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Predigtvorschläge - Maria - Heil der Kranken
1. Predigtvorschlag

von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink (erstellt: 1997)

Liebe Schwestern und Brüder,

im vergangenen Monat machte sich ein offensichtlich altgewordener und kranker Mann auf den Weg, um in seiner Schwäche Trost und Stärkung zu suchen. Bei Maria der Mutter Gottes.
Vielleicht ist der eine oder andere von Ihnen mit der gleichen Zielsetzung heute hier nach Eggerode gekommen. Zu Maria, der Königin vom Himmelreich.

Dieser Mann, von dem ich sprach, machte sich auf nach Lourdes. Er reihte sich ein die große Schar der Pilger dort. Viele waren von Krankheit und Leid gezeichnet. Auf Krücken, in Rollstühlen und Betten, oft gebeugt und mit blassem Gesicht.

Dieser Mann ist Ihnen allen wohlbekannt. Sie ahnen schon, vom wem ich spreche: von unserem Heiligen Vater Johannes Paul II.
Die Medien der Welt stürzen sich geradezu auf den gebrechlichen Papst, um Bilder von ihm zu erhaschen, wie er sich quält, welche Schwierigkeiten er hat beim Gehen und Sprechen. Und der Hl. Vater nimmt dies bewusst in Kauf.
Er will ein Zeichen setzten in einer Welt, in der das Leid häufig verdrängt wird,
in der Wellness und Fitness zu einer Art neuen Religion erhoben werden, wo Millionen allein in unserem Land mit Schönheitsoperationen umgesetzt werden,
die aus medizinischen Gründen weder notwendig noch sinnvoll erscheinen.

"Die Alten und die Kranken, die Leidenden gehören in die Mitte der Gesellschaft, sozusagen in Rampenlicht unserer Welt. Ihr Leben ist nicht wertlos und nicht sinnlos." Das – so könnte man zusammenfassen – ist die Botschaft der Bilder die vom jetzigen Papst um die Welt gehen.
Er sieht in den Leidenden und Kranken kein lebensunwertes Leben, keine Belastung für die Sozialsysteme, keine abstoßende Erscheinung – er sieht in ihnen das Antlitz Christi.
Auf ihn trifft sehr genau zu, was Kardinal Ratzinger einmal äußerte:
"Wer den Herrn im Tabernakel kennt, der erkennt Ihn in den Leidenden und Bedürftigen."

Der Papst und die Kranken – das ist eine besondere Beziehung.
Noch in Lourdes hat er es wiederholt, dass er sich ganz besonders auf die Gebete und die Opfer der Kranken verlässt. Wenn man so will, hat er sogar darum gebettelt. Für ihn sind die Kranken wirklich der Schatz der Kirche, wie sie seit frühesten Zeiten bezeichnet werden.

Und immer wieder spüre ich persönlich, wie die Bilder von Johannes Paul II die Kranken aufrichten. Wenn ich durch die Zimmer in den Hospitälern gehe, ist der Papst oft Thema. Viele der Kranken bekommen ein neues Selbstwertgefühl, wenn sie im Fernsehen einen Gottesdienst oder einen Bericht mit Johannes Paul II verfolgen.
"Ach Herr Kaplan, ist das nicht großartig. Dieser Papst zeigt uns allen, das wir Alten und Kranken noch etwas wert sind."
"Wenn ich sehe, wie der sich immer wieder aufrappelt, das macht mir richtig Mut."

Der Papst und die Kranken – das ist eine besondere Beziehung.
Das wird nicht nur deutlich in der Verkündigung durch sein Beispiel, sondern auch in seiner Lehre. Immer wieder wiederholt er den doppelten Sinn des Leides – zuletzt in seinem Buch "Auf, lasst uns gehen."

Dem Leidenden Gutes tun – Durch das Leiden Gutes tun.
Diese beiden Elemente durchweben wie ein roter Faden das Schreiben und Reden des Hl. Vaters. Aus dem Leid erwächst das Gute. Die Wurzeln des Guten haben oft die Form des Kreuzes.

Dem Leidenden Gutes tun:
Gelebte Nächstenliebe ist etwas, das uns alle wohl beeindruckt. Menschen, die diese vorleben bleiben im Gedächtnis der Menschen haften. Denken wir nur an Mutter Teresa oder für unser Bistum an Sr. Euthymia.
Gelebte Nächstenliebe ist etwas, das auch mich immer wieder neu in freudiges Erstaunen setzt, wenn ich über die Flure der zwei Krankenhäuser gehe.
Da ist zum einen die Hilfsbereitschaft und Fürsorge des Pflegepersonals und der Ärzte. Sicherlich – nicht alle sind eine Mutter Teresa oder eine Sr. Euthymia – aber selten begegne ich wirklich einer unfreundlichen Pflegerin oder einem etwas unwirschen Arzt. Bei allen ist die tiefe Motivation zu spüren, Menschen zu helfen, die sich nicht mehr helfen können. Leider Gottes verhindern immer wieder Zeit- und Kostendruck, dass diese innere Haltung wirklich so zum Ausdruck kommt, wie sie es möchte.

Aber es gehen immer wieder gute Initiativen zum Wohle der Patienten von den Ärzten und Pflegerinnen aus. Ich denke da an eine Krankenschwester, die durch ihren nimmermüden Einsatz es geschafft hat, das einige Krankenzimmer auf Stationen wohnlich eingerichtet werden, damit dort Schwerstkranke und ihre Angehörigen bewusst voneinander Abschied nehmen können.

Und wie oft werde ich von Krankenschwestern angesprochen: "Herr Kaplan, gehen Sie doch mal zu Frau X, der geht es schlecht. Oder: die Mutter von Herrn Y hat schwer an seiner Krankheit zu tragen. Könnten Sie mal vorbeischauen." All diese Begegnungen zeigen mir, dass – allen Unkenrufen zum Trotz – es sehr aufmerksames Pflegepersonal gibt.

Wie sehr wird sich Elisabeth gefreut haben, als sie während ihrer Schwangerschaft von ihrer Base Maria besucht worden ist. Maria ist uns auch hier Vorbild. Sie besucht diejenige, die einen Besuch und Hilfe nötig hat.

Dem Leidenden Gutes tun:
Wer einmal im Krankenhaus gelegen hat, weiß wie sehr man sich über Besuch freut. Je länger der Aufenthalt dauert, umso größer besteht die Gefahr vergessen zu werden. Gerade auch deshalb zolle ich all denen Respekt, die ihre Verwandten oder Bekannten treu besuchen. Ich erinnere mich an eine Mutter, die ihre Tochter über 1½ Jahre lang täglich besucht hat, davon fast ein Jahr lang auf Intensivstationen dreier unterschiedlicher Hospitäler. Solche kleine und großen Wunder der Treue und Liebe passieren zigfach in unseren Krankenhäusern. Oft ungemerkt. Es gibt allerdings auch die entgegengesetzten Fälle. Aber auch da gibt es des öfteren Besuchsdienste, die sich um diejenigen kümmern, die keinen Menschen mehr haben.

Durch das Leiden Gutes tun.
Viele, die ich in den Krankenbetten gesprochen habe, fühlen sich unnütz. Sie meinen, im Bett ihre Zeit zu verschwenden, nichts mehr leisten zu können.
Gerade ihnen gilt die Botschaft des Papstes.
Er sieht in jedem Kranken und Leidenden Christus.
Christus auf dem Kreuzweg, am Kreuz. In der Lesung aus dem Buch Jesaja haben wir das Lied vom Gottesknecht gehört. Seit jeher wird diese Beschreibung eines Leidenden und Geschundenen auf Christus bezogen. In diesem Text heißt es:
...durch seine Wunden sind wir geheilt.
Durch Jesu Wunden ist uns Heil geworden. Weil er für uns gelitten hat und gestorben ist, sind uns die Sünden vergeben worden. Weil er auferstand, sind wir zum ewigen Leben befreit worden.
Und das eröffnet einen Weg, der dem Leiden in all seiner Schwere Sinn verleiht. So wie Christus für uns gelitten hat, so kann der Kranke sein Leiden und all die damit verbundenen Unannehmlichkeiten aufopfern wie ein Gebet.

Nicht nur, dass der Kranke häufig viel Zeit hat, z. B. den Rosenkranz in einer bestimmten Meinung zu beten.
Nein, er kann seine Schmerzen in Gebet verwandeln. Er kann sozusagen mit seinem Körper beten, indem er all das, was ihm zu schaffen macht für Personen und Anliegen aufopfert.
So tut es der Hl. Vater auch.
So tun es auch einige Kranke mit denen ich gesprochen habe.
Ich entsinne mich an eine Dreiundzwanzigjährige, nennen wir sie Anna, die viel gelitten hat und später auch gestorben ist.
Sie wollte sich als Sozialarbeiterin um Jugendliche kümmern, die drohten abzustürzen. Ihre Krankheit hat ihre Ausbildung unterbrochen. Sie wusste, dass sie aufgrund ihrer Krankheit nicht den ersehnten Beruf ausüben können würde. Aber Anna hat mir gesagt, dass immer, wenn sie Schmerzen verspüre, diese als Gebet für einen Jugendlichen in Gefahr zum Himmel schicke.

Ihre Leiden aufgeopfert hat auch Anna Katherina Emmerick, die am 3. Oktober von unserem Hl. Vater selig gesprochen wird. Sie wird nicht nur die westfälische Seherin genannt, sondern auch als die große Dulderin bezeichnet. Sie hat an verschiedenen Krankheiten schwer gelitten. Sie hat als Stigmatisierte das Leiden Christi miterleiden müssen. Dabei hat sie nie den inneren Frieden verloren. Sie wusste sich im Leiden mit Christus verbunden. Wie er für uns gelitten hat, hat sie für viele andere gelitten. Und ihr Leiden ist zu einem machtvollen Gebet geworden. Das bezeugt auch die Seligsprechung.

Dem Leidenden Gutes tun – Durch das Leiden Gutes tun.
Dieser doppelte Sinn des Leides erscheint auf dem ersten Blick widersinnig, unglaublich, dem einen oder anderen sogar masochistisch. Es geht aber darum, dem Leiden einen Sinn zu geben, ohne die Linderung des Leides zu vernachlässigen. Wir Christen suchen nicht das Leid. Wir sollten es aber auch nicht scheuen, wenn es unumgänglich ist.
Dem Leidenden Gutes tun – Durch das Leiden Gutes tun.
Wer tiefer blickt erkennt darin eine zutiefst christliche Sichtweise. Der oberflächlichen Gesundheitswahngesellschaft entgeht diese Tiefe, wird für diese zum Anstoß, Zeichen des Widerspruchs.
Dem Leidenden Gutes tun – Durch das Leiden Gutes tun.
Das ist auch eine zutiefst marianische Haltung:
Sie hat den Leidenen Gutes getan: ihrer Base Elisabeth, die sie besucht hat. Aber vor allem ihrem Sohn, dem sie am Kreuzweg und unter dem Kreuz beigestanden hat.

Sie hat durch das Erleiden Gute getan: Ihr Leben stand unter dem Leitwort: "Mir geschehe." Nicht unter dem "Ich kann das. Ich mach das. Ich schaffe das!"
Das Leid geschieht an uns. Wir wollen es nicht. Aber wir können es tragen, tragen lernen.
Dabei wird uns die Muttergottes zur Seite stehen, wie sie ihrem Sohn zur Seite gestanden hat, wie sie dem Hl. Vater zur Seite steht.
Amen.

Fürbitten

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