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Predigten zum Thema: Maria - Heil der Kranken
1. Predigtvorschlag

von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 12.04.04

Brannte uns nicht das Herz...Und in derselben Stunde brachen sie auf.

Liebe Schwestern und Brüder,
mit brennendem Herzen machen sich die Jünger von Emmaus auf den Weg, um den anderen zu erzählen, dass Jesus lebe.
Sie sind Feuer und Flamme für den Auferstandenen. Ihre Begegnung mit ihm schenkt ihn einen nie dagewesenen Elan.

Dank solcher Menschen - mit für Christus entbrannten Herzen - haben wir hier unseren Glauben erhalten.
Dank der Apostel, dank der Missionare der frühen Kirche, dank des hl. Liudger, der ersten Bischofs unserer Diözese, dank so vieler Heiliger und Seliger, dank so vieler Glaubenden aus allen Schichten, dank unserer Eltern, Lehrer...

Und heute?

Nur ungefähr die Hälfte der Deutschen ist noch getauft.

Gerade einmal 15% der Katholiken unserer Diözese gehen noch regelmäßig zur Sonntagsmesse. Das heißt im Umkehrschluß: 85% kommen nicht. Wir sind in unserer Kirche in der Minderheit!

Es fehlt an Berufungen. Das gilt sowohl für die Orden, wie für die Priester. Als ich 1990 mein Theologiestudium begann, waren wir 110 Priesteramtskandidaten im Collegium Borromaeum. Als ich meine Studien beschloß waren es noch die Hälfte, 55. Heute sind es um die 25.

Erlischt die Flamme des Glaubens in unserem Land?
Gibt es noch brennende Herzen?
Sind unsere Herzen abgekühlt?

Liebe Schwestern und Brüder,
Das christliche Abendland, Deutschland, Recklinghausen ist Missionsgebiet!!!

Was nottut sind brennende Herzen, vom Geist entflammte Christen, die dieses Missionsgebiet beackern, neu-evangelisieren, wenn wir wirklich wollen, das der Glaube weiterlebt, eine Chance hat in unseren Breiten.

Aber woher sollen diese Christen kommen?
"Herr Kaplan, wir haben doch keine christlichen Familien mehr!" höre ich dann oft klagen. Stimmt, es gibt wohl nur noch wenige christliche Familien in unseren Gefilden. Die selbstverständliche Glaubensweitergabe von Generation zu Generation scheint unterbrochen, zumindest schwer gestört zu sein.
Aber das ist kein Grund, zu verzweifeln, die Hände in den Schoß zu legen und zu jammern.
Immerhin gibt es hier immer noch mehr christliche Familien als damals in Emmaus oder Jerusalem.

Brannte uns nicht das Herz...Und in derselben Stunde brachen sie auf.
Was hat das Herz der Jünger damals brennen gemacht? Schauen wir uns die Stelle genauer an. Vielleicht finden wir dort Hinweise.

Er sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn.
Als sie mit Christus beteten erkannten sie ihn.
Im sakramentalen Zeichen der Eucharistie, im Brotbrechen erkannten sie ihn.

Nicht während sie über ihn redeten, sondern während sie mit ihm redeten, Gottesdienst feierten, erkannten sie ihn.

Das Gebet und die Feier der Sakramente sind der Weg, um Christus wirklich zu begegnen, die Herzen zu entflammen.
Das ist das Entscheidende. Das bleibt das Entscheidende.
Christus begegnet mir nicht in Pastoralplänen, Umstrukturierung der Diözese, Konferenzen, Tagungen. All das hat seine Bedeutung. Doch wenn es zu wichtig wird, zu hoch eingeschätzt wird, dann erstickt all das die Glut des Glaubens.
Wenn all diese Pläne, Strukturen, Konferenzen, Tagungen nicht zum Gebet führen, die Sakramente erschließen, dann sind sie wie eine Art Käseglocke, die dem Feuer des Glaubens den nötigen Sauerstoff nehmen.

Um das Feuer des Glaubens im Herzen, in meinem Herzen wach zu halten, bedarf es des beständigen Gebetes, des würdigen Empfanges der Sakramente. Gebet und Sakramente sind sozusagen das Holz, das dem Feuer Nahrung gibt. Selbst das kleinste Stoßgebet hält den Glauben am Brennen, wie ein kleiner Reisigzweig das Feuer.

Liebe Schwestern und Brüder,
vielleicht werfen Sie mir jetzt innerlich vor, dass ich die ganze Sache vereinfache. Als ob das Gebet und die Sakramente alles wäre.
Vielleicht haben Sie mit diesem Vorwurf sogar Recht.

Aber ich bin sicher, felsenfest davon überzeugt, dass ohne Gebet und Sakrament alles nichts wäre.
Ein geistlich erfahrener Autor hat einmal gesagt:
"Katholiken, die nicht mehr regelmäßig beten und die Sakramente empfangen leben für eine gewisse Zeit noch von ihren geistlichen Reserven und dann...vom Schwindeln...".

Damit die Flamme des Glaubens weitergegeben werden kann, muß die Kirche eine betende Kirche sein. Und die Kirche sind wir, sind Sie und ich.
Das Gebet, egal ob vorformuliert oder frei, ob lang oder kurz, ob Dank oder Bitte - das Gebet ist immer ein Zeichen der Treue.
Wer betet, bleibt Gott treu. Wer die Sakramente empfängt, bleibt Gott treu. Das gilt für jeden Gläubigen wie für die ganze Kirche.

"Wir sind gekommen, um ihn anzubeten." So lautet das Leitwort des Weltjugendtages kommendes Jahr in Köln. Hunderttausende junger Christen werden in diesen Tagen mit dem Hl. Vater beten und die Sakramente empfangen. Besonders auch das Sakrament der Versöhnung. Tausendfach. Wie schon an den Weltjugendtagen zuvor.
Ein großes Zeichen der Hoffnung, dass der Glaube auch bei uns noch Zukunft hat. Ich möchte Sie alle herzlich dazu aufrufen, diese Tage in Köln schon jetzt mit dem eigenen Gebet vorzubereiten, damit in vielen Menschen Herzen zu brennen anfangen. Für Christus.

Brannte uns nicht das Herz...Und in derselben Stunde brachen sie auf.
Liebe Schwester Gertrude!
"Sagen Sie ja nicht viel über mich, Herr Kaplan. Sonst werde ich Ihnen böse." So haben Sie mich eindringlichst gebeten. Deshalb habe ich bisher auch nur über das Gebet und die Sakramente gesprochen. Und über die Treue.
Und ich vermute mal, dass Sie mir recht geben werden, dass Ihr 40jähriges Ordensjubiläum, das Sie heute mit uns feiern, nicht vorstellbar wäre, ohne ein Leben des Gebetes und den Empfang der Sakramente.
Mit Ihnen freuen wir uns alle heute, dass Gott Ihnen treu geblieben ist. Und dass Sie ihm treu geblieben sind.
Wir haben Grund zu danken, weil wir an einem solchen Tag wie diesem sehen, dass das wirklich geht,
dass ein Herz wirklich brennen kann für Christus – mal lodernd, mal schwach,
dass es sich lohnt, dem Herrn treu zu bleiben – in guten, wie in schlechten Tagen.
Mit unseren Glückwünschen verbinden wir gleichzeitig das Versprechen, für Sie zu beten. Und wir alle hier sind sicher, dass wir auch in Ihrem Gebet heute Platz finden werden.
Ansonsten werde ich nämlich böse ...