg wurde ein Buch mit dem Titel „Letzte Briefe
aus Stalingrad“ veröffentlicht. Es handelte sich um Briefe von
deutschen Soldaten, die im Kessel von Stalingrad gefangen waren; Briefe, die
mit dem letzten Konvoi vor dem Endangriff des russischen Heeres abgesendet
worden waren, in dem alle starben. In einem dieser nach Kriegsende aufgefundenen
Briefe schreibt ein junger Soldat seinen Eltern: „Ich habe keine Angst
vor dem Tod. Mein Glaube gibt mir diese schöne Sicherheit!“
„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht
einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.“
Liebe Schwestern und Brüder,
lassen wir uns von diesem Frieden beschenken. Er bewahrt uns vor oberflächlichem
Optimismus und billigen Vertröstungen.
Er schenkt uns wirklich Frieden, weil er vom Gott des Friedens her in unser
Herz strömt.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, im Heiligen Geist dürfen wir in
Dir sein, im Heiligen Geist bist Du in uns. Dich bitten wir:
-
Sende uns den Geist der tatkräftigen Liebe, die
uns dazu führt, an einer neuen Zivilisation der Liebe
mitzuwirken.
-
Sende uns den Geist der Stärkung, damit er in uns
all das überwindet, was in uns schwach und hilflos
ist.
-
Sende Deinen Geist, dass die Kinder, die hier und in
anderen Gemeinden zur Erstkommunion gegangen sind, zu
tatkräftigen Zeugen Deiner Liebe heranwachsen.
-
Sende Deinen Geist, der die Kranken, Einsamen und Sterbenden
Deine Gegenwart erfahren lässt.
-
Sende Deinen Geist, dass er uns und unsere Verstorbenen
in die grenzenlosen Liebe des Vaters heimführt. Wir
feiern diesen Gottesdienst für...
Herr, sei uns nahe, belebe uns, stärke und erfülle
uns, denn Du bist unser Leben und unsere Hoffnung. Dich bitten
wir, Christus, unsern Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 220, 1 - 3
Kyrie: 495, 5
Gloria: 977
1. Lesung: Apg 15, 1-2.22-29
Zwischengesang: 890 (2 x) Wo zwei oder drei...
Evangelium: Joh 14, 23-29
Credo: 930, 1 + 2
Gabenbereitung: 891, 1 - 3 Unfriede herrscht auf der Erde...
Sanctus: 987
Agnus Dei: 886, 1 + 2 Wenn wir das Leben teilen wie das...
Schluß: 245, 1 - 4