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Predigt und Fürbitten zum Hochfest der Auferstehung des Herrn - Ostern
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1. Predigtvorschlag
Wenn Ostern wirklich DAS Hochfest unseres Glaubens ist - warum finden sich
dann kaum Darstellung der Auferstehung in unseren Kirchen? Wir sehen dort
den Gekreuzigten, viele Heilige, die mitten im Martyrium sind (in unserer
Kirche ist es vor allem die Heilige Apollonia mit einem Backenzahn in der
Zange, weil ihr sämtliche Zähne gezogen wurden - kein sehr frohmachender
Gedanke), zusätzlich noch mindestens 14 Bilder des Kreuzweges - aber
ein Bild des Auferstandenen? Selten.
Hermann von Veen hat diesen Eindruck in einer kleinen Erzählung wiedergegeben,
in der Gott nach vielen Jahren mal wieder bei den Menschen vorbeischaut und
ein riesiges Gebäude mitten im Dorf entdeckt. Er geht hinein - drinnen
mufft es und es ist dunkel - und sieht in dieser unguten Atmosphäre des
Bild eines qualvoll gemarteten Menschen im Mittelpunkt. Auf die Frage, was
denn dieses Gebäude für ein Haus sei, antwortet ihm ein Mönch:
"Das Haus Gottes", woraufhin Gott sich angewidert schüttelt,
die Kirche verläßt und sich auf die Parkbank in die Sonne setzt
und die Beine baumeln lässt.
Nun - zumindest auf den ersten Blick hat Hermann van Veen recht: Sonderlich
frohmachend sind unsere Darstellungen (auf den ersten Blick) wirklich nicht.
Und auch wenn wir auf die Überbleibsel des Lebens Jesu schauen, blicken
wir auch nur auf die Geißelsäule, die Dornenkronen, das Grabtuch
von Turin, die Nägel Jesu und Partikel vom Kreuz. Warum kein Stein, der
vom "Auferstehungsblitz" geschwärzt?
Die Antwort ist relativ einfach und deshalb vielleicht enttäuschend:
Weil die Auferstehung ein geistiges Geschehen ist. Alle die martialischen
Bilder sind die leidvolle Seite der gleichen Medaille, deren andere Seite
"Auferstehung" heißt. Diese aber spielt - leider - in einer
für uns unsichtbaren Liga.
Hm... (so könnte der Kritiker einwenden) - warum habt ihr Christen soviel
Konkretes, Anfassbares, Materielles aus der leidvollen Wirklichkeit, behauptet
aber ausgerechnet, dass das entscheidend Christliche eine unsichtbare-geistige
Wirklichkeit ist?
Nun, (so könnte der Christ antworten) das ist doch nicht ungewöhnlich.
Auch in unserer Welt ist alles, was wirklich entscheidend ist im Leben, geistig
und unsichtbar. Freunschaft, Hoffnung, Liebe und Freude - alles ist unsichtbar.
Nicht umsonst ähneln sich Liebe zwischen und Menschen und Glauben zu
Gott: Sie sind beide geistig, aber vollkommen real.
Naja, (so würden viele Kritiker einwerfen) während ich einen Menschen,
den ich liebe, sehen, anfassen und sogar riechen kann, ist die Liebe zu Gott
doch sehr theoretisch. Das kann man doch nicht vergleichen!
Doch, (könnte der Christ antworten) denn Du liebst einen Menschen ja
nicht aufgrund seiner einmaligen und genialen DNA-Struktur, oder wegen seiner
wunderbar ausgewogenen biochemischen Zusammensetzung. Du würdest ja auch
nicht auf die Idee kommen, einen Menschen auszustopfen und in Deiner Wohnung
aufzustellen, damit Du nicht mehr alleine bist. Nein - das, was Du liebt,
ist nicht der Körper, den Du siehst, sondern die Seele des Geliebten
- und die ist nsichtbar, geistig, aber real. Und das, was Dich erregt und
erhebt, ist wiederum nicht zunächst dessen körperliche Zärtlichkeit,
sondern die Seele, die sich Deiner Seele zuneigt.
Dabei ist das Materielle zwar nur Ausdruck des Geistigen - denn die Materie
selbst ist weder liebesfähig noch sinnerfüllt. Allerdings hat die
Materie die unangenehme Eigenschaft, sich in den Vordergrund zu drängen,
und - obwohl sie Ausdruck des Geistigen ist - leicht für das einzig Wirkliche
genommen werden kann. Wenn wir so in einer Liebe das Feuer verlieren (oder
in unserem Leben das Staunen über die gotteingeschaffene Schönheit
der Welt - oder als Christ das tiefe Gespür für die Liebe Gottes)
- wie können wir uns wieder erheben und aufschwingen zu geistigen Höhen?
Nun, wir könnten es mit Yoga probieren und unseren Körper mit Ecstasy
abfüllen, oder bei Scientology eintreten, uns an kleine elektrische Maschinen
anschließen, ganz oft in die Sauna gehen und dann glauben, wir hätten
unseren Geist befreit und könnten uns nun zur Herrschaft über die
Welt erheben. Christlich ist das alles nicht.
Christlich ist es, uns nicht vom Materiellen zu befreien, sondern uns mit
Leib und Seele erheben zu lassen. Denn tatsächlich können wir uns
die verlorene geistigen Wirklichkeit nicht durch Technik oder Praxis zurückerobern.
Ein Vogel, der seine Flügel verloren hat, kann nicht mehr fliegen - da
helfen auch keine Pseudo-Flügel aus Pappmaché. Wir brauchen jemanden,
der uns erhebt. Christus.
Er ist der Auferstandene. Wir glauben nicht an "die Auferstehung"
- sondern an Christus, den Auferstandenen. Wir glauben nicht an das "ewige
Leben", sondern an Christus, der uns ewiges Leben schenkt. Davon müssen
wir viel mehr reden, denken, beten und verkündigen: Christus.
Um so schlimmer ist es, wenn Christen - vor allem Priester -, die Zeugen
einer vergeistigten Wirklichkeit sein sollen, die Seele im anderen leugnen
und ihn zum Objekt degradieren. Missbrauch, Vergewaltigung und Folter sind
deshalb verabscheuungswürdig, weil sie einen Menschen, der Subjekt ist
und eine Seele hat, auf das rein Materielle reduzieren, die Seele leugnen
(und somit schwer verwunden) und das Subjekt zum Gegenstand machen. Etwas
Un-österlicheres kann es kaum noch geben; etwas stärker dem Christlichen
entgegen Gesetztes ist kaum denkbar.
Die Kirche, so heißt es, macht zur Zeit eine nahezu beispiellose Krise
durch. Krisen können heilsam sein, wenn wir Weichen neu stellen und aus
Fehlern lernen. Eine Lehre muss mit Sicherheit lauten: Wir sollten nicht mehr
so viel von uns reden, sondern mehr von Christus! - In meiner Priesterausbildung
hieß es noch, wir Priester hätten kein anderes Werkezug der Seelsorge
als nur uns selbst. Und unsere Aufgabe sei es, uns als Identifikationsfigur
anzubieten, um "integrativ" tätig werden zu können.
Damit haben wir uns selbst überfordert und der Kirche großen Schaden
zugefügt. Denn an diesem Anspruch können wir nur scheitern. Unsere
Aufgabe ist es vielmehr, Christus verkünden - Ihn, den Gekreuzigten und
Auferstandenen. Nicht uns selbst.
In einem Kommentar hieß es zu den Missbrauchsfällen: "Die
Kirche hat keine andere Legitimation als die moralische. Diese aber hat sie
nun verloren." - Falscher kann man nicht liegen: Unsere Legitimation
ist nicht die Moral - sondern Christus. Wir sind nicht Priester, Eheleute
oder Christen, weil wir so perfekt sind - sondern weil wir Gesandte sind,
Beauftragte. Nur auf SEIN Wort hin sind wir, was wir sind. Und diese Legitimation
kann niemals verloren gehen.
In unserem Kirchenräumen gibt es nicht nur Bilder des Leides - sondern
ein ganz zentrales Zeichen der Auferstehung: Die Osterkerze. Mag diese Kirche
muffig sein, zu dunkel oder mit zuviel Leidvollem vollgepackt: In ihr brennt
doch das Feuer des Auferstandenen. Mag ich selbst als Teil der Kirche sündig
sein, muffig, verdunkelnd und Leid verursachend: In mir hat Christus dennoch
sein Feuer eingesenkt. Mag die Kirche als Gemeinschaft von Bischöfen,
Priester, Diakonen und Gläubigen ebenfalls voller Makel sein - muffig,
verstaubt und mit Leid und Schuld behaftet. In ihr lebt das Feuer, das am
allerersten Ostern entzündet wurde, bis auf den heutigen Tag.
Stellen wir dieses Licht wieder auf den Leuchter, wo es hingehört
(und nicht unter den Scheffel unserer eigenen Bedürftigkeit), dann leuchtet
es allen, die die Wahrheit suchen.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
Auferstehung - das ist ein Wort, das bei uns eine vielfältige Bedeutung
hat. Jemand, der vollkommen am Boden gewesen ist - und nun wieder neuen Mut
erfährt; jemand, der schwer krank, vielleicht sogar todkrank war - und
dann doch wieder neue Kraft gewinnt und gesund wird; jemand, der durch einen
Unfall nur haarscharf am Tode vorbei gekommen ist - der sein Leben als noch
einmal geschenkt begreift - all diese Menschen können von einer «Auferstehungserfahrung»
reden.
Noch vielmehr Beispiele lassen sich finden, Erfahrungen, die Menschen in Not,
im Krieg oder in psychischen Extremsituationen gemacht haben; und die in eine
«Auferstehung» münden.
Es tut gut, von solchen Erlebnissen zu erzählen. Es ist wichtig, da auch
in Ruhe hinzuhören. Aber solcher Vorgeschmack, ein solches Bild für
die Auferstehung - ist noch nicht die Auferstehung selbst.
Alle unsere Erfahrungen von neugewonnenen Mut oder neu geschenktem Leben sind
eher vergleichbar mit der Erweckung des Lazarus. Ihm wird noch einmal sein
irdisches Leben zurückgegeben. Aber die Auferstehung Jesu - und damit
auch unser eigenes Schicksal - ist anders: Wir erstehen nicht mehr zu diesem
Leben. Wir bekommen keine zweite Chance, denn das würde bedeuten, dass
wir die dann auch wieder vermasseln können.
Nein, unser Ostern wird anders sein. Größer, herrlicher - aber
vor allem anders.
Liebe Schwestern und Brüder, damit sag ich Ihnen nichts Neues. In meiner
Jugendzeit habe ich viele Predigten gehört, die genau diese zum Thema
hatten: Wie anders doch unsere Auferstehung sein wird. Wie unbegreiflich das
Leben ist, das uns nach unserem Tod geschenkt wird. Sooft habe ich das gehört,
dass dieses zukünftige Leben nichts mehr mit meinem jetzigen Alltag zu
tun hatte. Und irgendwie habe ich mich auf dieses ganz Andere nicht so richtig
freuen können.
Als Kinder haben wir uns manches vielleicht zu einfach, zu plastisch vorgestellt..
Der Himmel als ein großer Thronsaal, der liebe Gott als alter Mann mit
weißem Bart, der Heilige Geist als weiße Taube und so weiter.
Und wenn wir glauben, innerlich erwachsen zu werden, dann machen wir uns frei
von diesen Bildern. Wir wissen, dass das alles gar nicht so ist - und rücken
dann alles so weit weg, dass nichts mehr bleibt, was wir kennen. Gott - der
ganz andere. Der Himmel - unvorstellbar. Der Heilige Geist - ein unbekanntes
Wesen außerhalb jeder Dimension. Nichts mehr für meinen Alltag.
Nichts mehr für mein Beten und Glauben. Und trotzdem sind wir überzeugt,
so Gott eher gerecht zu werden.
Da ist es ganz erstaunlich, dass die Kirche in ihrem Glauben an ganz konkreten
Überzeugungen festhält, einen schon fast kindlichen Glauben bewahrt:
Wir werden auferstehen - mit unserem Leib. Nichts anderes beten wir regelmäßig
im Glaubensbekenntnis, Sonntag für Sonntag: Ich glaube an «die
Auferstehung des Fleisches» - so heißt es zumindest im Original.
Wir werden uns im Himmel wieder erkennen! Wir werden unser Leben hier auf
Erden nicht vergessen, und die Spuren unseres jetzigen Lebens werden nicht
ausgelöscht sein!
Der auferstandene Jesus wurde an seinen Wundmalen wiedererkannt. Die Wunden,
die ihm das Leben schlug, sie sind nicht vergessen. Aber sie sind verklärt,
geheilt. Auch wir Menschen werden mit unseren Wunden – seien es die
des Leibes oder die des Herzens - vor Gott nicht vergessen sein. Er liebt
uns und nimmt uns und unsere persönliche Geschichte deshalb ernst. Dein
Leben und mein Leben vergehen nicht im Nichts, sondern alles, was ich auf
Erden hier tue und erleide – all das hat Ewigkeitswert. Das Gute strahlt
dann um so mehr, das Wunde wird geheilt, das Böse vergeben.
Wir müssen uns nur von ihm verwandeln lassen wollen. Und das heißt,
auf Erden schon für ihn offen zu werden. Wenn ich meinte, ich genüge
mir selbst, ich bräuchte keinen Gott und keine anderen Menschen, dann
setzte ich mich selbst in die Hölle. Den die Hölle ist von innen
verschlossen, sie ist gewollte Einsamkeit.
Wir werden auferstehen in unserem Leib. Das hat was mit meinem Leben zu tun!
Nicht irgendwelche Astralkörper, Energieblitze oder Geister werden wir
sein, sondern erlöste Menschen mit Leib und mit Seele. Das unterscheidet
uns von den ostasiatischen Religionen, die die Erlösung darin sehen,
den Leib zu verlassen und in einem unpersönlichem Nichts aufzugehen.
Der christliche Glaube ist alles andere als leibfeindlich.
Die Evangelien legen viel Wert darauf, dass Jesus nach seiner Auferstehung
mit den Jüngern gegessen hat. Dass Thomas seine Wunden sehen und berühren
konnte. Jesus war sogar so menschlich, dass die Jünger oder auch Maria
von Magdala ihn zunächst für einen ganz normalen Menschen, zum Beispiel
für einen Gärtner gehalten hatten.
Der Himmel wird nicht nur einfach anders sein. Er wird sehr viel mit unserem
Leben hier zu tun haben. Dafür gibt es in unserem Leben einfach zu viel
Himmlisches. Gerade in der Begegnung zwischen den Menschen.
Gott hat diese Welt als sehr gute Welt geschaffen, nicht als Einweg-Erde und
Wegwerf-Welt, als Transitland zum Himmel. Alles Gute unseres Lebens hat Bestand.
Und wenn wir als Menschen mit unserer Leiblichkeit nicht gut sind, wenn unsere
Körper nicht erhaltenswert sind, dann weiß ich nicht, was gut noch
bedeuten soll.
Wieviel Liebe, Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung können
wir vor allem durch unseren Körper ausdrücken! Wie begrenzt ist
doch unsere rein geistige Beschreibung von Zuneigung - verglichen mit einem
einzigen, liebevollen Blick! Und so etwas Geniales wie unser Körper soll
einfach vergehen? Das ist nicht unser Glaube!
Das bedeutet natürlich auch, dass wir mit unserem Leib sorgsam umgehen
sollten. Das wir uns selbst nicht missbrauchen dürfen; dass es gilt,
unserem Körper viel Ehrfurcht gegenüber zu haben. Aber auch mit
dem, was unser Körper auszudrücken vermag, ehrlich umgehen. Unser
Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes, für den Himmel geschaffen -
und keine Spielbude oder Lustobjekt.
Aber vor allem hat ein solcher Osterglaube positive Auswirkungen auf mein
Leben: Gott und die Menschen zu genießen - sich an ihnen zu erfreuen
- das wird der Himmel sein. Und das können wir auch jetzt schon, das
ist jetzt schon der Himmel auf Erden.
Das wird sich nach unserem Tode wahrscheinlich noch steigern. Aber es wird
nicht alles anders sein. Warum auch?
Ich kann mich nicht nur jetzt schon auf den Himmel freuen, ich kann ich auch
jetzt schon erfahren! Mein Leben hat eine himmlische Dimension, was ich tue
und fühle sind oft echte Vorboten.
Es wird vieles anders sein im Himmel. Aber mehr, als wir denken, wird es dem
ähnlich sein, was wir jetzt schon Glück nennen. Dann meinen wir
nämlich, dass sich Himmel und Erde berühren. in uns. Und das müsste
ewig so bleiben. Und es wird so bleiben.
Amen.
3. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 2007
Dann ging Petrus nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen
war.
Liebe Schwestern und Brüder!
Ein eigenartiger Schluss des Osterevangeliums. Jedenfalls empfinde ich das
so.
Wäre nicht ein Petrus, der voll Freude ausruft: „Christus ist erstanden!“
angebrachter.
Statt eines überschwänglich jubelnden Petrus begegnet uns ein nachdenklicher,
sich wundernder Petrus.
Das Ende dieses Evangeliums hat nichts von der Freude, von dem Halleluja,
von der Feierlichkeit unserer Osterliturgie, die wir gerade feiern.
Das leere Grab war für ihn erst einmal schwer zu verkraften.
Das leere Grab wirft für ihn erst einmal alles über den Haufen.
Das leere Grab lässt in ihm Fragen aufsteigen:
Was bedeutet die Botschaft der Engel: Er ist nicht hier, er ist auferstanden?
Wer ist dieser Jesus, dem ich gefolgt bin, der mein Leben verändert hat,
den ich verraten habe, der hier beerdigt lag? Wer ist er wirklich?
Später ist Petrus das alles klar geworden. Spätestens seit der
Sendung des Hl. Geistes weiß er, was Auferstehung bedeutet, wer Jesus
Christus wirklich ist.
Nach Pfingsten nämlich wird er zum ersten großen Prediger der Frohen
Botschaft von der Auferstehung der Toten. Als erster Papst bekennt er vor
der Welt, dass Jesus Christus, der Herr der Welt, der Herr über Leben
und Tod ist.
Anlässlich dieses Osterfestes, anlässlich der Botschaft vom leeren
Grab stellen auch wir uns mit Petrus die Fragen:
Was ist Auferstehung? Und wer ist dieser Jesus?
Was ist die Auferstehung?
Bei Umfragen unter Christen wurde vor kurzem deutlich, dass weiß Gott
nicht der Großteil an eine Auferstehung Jesu und der Toten glaubt. Bei
vielen ist auch ein falsches oder zu kurzes Verständnis über dieses
Glaubensgeheimnis anzutreffen.
Es gibt Menschen, Christen, die die Auferstehung mit der Wiedergeburtslehre,
der Reinkarnation ostasiatischer Religionen verwechseln oder vermengen.
Die Reinkarnation setzt voraus, dass wir mehrere Leben auf Erden haben. Je
nach dem vorherigen Leben werde ich als Mensch oder Tier oder sonst etwas
wiedergeboren.
Diese Wiedergeburt ist aber eine Bestrafung. Ziel ist es, nicht mehr an die
Erde gebunden zu sein, sondern in das Nichts, in das Nirwana einzugehen.
Wir Christen glauben hingegen, dass wir nur ein Leben auf dieser Erde haben,
in dem wir uns auf den Himmel vorbereiten. Und dieser Himmel ist kein Nichts,
sondern wir werden darin als ganze Menschen, mit verklärten Leib und
geläuterter Seele auf ewig leben. Außerdem ist uns die Erde als
Gabe von Gott geschenkt worden: Auf ihr zu leben ist trotz aller Mühsal
eine Gnade und keine Bestrafung. Nein, mit Reinkarnation hat das leere Grab
nichts zu tun.
Was ist die Auferstehung?
Jesus lebt in seiner Botschaft weiter, sagen viele. Das, was er gelehrt hat,
ist lebendig in der Kirche. Die Sache Jesu geht weiter.
Sicherlich, die Lehre Jesu wird weitergetragen von Generation zu Generation.
Ähnlich wie die Erinnerung an liebe Verstorbene in uns weiterlebt. „In
unseren Herzen lebst du weiter“ heißt es dann oft auf Totenzetteln.
Das Gedächtnis der Toten zu pflegen, ist gut und wertvoll.
Aber das ist nicht die ganze Wahrheit, an die wir glauben.
Jesus Christus lebt nicht weiter, weil die Kirche ihn verkündet.
Vielmehr gilt: Die Kirche verkündet Jesus Christus, weil er wirklich
lebt.
Der Herr lebt in der Herrlichkeit des Vaters, als der Auferstandene, auch
wenn die Kirche ihn nicht mehr auf Erden verkünden sollte.
Unsere lieben Verstorbenen leben in der Ewigkeit, auch dann wenn sich keiner
mehr an sie erinnert.
Es wäre schrecklich, wenn wir nur in den Herzen der anderen weiterleben
würden. Was, wenn Menschen einsam gelebt haben und keiner sich ihrer
erinnert? Was, wenn die Menschen, die sich eines Verstorbenen erinnern, selber
sterben?
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist
auferstanden!
In diesen Worten der Engel ist kurz zusammengefasst, was wir Christen glauben:
Jesus, der Gekreuzigte, lebt als der Auferstandene nicht hier in dieser Welt
oder nur in unserer Erinnerung, sondern er lebt wirklich beim Vater. Deshalb
ist das Grab auch leer.
Wer ist dann dieser Jesus?
Er ist nicht nur ein Prediger der Liebe Gottes. Er ist nicht nur ein guter
Mensch. Er ist nicht nur einer, der sich der Armen und Kranken annahm. Er
ist nicht nur ein Wunderheiler. Er ist nicht nur unser Bruder.
Dieser Jesus ist all das, aber er ist noch viel mehr:
Er ist der Sohn Gottes, er ist der menschgewordene Gott. Er ist der Herr über
Leben und Tod. Er ist das Leben.
Unser Herr spricht:
Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch
wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht
sterben.
Gott hat sich mit uns Menschen in seinem Sohn Jesus Christus sosehr verbunden,
dass er in ihm unseren Tod gestorben ist. Und er hat sich in ihm sosehr mit
uns Menschen verbunden, dass wir an seinem ewigen Leben Anteil erhalten, an
seiner Auferstehung.
Wer sich an Christus festmacht wird wirklich auferstehen. Wie er. Auf ewig.
Wer sich von ihm lossagt, wird sterben, tot sein. Auf ewig.
Wer ist dieser Jesus?
Er ist der Herr. Herr über Leben und Tod.
Wenn wir wirklich leben wollen, wenn wir wirklich auferstehen wollen, dann
kommen wir an ihm nicht vorbei.
Wir müssen uns entscheiden, wenn wir auf sein leeres Grab schauen.
Für oder gegen ihn.
Dann ging Petrus nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen
war.
Liebe Schwestern und Brüder!
Petrus hat sich den Fragen gestellt: Was ist Auferstehung? Wer ist dieser
Jesus?
Er glaubte und verkündete: Auferstehung heißt wirklich als ganzer
Mensch auf ewig zu leben. Jesus ist der Herr über Leben und Tod.
Petrus hat sich entschieden. Für ihn.
Und er wird dann mit all den anderen gejubelt haben: Halleluja!
Und er wird dann mit all den anderen den Glauben an die Auferstehung und an
Christus, den Sohn Gottes vor der Welt bekannt haben.
Folgen wir dem Aufruf des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. In der Osternacht
2005 konnte er nicht mehr selber predigen. Seine Worte verlas Kardinal Ratzinger.
Worte, die ein Vermächtnis sind an uns, an Sie, an Dich, an mich:
„Lasst uns aufwachen aus unserem müden, schwunglosen Christentum!
Erheben wir uns und folgen wir Christus, dem wahren Licht, dem wahren Leben.
Amen!“
4. Predigtvorschlag
Dann ging Petrus nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen
war.
Liebe Schwestern und Brüder!
Ein eigenartiger Schluss des Osterevangeliums. Jedenfalls empfinde ich das
so.
Wäre nicht ein Petrus, der voll Freude ausruft: „Christus ist erstanden!“
angebrachter.
Statt eines überschwänglich jubelnden Petrus begegnet uns ein nachdenklicher,
sich wundernder Petrus.
Das Ende dieses Evangeliums hat nichts von der Freude, von dem Halleluja,
von der Feierlichkeit unserer Osterliturgie, die wir gerade feiern.
Das leere Grab war für ihn erst einmal schwer zu verkraften.
Das leere Grab wirft für ihn erst einmal alles über den Haufen.
Das leere Grab lässt in ihm Fragen aufsteigen:
Was bedeutet die Botschaft der Engel: Er ist nicht hier, er ist auferstanden?
Wer ist dieser Jesus, dem ich gefolgt bin, der mein Leben verändert hat,
den ich verraten habe, der hier beerdigt lag? Wer ist er wirklich?
Später ist Petrus das alles klar geworden. Spätestens seit der
Sendung des Hl. Geistes weiß er, was Auferstehung bedeutet, wer Jesus
Christus wirklich ist.
Nach Pfingsten nämlich wird er zum ersten großen Prediger der Frohen
Botschaft von der Auferstehung der Toten. Als erster Papst bekennt er vor
der Welt, dass Jesus Christus, der Herr der Welt, der Herr über Leben
und Tod ist.
Anlässlich dieses Osterfestes, anlässlich der Botschaft vom leeren
Grab stellen auch wir uns mit Petrus die Fragen:
Was ist Auferstehung? Und wer ist dieser Jesus?
Was ist die Auferstehung?
Bei Umfragen unter Christen wurde vor kurzem deutlich, dass weiß Gott
nicht der Großteil an eine Auferstehung Jesu und der Toten glaubt. Bei
vielen ist auch ein falsches oder zu kurzes Verständnis über dieses
Glaubensgeheimnis anzutreffen.
Es gibt Menschen, Christen, die die Auferstehung mit der Wiedergeburtslehre,
der Reinkarnation ostasiatischer Religionen verwechseln oder vermengen.
Die Reinkarnation setzt voraus, dass wir mehrere Leben auf Erden haben. Je
nach dem vorherigen Leben werde ich als Mensch oder Tier oder sonst etwas
wiedergeboren.
Diese Wiedergeburt ist aber eine Bestrafung. Ziel ist es, nicht mehr an die
Erde gebunden zu sein, sondern in das Nichts, in das Nirwana einzugehen.
Wir Christen glauben hingegen, dass wir nur ein Leben auf dieser Erde haben,
in dem wir uns auf den Himmel vorbereiten. Und dieser Himmel ist kein Nichts,
sondern wir werden darin als ganze Menschen, mit verklärten Leib und
geläuterter Seele auf ewig leben. Außerdem ist uns die Erde als
Gabe von Gott geschenkt worden: Auf ihr zu leben ist trotz aller Mühsal
eine Gnade und keine Bestrafung. Nein, mit Reinkarnation hat das leere Grab
nichts zu tun.
Was ist die Auferstehung?
Jesus lebt in seiner Botschaft weiter, sagen viele. Das, was er gelehrt hat,
ist lebendig in der Kirche. Die Sache Jesu geht weiter.
Sicherlich, die Lehre Jesu wird weitergetragen von Generation zu Generation.
Ähnlich wie die Erinnerung an liebe Verstorbene in uns weiterlebt. „In
unseren Herzen lebst du weiter“ heißt es dann oft auf Totenzetteln.
Das Gedächtnis der Toten zu pflegen, ist gut und wertvoll.
Aber das ist nicht die ganze Wahrheit, an die wir glauben.
Jesus Christus lebt nicht weiter, weil die Kirche ihn verkündet.
Vielmehr gilt: Die Kirche verkündet Jesus Christus, weil er wirklich
lebt.
Der Herr lebt in der Herrlichkeit des Vaters, als der Auferstandene, auch
wenn die Kirche ihn nicht mehr auf Erden verkünden sollte.
Unsere lieben Verstorbenen leben in der Ewigkeit, auch dann wenn sich keiner
mehr an sie erinnert.
Es wäre schrecklich, wenn wir nur in den Herzen der anderen weiterleben
würden. Was, wenn Menschen einsam gelebt haben und keiner sich ihrer
erinnert? Was, wenn die Menschen, die sich eines Verstorbenen erinnern, selber
sterben?
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist
auferstanden!
In diesen Worten der Engel ist kurz zusammengefasst, was wir Christen glauben:
Jesus, der Gekreuzigte, lebt als der Auferstandene nicht hier in dieser Welt
oder nur in unserer Erinnerung, sondern er lebt wirklich beim Vater. Deshalb
ist das Grab auch leer.
Wer ist dann dieser Jesus?
Er ist nicht nur ein Prediger der Liebe Gottes. Er ist nicht nur ein guter
Mensch. Er ist nicht nur einer, der sich der Armen und Kranken annahm. Er
ist nicht nur ein Wunderheiler. Er ist nicht nur unser Bruder.
Dieser Jesus ist all das, aber er ist noch viel mehr:
Er ist der Sohn Gottes, er ist der menschgewordene Gott. Er ist der Herr über
Leben und Tod. Er ist das Leben.
Unser Herr spricht:
Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch
wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht
sterben.
Gott hat sich mit uns Menschen in seinem Sohn Jesus Christus sosehr verbunden,
dass er in ihm unseren Tod gestorben ist. Und er hat sich in ihm sosehr mit
uns Menschen verbunden, dass wir an seinem ewigen Leben Anteil erhalten, an
seiner Auferstehung.
Wer sich an Christus festmacht wird wirklich auferstehen. Wie er. Auf ewig.
Wer sich von ihm lossagt, wird sterben, tot sein. Auf ewig.
Wer ist dieser Jesus?
Er ist der Herr. Herr über Leben und Tod.
Wenn wir wirklich leben wollen, wenn wir wirklich auferstehen wollen, dann
kommen wir an ihm nicht vorbei.
Wir müssen uns entscheiden, wenn wir auf sein leeres Grab schauen.
Für oder gegen ihn.
Dann ging Petrus nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen
war.
Liebe Schwestern und Brüder!
Petrus hat sich den Fragen gestellt: Was ist Auferstehung? Wer ist dieser
Jesus?
Er glaubte und verkündete: Auferstehung heißt wirklich als ganzer
Mensch auf ewig zu leben. Jesus ist der Herr über Leben und Tod.
Petrus hat sich entschieden. Für ihn.
Und er wird dann mit all den anderen gejubelt haben: Halleluja!
Und er wird dann mit all den anderen den Glauben an die Auferstehung und an
Christus, den Sohn Gottes vor der Welt bekannt haben.
Folgen wir dem Aufruf des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. In der Osternacht
2005 konnte er nicht mehr selber predigen. Seine Worte verlas Kardinal Ratzinger.
Worte, die ein Vermächtnis sind an uns, an Sie, an Dich, an mich:
„Lasst uns aufwachen aus unserem müden, schwunglosen Christentum!
Erheben wir uns und folgen wir Christus, dem wahren Licht, dem wahren Leben.
Amen!“
5. Predigtvorschlag
Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder!
Merken Sie es auch: Die Angst geht um in unseren Tagen.
Die Angst um das persönliche Schicksal.
Angst angesichts von Krankheit,
angesichts drohender oder tatsächlicher Arbeitslosigkeit, angesichts
des Todes.
Die Angst geht um!
Die Angst um unsere Gesellschaft.
Angst angesichts der Vielzahl von sozialen und wirtschaftlichen Problemen,
angesichts der Bedrohung der Familie,
angesichts eines stetigen Werteverfalls,
angesichts der demographischen Falle, in die sich die Deutschen selbst hineinmanövriert
haben.
Die Angst geht um!
Die Angst um die Zukunft der Menschheit.
Die Angst angesichts einer Natur, die zurückschlägt, die sich unsere
rücksichtslose Ausbeutung nicht mehr gefallen läßt, wie bei
den nun fast alljährlichen Flutkatastrophen an der Oder.
Die Angst angesichts des Terrors vor allem mit islamistischem Hintergrund.
Die Angst vor Anschlägen hier bei uns,
die Angst vor fehlender Integration und latenter Gewaltbereitschaft ausländischer
Mitbürger.
Wir merken es: Die Angst geht um in unseren Tagen!
Alles, was uns wichtig ist, scheint gefährdet zu sein.
Alles, worauf wir vertrauen, scheint unterzugehen.
Alles, worauf wir Hoffnung setzen, droht zu scheitern.
Alles sinnlos, umsonst? Auf wen, auf was kann man sich denn noch verlassen?
Gibt es denn gar keinen Halt mehr?
Müssen wir all das zu Grabe tragen?
Mit diesen Gedanken im Kopf gehen viele unserer Zeitgenossen, gehen manche
von uns durch diese Welt.
Liebe Schwestern und Brüder,
mit ähnlichen Gedanken im Kopf gingen die Frauen damals zum Grab Jesu.
Auch für sie war alles unsicher geworden.
Auch sie hatten Angst, daß ihr Leben sinnlos geworden sei, nachdem Jesus
vor ihren Augen brutal getötet wurde.
Dieser Jesus, der sie angerührt und geheilt hatte,
dieser Jesus, der ihre Hoffnung war, ihr Halt, auf dessen Liebe sie sich verlassen
konnten.
Nun war er tot. Und mit ihm war alles, was Leben versprach, begraben worden.
Und dennoch die Frauen machen sich auf zum Grab Jesu.
Es ist, als wollten sie ihrer Angst, ihrer Hoffnungslosigkeit noch einmal
ins Gesicht sehen. Irgendetwas zieht sie ans Grab.
Und da geschieht es: Vor dem Grab begegnen sie einem Engel, einem Boten Gottes.
Und Gott läßt ihnen sagen:
Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.
Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.
„Wir brauchen uns nicht mehr zu fürchten. Es ist nicht alles sinnlos.
Er lebt.
Auf ihn können wir uns also doch verlassen. Er hat sein Wort gehalten.
Sein Wort von der Auferstehung und dem neuen Leben. Es gibt also doch Halt
und Hoffnung für uns.“
So oder ähnlich lauten nun die Gedanken und Empfindungen der Frauen.
Und tatsächlich: Er lebt. Er begegnet ihnen. Und auch Jesus ruft den
Frauen zu: Fürchtet euch nicht!
Liebe Schwestern und Brüder,
was den Frauen am Grab damals passiert ist, das geschieht nun auch auf andere
Weise mit uns, hier und jetzt.
Auch wir scheinen vieles begraben zu haben.
Auch für uns scheint vieles hoffnungslos geworden zu sein. Auch wir stehen
vor dem Grab unserer Hoffnungslosigkeiten.
Wie gesagt: Die Angst geht um.
Mit unserer Angst sind wir hierher gekommen. Vielleicht hat eine ganz konkrete
Angst den einen oder die andere hierher geführt.
Und hier in der Feier der Osterliturgie hören wir die Botschaft Gottes,
wie wenn ein Engel sie uns verkündet:
Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.
Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.
In dieser Feier der Osterliturgie ruft uns Jesus selbst wie damals den Frauen
zu:
Fürchtet euch nicht!
„Fürchtet euch nicht!
Ich weiß, es gibt genügend Dinge in dieser Welt, die euch ängstigen.
Ich kenne eure Angst. Ich war Mensch wie ihr. Und ich hatte Angst, wie ihr.
Im Garten Gethsemani. Am Kreuz.
Aber ich habe die Welt besiegt. Und damit habe ich die Angst besiegt.
Fürchtet euch nicht!
Die Dinge dieser Welt, die euch ängstigen, kann ich euch Menschen nicht
immer nehmen. Auch mein Vater konnte mir das Kreuz nicht nehmen.
Er hat mich diese Angst durchleben lassen, damit ich diese Angst bezwinge.
Und nun lebe ich, vom Toten auferstanden.
Ich habe die Angst, diese Welt, die so ängstigen kann, den Tod besiegt.
Aber nicht nur für mich, auch für euch habe ich diesen Sieg errungen.
An mir erkennt ihr:
Die Angst, diese Welt, der Tod haben nicht das letzte Wort. Mein und euer
himmlischer Vater hat das letzte Wort.
Und dieses Wort heißt: Leben!
Deshalb sage ich euch noch einmal: Fürchtet euch nicht!“
Liebe Schwestern und Brüder!
Die Angst geht um in unseren Tagen.
Vielen Menschen ist ihre Angst um sich selbst, um die Gesellschaft, um die
Welt zu einen Grab geworden.
Gelähmt von Angst wagen sie nicht mehr zu leben.
Auch als Christen haben wir Ängste und Sorgen.
Aber wir lassen uns davon nicht begraben, weil wir berufen sind, aufzuerstehen
aus den Gräbern unserer Angst.
Christus hat uns aus unseren Gräbern geholt, weil er gezeigt hat, daß
das Grab nicht der Endpunkt unseres Lebens ist.
Nicht der Tod steht am Ende, sondern das Leben.
Es stimmt: Die Angst geht um in unseren Tagen.
Es stimmt auch: Unsere Tage sehnen sich danach, die Botschaft von Ostern,
von heute zu hören:
Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.
Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.
Rufen wir es hinein in unsere Tage: „Alleluja, Jesus lebt!“
6. Predigtvorschlag - Feuer und Wasser
„Das ist wie Feuer und Wasser“: das sagen wir schon einmal, wenn wir meinen,
daß etwas ganz und gar nicht zusammenpaßt. Feuer und Wasser: zwei Symbole,
die gegensätzlicher nicht sein können. Und doch kommen sie heute, in der Osterfeier,
zusammen. Ostern ist das Fest von Feuer und Wasser.
Jesus sagt einmal: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie
froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk 12,49). Dafür ist das Osterfeuer
ein Sinnbild: es zeigt, daß jetzt ein Licht in die Welt kommt, das die Finsternis
überwältigt. Es zeigt, daß da ein Feuer brennt, das ein Signal ist: der Tod
ist tot, das Leben lebt.
Auch ein anderes Symbol ist da, das Wasser. Ohne die Weihe des Taufwassers
gibt es keine Feier der Osternacht. Ohne das neue Osterwasser, mit dem wir
uns besprengen lassen, wäre das Fest nicht vollständig. - Alles Leben kommt
aus dem Wasser, sagen uns die Biologen. Bevor ein Mensch das Licht der Welt
erblickt, schwimmt er neun Monate lang im Fruchtwasser seiner Mutter. Dieses
Fruchtwasser hat eine Zusammensetzung, die ganz ähnlich ist dem Wasser der
Weltmeere. So konzentriert sich in jedem einzelnen Menschen, der vor seiner
Geburt im Wasser schwimmt, das ganze Wunder der Entstehung des Lebens aus
dem Wasser.
Doch damit der kleine Mensch wirklich eintreten kann in die große, für ihn
noch unbekannte Welt, muß er seinen ersten Lebensabschnitt in der Geborgenheit
des Fruchtwassers beenden. Er muß die dunkle, warme Welt, die ihm seine Mutter
geschenkt hat, verlassen und sich hineinwerfen lassen in eine grelle, kalte
Umgebung, die ihm Angst macht. Dieser Übergang geschieht nicht ohne Schmerz.
Aber das kleine Menschenkind hat keine Wahl: wenn es leben und weiterleben
will, muß es das an sich geschehen lassen
Diese Geburt zum neuen Leben wiederholt sich in anderer Weise in der Taufe.
In dem österlichen Wasser wird der Täufling neu geboren: er wird herausgenommen
aus dem Bereich des Todes und darf in das Leben eintreten, in die Gegenwart
und Gnade Gottes. Er ist nun eins mit Christus, dem für uns Gekreuzigten und
Auferstandenen.
Jedes Osterfest bedeutet für uns die Erneuerung der Taufe. Wir erneuern unsere
Taufe, indem wir uns von neuem für Christus entscheiden. Wir erneuern unsere
Taufe, indem wir uns von neuem entscheiden, als neue Menschen zu leben.
Als neue Menschen leben, wie geht das? Ich nenne nur zwei Punkte. Der erste
Punkt: Das geht nicht allein. Jeder braucht Weggenossen. Die elementaren Glaubenserfahrungen,
ven denen die Bibel berichtet, sind Wegerfahrungen. Angefangen von Abraham
über das Volk Israel in der Wüste und die Emmaus-Jünger bis zu den Reisen
des Apostels Paulus.
Diese Weg-Erfahrungen sind auch für uns heute wichtig und werden immer wichtiger:
weil sie uns helfen, einander zu begegnen und Christus zu begegnen. Wir verschicken
heutzutage massenweise e-mails und sms-Nachrichten, aber was das wirklich
heißt: sich gemeinsam auf einen Weg machen – das geht in einer virtuellen
Welt immer mehr verloren.
Deswegen ist es für eine Gemeinde, wie wir es sind, immer wichtiger, den Taufglauben
zu erneuern, indem wir buchstäblich gemeinsam aufbrechen und nicht stehenbleiben:
das heißt, die Herausforderungen, die sich uns in einer veränderten Zeit stellen,
annehmen. Bereit sein, nicht nur Veränderungen im Leben der Gemeinde anzugehen
und anzunehmen, sondern alles unter der Frage zu sehen: Was vertieft unseren
Glauben? Was führt uns näher zu Christus? Was hilft den Menschen auf ihrem
Glaubensweg?
Dann ein Zweites, um als neuer Mensch zu leben aus der Gnade der Taufe: Die
Ostergeschenke des Auferstandenen annehmen. Annehmen heißt nicht nur: artig
Dankeschön sagen, sondern die Geschenke auch auspacken. Niemand würde ein
Geschenk, das er bekommt, in der Verpackung einfach stehenlassen. Sondern
jeder wäre neugierig, was da wohl drin ist. – Manchmal sind wir Christen seltsame
Menschen. Wir bekommen von Christus das Geschenk der Vergebung und das Geschenk
seiner Gegenwart in der Eucharistie. Aber wir lassen die Geschenke in der
Verpackung. Würden wir sie auspacken und mit ihnen leben, hätten wir Kraft,
als neue Menschen zu leben.
Heute, in dieser Feier, können wir damit beginnen. Christus schenkt sich
uns in seiner gekreuzigten und auferstandenen Existenz. Er ist durch das Feuer
des Leidens und Sterbens gegangen. Darum hat seine Gegenwart in unserer Mitte
die Gestalt des in der Gluthitze gebackenen Brotes. Damit wir nicht vergessen,
um welchen Preis uns Christus dieses Geschenk gemacht hat. Keine Osterfest
kann gefeiert werden, das nicht gleichzeitig auch innigster Dank ist für dieses
große Geheimnis, das uns da anvertraut wird.
Heute feiern wir Ostern. Christus ist wirklich auferstanden von den Toten.
Wir sind mit ihm neu geboren aus dem Wasser der Taufe und wir empfangen im
Glauben seinen Leib, der durch das Feuer des Leidens gegangen ist. Feuer und
Wasser: das sind seit Ostern keine Gegensätze mehr. Sondern Zeichen für das
neue und unvergängliche Leben, das allein Christus uns geben kann.
7. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2008)
Liebe Gemeinde!
Das Osterfest war ursprünglich ein jüdisches Fest, es hieß
Pascha, Vorübergang des Herrn. Man gedachte des Auszugs aus Ägypten
und der erschütternden letzten Plage, vor der Gott sein Volk verschont
hatte. Denn ihre Türpfosten waren mit dem Blut des Lammes bestrichen
worden: dieses Blut war das Zeichen ihrer Rettung.
Bis heute ist es beim jüdischen Paschamahl Sitte, dass der jüngste
Sohn den Vater fragt: Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen?
Und der Vater erzählt dann die lange Geschichte von Gott, dem Schöpfer
und dem, der Abraham berufen hat, vom Volk Israel, das in Ägypten
versklavt wurde und schließlich vom Auszug aus Ägypten durch
die mächtige Hand Jahwes und vom Durchzug durch das Rote Meer.
Wenn der Herr vorübergeht und eingreift, dann ist nachher alles
anders als vorher. Die Veränderung kann massiv äußerlich
erfahrbar sein wie beim Vorübergang des Herrn an den ägyptischen
Häusern oder beim Durchzug durch die Wasser des Roten Meeres. Sie
kann aber auch wie bei Elija die Seele betreffen und sich nur durch ein
sanftes, leises Säuseln bemerkbar machen; die äußeren
Naturerscheinungen sind dann allenfalls Vorboten für die eigentliche
und tiefe Veränderung, auf die es Gott ankommt, auf den Trost der
Seele, die Bekehrung des Herzens: Da zog der Herr vorüber:
Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach,
ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm
kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben
kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein
sanftes, leises Säuseln. (1 Kön 19,11-12)
Auch wir haben in den letzten zwei (drei) Tagen den Vorübergang
des Herrn gefeiert. Die Osternacht ist der Höhepunkt. Was würden
wir antworten, wenn uns einer fragte: Was unterscheidet diese Nacht
von allen anderen? Können wir darauf überhaupt antworten?
Daran entscheidet sich, ob wir wahrhaft Christen sind.
Die Liturgie der Osternacht hilft uns, den Unterschied zu erkennen. Mitten
in der Feier braust plötzlich die Orgel wieder auf, die Glocken läuten,
das Licht wird entzündet. Nach der Lesung der alttestamentlichen
Texte wird uns das unterscheidend Neue verkündet: das Neue Testament,
die Frohe Botschaft. Das jüdische Pascha kennt nur die Erinnerung
an den Vorübergang des Herrn und die Verschonung der Juden aufgrund
der mit Blut bestrichenen Türpfosten. Die christliche Osternacht
geht darüber hinaus: der Herr geht nicht nur vorüber, sondern
er kommt auf die verzweifelten Jünger zu. Er dokumentiert seine Macht
nicht mit einem Schreckensbild der Verwüstung, sondern er macht sich
selbst zum Lamm, dessen Blut die Gläubigen heiligt. Die Verschonung,
die er erwirkt, betrifft nicht das leibliche Leben, sondern die Gewissenslage
der Seelen, sie wird nicht auf Zeit, sondern für die Ewigkeit gewährt.
In jener Osternacht hat eine grundlegende Veränderung die Welt ergriffen.
Die (heutige) Ostersequenz beschreibt sie unter dem Bild eines Kampfes:
Tod und Leben stritten im Kampf, wie nie einer war; der Fürst
des Lebens erlag dem Tod; zum Leben erstanden triumphiert er als König.
Vom Ostersieg sprechen auch viele Osterlieder. Auch das Exsultet,
das Osterlob, benutzt eine entsprechende Ausdrucksweise: Dies ist
die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus
der Tiefe als Sieger emporstieg. Hierzu passt auch, dass Matthäus
von einem gewaltigen Erdbeben berichtet, vom Auftreten eines furchterregenden
Engels sowie davon, dass die Wächter begannen vor Angst zu
zittern und wie tot zu Boden fielen. (Mt 28,4) Aber wie schon
bei Elija sollte klar sein, dass die äußeren Erscheinungen
nur die Vorboten des tieferen Geschehens sind. Wenn der Herr vorüber
geht, dann kann das tatsächlich Angst und Schrecken mit sich bringen,
aber die Herzen werden damit noch nicht erreicht. Die Wächter haben
nicht zum Glauben gefunden, ebenso wenig die Pharisäer, die Jesus
ans Kreuz gebracht haben. Überhaupt kann niemand zum Glauben finden,
der nur an sich und den eigenen Vorteil denkt, der nicht wenigstens einen
Funken Liebe in sich hat. Man muss schon lieben, um die Erfahrung machen
zu können, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Man muss
sich wecken lassen, um dem Auferweckten zu begegnen. Im Bild gesagt: Wer
schwimmen lernen will, der darf nicht wasserscheu sein.
Um dieses Bild ein wenig weiter auszumalen: Der moderne Mensch ist wasserscheu
in religiösen Dingen. Er sagt: Wasch mir den Pelz, aber mach
mich nicht nass. Das fängt schon bei der Taufe an: Viele wünschen
die Taufe für ihr Kind, aber sie sehen gar nicht ihre eigene Verantwortung
für die religiöse Erziehung dem Kind gegenüber. Sie scheuen
den Einsatz, das entschiedene JA zu Gott, zum Glauben, zur Kirche. So
bleibt es bei einer Unentschiedenheit, die die Bibel auch Lauheit nennt:
weder warm noch kalt. Kann ja nicht schaden
Aber mit
dem pflaumenweichen Kann ja nicht schaden
bringt man
nichts zustande. Auf so etwas baut man keinen Lebensentwurf. Auf diese
Weise haben die ersten Jünger nicht zum Glauben gefunden, und so
haben sie ihn auch nicht empfohlen.
Vielleicht denken Sie: Ja, wenn ich damals dabei gewesen wäre, dann
könnte ich fester und entschiedener glauben. Aber so!? Wer weiß,
ob das alles wirklich stimmt. Ist ja auch schon so lange her
Noch einmal: Wer wasserscheu ist, wird niemals schwimmen lernen. Wer wie
Pilatus fragt: Was ist Wahrheit? und bloß sein eigenes
Lebensinteresse verfolgt, der wird nie die Wahrheit finden. Wer aber schon
angefangen hat, sein eigenes Wohl hintanzusetzen um der Wahrheit und der
Liebe willen, der kann dem Auferstandenen begegnen: An dem geht Jesus
nicht nur vorüber, sondern dem zeigt er sich vielleicht ähnlich
wie damals dem Elija gleichsam im sanften, leisen Säuseln, das auf
dem Grunde der Seele zu spüren ist, ausgelöst z.B. durch die
Mitfeier der Osterliturgie, nicht weniger aber auch durch die Begegnung
mit einem wahrhaft gläubigen Christen.
Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen? Das war
die Frage des jüdischen Kindes. Jesus hat zwar auch mit seinen Jüngern
das Paschamahl gefeiert, aber er hat das zeichenhafte Geschehen dann in
seiner Person erfüllt; er hat dem Zeichen auch Taten folgen lassen
und es so in Wirklichkeit umgesetzt. Seit der Osternacht hat der Tod seine
endgültige Macht verloren; der Auferstandene lebt und kann jedem
begegnen, der nicht wasserscheu ist. Im letzten Buch der Bibel
heißt es: Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine
Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten,
und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir. (Offenbarung
3,20) Wenn er anklopft, dann sollten wir ihn auch hereinlassen!
8. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Es gibt kein Fest der Christenheit, das derartig faszinierend ist und
eine ähnlich reichhaltige Liturgie aufweist wie das Osterfest, insbesondere
die Feier der Osternacht. Vermutlich gibt es aber auch kaum ein anderes
Fest, dessen Inhalt Anlaß zu so vielen Zweifeln, Mißverständnissen
und Neudeutungen gegeben hat wie das Osterfest.
Herz und Verstand werden beide angesprochen, aber für manchen stehen
beide im Gegensatz. So stemmt sich Goethes Faust mit seinem Verstand gegen
die Osterbotschaft: Was sucht ihr mächtig und gelind, ihr Himmelstöne
mich im Staube? Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind. Die
Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.
Andererseits ist er zutiefst unglücklich und trostbedürftig,
und gerade dem Selbstmord entronnen, ruft er aus: O tönet fort,
ihr süßen Himmelslieder, die Träne quillt, die Erde hat
mich wieder.
Dieses Gegeneinander von Glaube und Unglaube, Hoffnung und Verzweiflung
hat auch schon die ersten Osterzeugen bestimmt, so die Frauen, die am
Ostermorgen zum Grab kamen, um den Leichnam ihres geliebten Herrn zu salben,
so auch Petrus und die anderen Apostel, Thomas und die Emmausjünger.
Die Frauen, die statt des erwarteten Leichnams Jesu zwei Engel am Grab
vorfanden, waren geschockt und schauten zu Boden. Doch die Frage der Engel
holt sie aus ihrer Erstarrung heraus und ruft sie zur Entscheidung: Was
sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Diese Frage hallt durch die Jahrhunderte, und immer wieder werden Menschen
durch sie aufgerüttelt und mit dem Kern unseres Glaubens neu konfrontiert.
Die Frauen suchen Jesus, aber sie suchen ihn an der falschen Stelle, im
Grab nämlich, bei den Toten. Das war ganz verständlich und überhaupt
nicht zu tadeln, denn schließlich waren sie ja Zeugen seiner grausamen
Hinrichtung gewesen. Und doch suchten sie am falschen Ort, und sie hätten
es besser wissen können, wenn sie sich an die Worte ihres Meisters
erinnert hätten: Der Menschensohn muß den Sündern
ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.
Ja, das hatte Jesus so vorausgesagt aber konnten sie es in diesen
traurigen Stunden noch in lebendiger Erinnerung haben? Die Trauer hatte
ihnen die Kehle zugeschnürt und die Erinnerung blockiert; ihr Glaube
an Jesus war der Verzweiflung gewichen. So suchten sie Jesus nicht unter
den Lebenden.
Und es dauerte einige Zeit, bis sie ihre Depression überwunden hatten
und das Wort der Engel nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich
aufgenommen hatten. Daß Jesus tatsächlich lebte und nicht bei
den Toten weilte das mußten sie erst einmal gegen die bedrückende
Erfahrung der vergangenen Tage anglauben. Da mußten sie ihre ganze
seelische Kraft aufbringen, und die allein hätte auch nicht ausgereicht,
das wissen wir von Thomas, der Ostern nicht dabei war und dem deshalb
der Augenschein fehlte, um das wahrhaft Unglaubliche glauben zu können.
Es widersprach ja jedem gesunden Menschenverstand, daß ein Toter
wieder lebendig wurde, und da schien es viel plausibler, das Gerede von
der Auferstehung Jesu als Wunschdenken abzutun und sich mit dem Tod abzufinden.
Das gilt zu jeder Zeit, auch heute. Ich weiß nicht, wie viele Menschen
den Lebenden nach wie vor bei den Toten suchen, aber es sind vermutlich
viele. Ich nenne nur zwei Gruppen von Menschen. Da sind zum einen die
Menschen, die sich an die Wissenschaft halten und argumentieren: Der Tod
gehört zu den unabänderlichen Tatsachen des Lebens. Alle müssen
sterben, und wer gestorben ist, dessen Leben ist unwiderruflich zu Ende
ausnahmslos. Dies ist ein ehernes Gesetz der Natur, gegen das man
sich am besten nicht auflehnt. Wer dennoch von einem ewigen Leben träumt,
der beweist damit nur, daß er der Wahrheit nicht ins Auge sehen
kann; er ist im Grunde zu bemitleiden oder zu verachten. Wer so
denkt, der sucht die Wahrheit bei den Toten, denn er hält sich in
seiner Wissenschaftsgläubigkeit nur an die sterbliche Materie und
sieht diese als maßgebend für die ganze Wirklichkeit an. Aber
warum soll sich die geistige Welt an die Gesetze der vergänglichen
Materie halten? Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Zum zweiten sind da die vom Leben Enttäuschten. Sie denken: Es lohnt
sich nicht, sich für andere einzusetzen, denn Undank ist der Welten
Lohn. Jede gute Tat versinkt in Vergessenheit, aber das Recht des Stärkeren
setzt sich gegen alles durch. Das Böse ist ein Teufelskreis, das
Gute hat da keine Chance. Was ist Wahrheit? so fragt
nicht nur Pilatus, sondern so fragen alle Zyniker und die Machtmenschen.
So wenig wie Jesus dem Pilatus geantwortet hat, so wenig gibt es
eine theoretische Antwort auf diese resignierte Frage. Man kann höchstens
die Gegenfrage stellen: Was suchst du den Lebenden bei den Toten? Gewiß
gibt es den Teufelskreis des Bösen, aber die Liebe kann ihn durchbrechen,
und sie hat ihn immer wieder durchbrochen. Statt Pilatus eine Antwort
auf die Frage Was ist Wahrheit? zu geben, hat Jesus ein praktisches
Zeugnis für die Wahrheit, die er in Person ist, gegeben, und zwar
ganz konsequent bis zum Äußersten. So hat er gezeigt: Wahrheit
ist Liebe, und Liebe ist Wahrheit. Das Böse ist demgegenüber
die Unwahrheit, es ist nur für eine gewisse Frist stärker, langfristig
aber wird es vergehen. Ja, der Tod selbst ist nichts anderes als der Untergang
all dessen, das nicht in der Wahrheit und in der Liebe ist. Wer nur das
Böse sieht und die Vergeblichkeit des Guten, der sucht noch bei den
Toten.
Wende also deinen Blick, starre nicht wie das Kaninchen auf die Schlange,
sondern laß dir sagen, daß alles Böse endlich ist, Gottes
Liebe aber unendlich! Wach auf, du Schläfer, und steh auf von
den Toten, und Christus wird dein Licht sein. (Eph 5,14) Suche den
Lebenden nicht mehr bei den Toten, sondern suche ihn dort, wo der Teufelskreis
des Bösen schon durchbrochen wurde! Denn so spricht der Herr: Ich
bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch
wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig
nicht sterben. (Joh 11,25) Laßt uns diese freudige
Botschaft mit nach Hause nehmen: O Jesu, all mein Leben bist du,
ohne dich nur Tod.
9. Predigtvorschlag
Gottes Wort muß in uns zum Klingen gebracht werden
Stellen Sie sich vor, Sie betreten zum ersten Mal ein altes Haus, das
Sie vor kurzem geerbt haben. Sie schauen durch die Fenster und in die
Räume. Sie öffnen Türen und treten ein. Sie öffnen
Luken und erkennen verborgene Ecken. Und plötzlich, in einem ganz
entlegenen, dunklen Raum, fänden Sie es: ein altes, vergilbtes Papier.
Ein Schriftstück aus alter Zeit. Darauf sehen wir Linien, Noten,
Zusätze, Zeichen. Und darunter steht auch ein Name: W.A. Mozart.
-
Dieser Name - Ihnen und mir wohlbekannt - läßt Sie innehalten.
Sie gehen mit dem Blatt zu einem Musikkenner, zu einem Fachmann, der es
untersucht. Er schaut sich das an und nach einer Zeit der Prüfung
erklärt er: Diese Noten - sie sind ein bisher unbekanntes Musikstück
des Komponisten, ein wiederentdecktes Werk. Das Papier ist eine Kostbarkeit.
Das Werk eines großen Meisters. Was würde nun wohl mit einem
solchen Blatt geschehen? Man würde sicher in aller Welt über
diesen bedeutenden Fund berichten. Fachzeitschriften würden Fotos
und Kommentare bringen. Das Interesse wäre groß.
Aber eines fehlte jetzt noch. Die Noten auf dem Papier sind nicht bloß
dazu da, daß sie angeschaut, mit den Augen gelesen und vielleicht
dazu noch untersucht werden. Nach dem Willen des Komponisten erfüllen
sie ihren Zweck erst dann und genau dann, wenn Menschen die passenden
Instrumente nehmen und die Noten auf dem Papier in Musik umgesetzt werden;
wenn das Geschriebene in Gehörtes verwandelt und die Komposition
so zur Freude und zum Trost der Menschen zum Klingen gebracht wird.
Genauso verhält es sich auch mit der Abschiedsrede Jesu, von der
wir gerade einen Teil als Evangelium gehört haben. Das Evangelium
ist zunächst nur Buchstaben auf Papier, aber das soll es nicht bleiben.
Zunächst soll es von uns angenommen und als wertvoll angesehen werden.
Viel wertvoller als jede noch so große Werk eines noch so berühmten
Musikers.
Und dann soll das Wort Christi wie eine wunderbare Komposition zum Klingen
gebracht werden: es soll nach dem Willen des Stifters seinen Sinn erfüllen,
indem es im Lied und im Spiel des Lebens zum Klingen gebracht wird: einmal
dadurch, daß wir es im Gottesdienst hören; daß der Buchstabe
und die Wörter in den Raum kommen, an unser Ohr und an unser Herz.
So kann es zu einem Lied werden, dessen Urheber Gott selber ist. Aber
die Instrumente, auf denen dieses Lied erklingt, sind wir selbst. Wir
selbst sind das Werkzeug und das Medium, durch das Gottes Trost und Treue,
seine Güte und Liebe zu den Menschen kommen.
Jesus möchte, daß seine Melodie, die er in die Welt gebracht
hat, nie vergessen wird. Er möchte, daß sie immer wieder entdeckt
und gespielt wird - in unseren persönlichen Gebeten, im Gottesdienst,
im Alltag. Der Heilige Geist, um den wir in diesen Tagen vor dem Pfingstfest
beten, er wird dafür Sorge tragen, daß diese Melodie harmonisch
und voll erklingt und daß keine Mißtöne entstehen. Er
wird dafür sorgen, daß diese Melodie das bewirkt, wozu Jesus
in diese Welt gekommen ist: daß wir erkennen, wie sehr Gott an uns
gelegen ist und daß er wirklich Vater ist, der nicht aufhört,
uns zu rufen.
10. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, wenn ich in der Schule oder
bei anderen Gelegenheiten davon spreche, dass Ostern das höchste
Fest der Kirche ist, dann ernte ich oft nur Erstaunen oder
Kopfschütteln. Für die allermeisten ist nicht Ostern,
sondern Weihnachten das Fest aller Feste.
Das mag vielleicht mit Nebensächlichkeiten und Zufälligkeiten
zu tun haben: Weihnachten ist ein Familienfest - schon allein
deshalb, weil es früher keine Zentralheizung gab und
die Menschen sich in der kalten Weihnachtsnacht eng um den
heimischen Kamin versammelten.
Weihnachten ist überhaupt viel romantischer - mit dem
ganzen Kerzenschein und Lebkuchengeruch zuhause. Und anstatt
mühevoll Ostereier zu suchen, wissen wir genau, wo die
Geschenke liegen. Wir brauchen sie nur auspacken.
Vielleicht ist es auch das, was den Kindern Weihnachten so
toll erscheinen lässt: Dass es Geschenke gibt. Auf Ostern
gibt es allerhöchstens einen Osterhasen aus Schokolade
und ein paar Überraschungseier.
Aber es gibt noch tiefer Gründe, warum uns das Weihnachtsfest
sehr viel näher erscheint als Ostern. An Weihnachten
wird Gott Mensch; ein Kind ist uns geschenkt - das können
wir uns gut vorstellen. Allein schon unsere Krippendarstellungen
zeigen, das wir das Weihnachtsgeheimnis gut ausschmücken
können.
An Ostern wird ein Mensch zum Gott - das können wir uns
nur schwer vorstellen. Es gibt wohl deshalb auch keine Osterkrippen.
Allerhöchstens das leere Grab können wir darstellen
- beim Auferstandenen fällt es uns schon schwer.
"Machs wie Gott: Werde Mensch!" - das können
wir uns vorstellen. Da können wir auch begreifen, was
das mit unserem Alltag zu tun hat: So werden, wir Jesus als
Mensch es uns vorgelebt hat.
Aber was sollen wir mit dem Ostergedanken anfangen? Gut -
die Hoffnung auf die Auferstehung irgendwann einmal, das ist
nicht unwichtig. Aber jetzt - in meinem Alltag? Ich kann nicht
wie Jesus durch Türe und Wände gehen. Was soll ich
mir also den Auferstandenen als Vorbild nehmen?
Insgesamt ist uns das Weihnachtsfest lieber; die Geburt ist
ein schönes Fest für die ganze Familie. Zu Ostern
gehört ja auch der Karfreitag - und das erinnert uns
keineswegs an schöne Momente in unserem Leben.
Liebe Schwestern und Brüder, es ist eindeutig: Was die
Nähe des Festes zu unserem Leben und unseren Lebenserfahrungen
angeht, siegt Weihnachten um Längen vor Ostern. Ostern
ist einfach zu weit weg: In der fernen Zukunft, im Jenseits,
in einem anderen Leben.
Liebe Schwestern und Brüder: Wenn die Kirche trotzdem
Wert darauf legt, das Ostern mit Abstand der Vorrang vor allen
anderen Festen des Jahres erhält, dann vermutlich deshalb,
weil unser Glaube nicht nur unserem Alltag einen neuen Anstrich
geben möchte - sondern uns in einen anderen Alltag hineinruft.
Gott ist ein Gott, der uns herausruft. Er will nicht nur
ein Zusatz zu unserem Leben sein - so ähnlich wie eine
Zusatz-Diät, die man zusätzlich zwischen den üblichen
Mahlzeiten ißt. Er ist kein Geschmacksverstärker,
sondern jemand, der uns auffordert, unsere bisherigen Erfahrungen
hinter sich zu lassen und herauszukommen aus unseren engen
Lebensgrenzen.
"Komm heraus, Lazarus!" - Das ruft er uns zu.
"Folge mir nach!" fordert er uns auf.
"Sei nicht ungläubig, sondern gläubig!"
sagt er und erwartet, dass wir bereit sind, ganz neue Erfahrungen
zu machen.
Neue Erfahrungen, österliche Erfahrungen. Die Erfahrung,
das Jesus lebt und mir zur Seite steht, kann ich nur machen,
wenn ich mich auf neues Territorium wage: Anderen verzeihe,
wo keiner mehr damit gerechnet hat. Zugebe, dass ich verbohrt
gewesen bin. Öffentlich im engsten Freundeskreis von
meiner Liebe zu Gott spreche. Auf Menschen zugehe, die in
ihren eigenen Sorgen zu ertrinken drohen. Und dabei darauf
vertraue: Jesus lebt! Er steht mir zur Seite!
Liebe Schwestern und Brüder: Weihnachten knüpft
an den Erfahrungen an, die ich und jedermann schon gemacht
hat. Gott wird ein Teil der Welt, die mir vertraut ist.
Ostern knüpft nicht an alten Erfahrungen an. Ostern
ermöglicht mir neue: Die Erfahrungen einer neuen Welt;
die Erfahrung, das Gott Wunder wirken wird - in meinem Leben.
Die Erfahrung, dass ich zu mehr berufen bin, als nur "Mensch
zu werden".
Seit Ostern heißt es eben nicht mehr: "Mach's
wie Gott, werde Mensch!"
Seit Ostern heißt es: "Komm heraus, Lazarus!"
«Komm heraus, alter Mensch, und lass Dich verwandeln.
Gott hat Göttliches mit Dir vor - nicht nur Menschliches.
Dafür bist Du ihm viel zu lieb.»
Amen.
11. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
vielleicht haben Sie es in der Zeitung gelesen, dass ich
jetzt sogar schon im Internet Seelsorge mache. Das hat nichts
damit zu tun, dass ich mich hier nicht ausgelastet fühle.
Nein, es ist wirklich interessant, sich auf diese Art und
Weise mal offen und ehrlich von den Jugendlichen sagen zu
lassen, was sie so bewegt. Viele Jugendliche haben kleine
und mittlere Probleme, und trauen sich nicht, darüber
zu sprechen. Das fängt beim heimlichen Rauchen an und
hört bei Beziehungskrisen und Selbstmordgedanken auf.
Vor einiger Zeit habe ich mit einem jungen Mann ein Gespräch
geführt. Er hat eine Freundin gefunden, die er wirklich
liebt, die etwas dicker ist als andere (so schreibt er), und
die ihn auch liebt. Und trotzdem, so meint er, ist er immer
wieder eifersüchtig. Was kann man dagegen tun?
Als ich versucht habe, die Antwort zu formulieren, bin ich
selbst ein wenig ins Grübeln gekommen. Liebe heißt
Vertrauen, so habe ich geschrieben. Das Begeisternde einer
Beziehung ist, dass da einer ist, der mir vertraut, der mich
für voll nimmt, der an mich glaubt. Da ist einer, der
mag mich nicht nur, sondern er traut mir auch; mehr als anderen.
Vielleicht, so habe ich mir gedacht, ist Liebe und Vertrauen
genau das Gleiche, nur dass es zwei verschiedene Worte sind.
Man vertraut sich Geheimnisse an, man erzählt sich Dinge,
die man keinem anderen erzählen würde, und vertraut
so Stück für Stück sich selbst dem anderen
an. Ich glaube schon, dass das Liebe ist.
Eifersucht ist demnach keine übertriebene Liebe, sondern
ein Mangel. Ein Mangel an Vertrauen und damit ein Mangel an
Liebe. Je mehr Vertrauen man in den anderen setzt, umso größer
ist die Liebe. Und ein solches Vertrauen kann im Laufe der
Zeit wachsen. Ein über Jahre eingespieltes Ehe-Team hat
vielleicht etwas von der Glut der Liebe verloren, dafür
aber wahrscheinlich das Vertrauen zueinander vertieft. Letztlich
ist die Liebe gewachsen. Wirklich zu lieben heißt, an
die Liebe des anderen zu glauben. Ein schöner Gedanke
für eine Silberhochzeit, habe ich mir gedacht.
Aber meine Gedanken, die schon längst nicht mehr alle
zu Papier gebracht hatte, gingen noch weiter. Wenn wir erst
lieben, wenn wir unsere Liebe einander bewiesen haben, dann
hätten wir eine Geschäftsbeziehung - keine Liebesbeziehung.
Die Liebe zwischen zwei Partnern ist spätestens dann
nicht mehr vorhanden, wenn der eine vom anderen Liebesbeweise
einfordert. Wirklich zu lieben heißt, an die Liebesfähigkeit
des anderen zu glauben.
Und in dem Augenblick ging mir auf, dass es sich genauso
auch mit unserem Glauben verhält.
Gott liebt uns. Er vertraut uns. Sein Vertrauen zu mir ist
so absolut, dass er mich niemals aufgeben würde. Und
vor allem: Er glaubt an meine Fähigkeit, ihn zu lieben.
Er traut mir unbedingt zu, an ihn zu glauben.
Selbstverständlich könnte er sich zeigen und beweisen,
dass er existiert. Das tut er ja auch. Aber eben nicht auf
Bestellung, denn sonst ist die Gefahr zu groß, dass
wir über eine Geschäftsbeziehung nicht hinauskommen.
Vielleicht haben Sie schon einmal gedacht: So langsam müsste
der da oben mir aber auch einmal zeigen, dass es ihn gibt.
Kann der nicht mal ein kleines Wunder vollbringen? Nur ein
kleines, damit ich meinen Glauben nicht verliere? Und wenn
Gott sein Zeichen nicht glaubhaft rüberbringt, dann ist
er selber schuld, wenn mein Glaube flöten geht.
Keine Frage, da versuchen wir ein Geschäft abzuschließen.
Wieviel unser Beziehung zu Gott ist so primitiv geschäftlich-kaufmännisch!
Dass Gott uns das Zeichen nicht gibt, dass unseren Glauben
retten könnte, liegt daran, dass er den Glauben an unsere
Liebesfähigkeit noch nicht verloren hat. Dass er trotz
allem Geschäftsgebaren noch den Funken Liebe in unseren
Herzen sieht und anfacht. Seine Antwort ist, ganz schlicht:
Du kannst es! Auch ohne Extra-Wunder, ohne Beweise. Ich glaube
an Dich!
Es ist, liebe Schwestern und Brüder, ganz einfach: Wer
verliebt ist, der findet genügend Hinweise auf die Liebe
des anderen. Wer wirklich vertraut, sieht darin sogar handfest
Beweise. Aber ein solcher Beweis kann die Liebe nicht erzeugen;
wenn die Liebe nicht mehr da ist, wirkt jeder Liebesbeweis
lächerlich.
Wer Gott vertraut, der findet allerdings genügend Hinweise,
auch in seinem alltäglichen Leben, die Gottes Liebe bezeugen,
vielleicht sogar beweisen. Wer Gott vertraut, dem passiert
hin und wieder auch schon einmal ein Wunder. Ein kleines vielleicht,
aber vielleicht auch mal ein großes. Aber mit all diesen
Beweisen kann ich keinen Glauben erzeugen bei dem, der nicht
glauben will. Keine Chance.
Liebe Schwestern und Brüder, sehr viele glauben nicht
an die Auferstehung Jesu. Und vielleicht haben Sie ja auch
so ein paar Bedenken. Da nutzt es nicht viel, wenn ich von
der Auferstehung Jesu als Beweis unseres christlichen Glaubens
spreche. Was wirklich Ostern heißt - die tiefe Freude
eines erlösten Christen - die Freiheit der Kinder Gottes
- werden sie erst begreifen, wenn Sie sich verlieben. In Gott.
Amen.
12. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
Auferstehung - das ist ein Wort, das bei uns eine vielfältige
Bedeutung hat. Jemand, der vollkommen am Boden gewesen ist
- und nun wieder neuen Mut erfährt; jemand, der schwer
krank, vielleicht sogar todkrank war - und dann doch wieder
neue Kraft gewinnt und gesund wird; jemand, der durch einen
Unfall nur haarscharf am Tode vorbei gekommen ist - der sein
Leben als noch einmal geschenkt begreift - all diese Menschen
können von einer «Auferstehungserfahrung»
reden.
Noch vielmehr Beispiele lassen sich finden, Erfahrungen, die
Menschen in Not, im Krieg oder in psychischen Extremsituationen
gemacht haben; und die in eine «Auferstehung»
münden.
Es tut gut, von solchen Erlebnissen zu erzählen. Es
ist wichtig, da auch in Ruhe hinzuhören. Aber solcher
Vorgeschmack, ein solches Bild für die Auferstehung -
ist noch nicht die Auferstehung selbst.
Alle unsere Erfahrungen von neugewonnenen Mut oder neu geschenktem
Leben sind eher vergleichbar mit der Erweckung des Lazarus.
Ihm wird noch einmal sein irdisches Leben zurückgegeben.
Aber die Auferstehung Jesu - und damit auch unser eigenes
Schicksal - ist anders: Wir erstehen nicht mehr zu diesem
Leben. Wir bekommen keine zweite Chance, denn das würde
bedeuten, dass wir die dann auch wieder vermasseln können.
Nein, unser Ostern wird anders sein. Größer, herrlicher
- aber vor allem anders.
Liebe Schwestern und Brüder, damit sag ich Ihnen nichts
Neues. In meiner Jugendzeit habe ich viele Predigten gehört,
die genau diese zum Thema hatten: Wie anders doch unsere Auferstehung
sein wird. Wie unbegreiflich das Leben ist, das uns nach unserem
Tod geschenkt wird. Sooft habe ich das gehört, dass dieses
zukünftige Leben nichts mehr mit meinem jetzigen Alltag
zu tun hatte. Und irgendwie habe ich mich auf dieses ganz
Andere nicht so richtig freuen können.
Wir erliegen oft der Gefahr, uns alles viel zu plastisch
und zu einfach vorzustellen. Der Himmel als ein großer
Thronsaal, der liebe Gott als alter Mann mit weißem
Bart, der Heilige Geist als weiße Taube und so weiter.
Und wenn wir glauben, innerlich erwachsen zu werden, dann
machen wir uns frei von diesen Bildern. Wir wissen, dass das
alles gar nicht so ist - und rücken dann alles so weit
weg, dass nichts mehr bleibt, was wir kennen. Gott - der ganz
andere. Der Himmel - unvorstellbar. Der Heilige Geist - ein
unbekanntes Wesen außerhalb jeder Dimension. Nichts
mehr für meinen Alltag. Nichts mehr für mein Beten
und Glauben. Und trotzdem sind wir überzeugt, so Gott
eher gerecht zu werden.
Da ist es ganz erstaunlich, dass die Kirche in ihrem Glauben
an ganz konkreten Überzeugungen festhält, einen
schon fast kindlichen Glauben bewahrt: Wir werden auferstehen
- mit unserem Leib. Nichts anderes beten wir regelmäßig
im Glaubensbekenntnis, Sonntag für Sonntag: Ich glaube
an «die Auferstehung des Fleisches» - so heißt
es zumindest im Original. Wir werden uns im Himmel wieder
erkennen!. Wir werden unser Leben hier auf Erden nicht vergessen,
und die Spuren unseres jetzigen Lebens werden nicht ausgelöscht
sein!
Wir werden auferstehen in unserem Leib. Das hat was mit meinem
Leben zu tun! Nicht irgendwelche Astralkörper, Energieblitze
oder Geister werden wir sein, sondern erlöste Menschen
mit Leib und mit Seele.
Die Evangelien legen viel Wert darauf, dass Jesus nach seiner
Auferstehung mit den Jüngern gegessen hat. Dass Thomas
seine Wunden sehen und berühren konnte. Jesus war sogar
so menschlich, dass die Jünger oder auch Maria von Magdala
ihn zunächst für einen ganz normalen Menschen, zum
Beispiel für einen Gärtner gehalten hatten.
Der Himmel wird nicht nur einfach anders sein. Er wird sehr
viel mit unserem Leben hier zu tun haben. Dafür gibt
es in unserem Leben einfach zu viel Himmlisches. Gott hat
diese Welt als sehr gute Welt geschaffen, nicht als Einweg-Erde
und Wegwerf-Welt, als Transitland zum Himmel. Alles Gute unseres
Lebens hat Bestand. Und wenn wir als Menschen mit unserer
Leiblichkeit nicht gut sind, wenn unsere Körper nicht
erhaltenswert sind, dann weiß ich nicht, was gut noch
bedeuten soll.
Wieviel Liebe, Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung
können wir vor allem durch unseren Körper ausdrücken!
Wie begrenzt ist doch unsere rein geistige Beschreibung von
Zuneigung - verglichen mit einem einzigen, liebevollen Blick!
Und so etwas Geniales wie unser Körper soll einfach vergehen?
Das ist nicht unser Glaube!
Das bedeutet natürlich auch, dass wir mit unserem Leib
sorgsam umgehen sollten. Das wir uns selbst nicht missbrauchen
dürfen; dass es gilt, unserem Körper viel Ehrfurcht
gegenüber zu haben. Aber auch mit dem, was unser Körper
auszudrücken vermag, ehrlich umgehen. Unser Leib ist
der Tempel des Heiligen Geistes, für den Himmel geschaffen
- und keine Spielbude oder Lustobjekt.
Aber vor allem hat ein solcher Osterglaube positive Auswirkungen auf
mein Leben: Gott und die Menschen zu genießen - sich an ihnen zu
erfreuen - das wird der Himmel sein. Und das können wir auch jetzt
schon, das ist jetzt schon der Himmel auf Erden.
Das wird sich nach unserem Tode wahrscheinlich noch steigern.
Aber es wird nicht alles anders sein. Warum auch?
Ich kann mich nicht nur jetzt schon auf den Himmel freuen,
ich kann ich auch jetzt schon erfahren! Mein Leben hat eine
himmlische Dimension, was ich tue und fühle sind echte
Vorboten.
Es wird vieles anders sein im Himmel. Aber mehr, als wir
denken, wird es dem ähnlich sein, was wir jetzt schon
Glück nennen.
Amen.
13. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
eine radikal biblische Gruppe, schon fast eine Sekte, in
Amerika, hat vor einigen Jahren eine Million Dollar als Preisgeld
ausgesetzt für den, der beweisen kann, dass wir den Sonntag
als heiligen Tag feiern sollen - und nicht den Sabbat, wie
es noch in den 10 Geboten heißt.
Das Preisgeld steht immer noch aus, denn der Beweis sollte
aufgrund der biblischen Texte geschehen - und das ist nicht
möglich. Denn der Sonntag als Tag des Herrn hat sich
erst in den späteren Jahrhunderten entfaltet.
Die ersten Christen haben noch den Sabbat gehalten, den letzten
Tag der Woche, zu Ehren der Schöpfung und zu Ehren des
Schöpfers, der an diesem Tag ruhte. Immer mehr wurde
auch der darauf folgende Tag, der erste Tag der Woche, zu
einem Gedenktag. Weil an diesem Tag die Auferstehung durch
die Frauen am Grab entdeckt wurde, feierten die Christen der
nächsten Jahrhunderte den ersten Tag der Woche als Tag
des Herrn.
Bei uns heißt dieser Tag zwar "Sonntag" -
zu Ehren des heidnischen Sonnengottes - aber in den romanischen
Sprachen ist der Sinn des Tages auch noch im Namen enthalten:
«Domenica» (im italienischen) oder «Dimanche»
(im französischen): «Tag des Herrn».
Bis zum Anfang der siebziger Jahre begann auch im weltlichen
Kalender die Woche mit dem Sonntag. Erst 1972 wurde - per
Gesetz - der Sonntag zum letzten Tag der Woche und damit zum
Bestandteil des Wochenendes. Aber das ist nicht wirklich christlich.
Denn mit dem siebten und letzten Tag der Woche findet die
Schöpfung ihren Abschluss. Gott ruht. Dann, am 8. Tag
geschieht etwas, das einen neuen Anfang setzt: Eine neue Schöpfung
wird aus der Taufe gehoben. Mit der Auferstehung Jesu entsteht
eine neue Welt! Auferstehung ist nicht das «Happy End»,
Abspann und dann Schluss. Auferstehung ist der Paukenschlag,
wie eine Overtüre zu einem neuen Akt.
Mit der Auferstehung Jesu wurde eine neue Welt, die himmlische
Welt, in unserer eher düsteren, vielleicht sogar höllischen
Erde aufgetan. So, wie der Vorhang im Tempel mitten entzwei
riss, so war jetzt ein Tür geöffnet. Wir waren nicht
mehr in einer in sich abgeschlossenen Welt, getrennt von Gott
und seiner Gnade, sondern uns wurde ein neues Leben geschenkt.
In der Taufe, in der wir alle auf den Tod und die Auferstehung
Jesu getauft wurden, wurden wir Bürger einer ganz anderen
Welt.
Dort gibt es Wunder, Heilungen, Auferstehung. Verzeihung und
Vergebung; übermenschliche Kraft und Selbstlosigkeit;
Liebe, die nicht endete, auch nicht, wenn sie enttäuscht
wurde. In dieser neuen Welt gibt es Gnade, die wir nicht kaufen
oder erarbeiten können, sondern die uns geschenkt wird;
einfach so. Eine andere Welt hat sich aufgetan, und deren
Eröffnung war die Auferstehung am ersten Tag der Woche.
Liebe Schwestern und Brüder, das mag zunächst nur
eine Nebensächlichkeit sein. Aber wenn 1972 schon der
bürokratische Aufwand getrieben wurde, sämtliche
Abrechnungen und Kalender umzustellen, dann war das schon
ein enormer Aufwand. Warum?
Weil diese Welt sich zunehmend in sich abgeschlossen erfahren
hat. Uns ist der Himmel abhanden gekommen, wir rechnen nicht
mehr mit Wundern, Heilungen, übermenschlichen Kräften
und Selbstlosigkeiten. Bei uns hört die Welt hier (oberhalb
des Kopfes) auf. Wir vertrauen nicht mehr auf die Fürsprache
der Heiligen, kennen unsere Namenspatrone nicht mehr, beten
nicht mehr zu unseren Schutzengeln. Wir vertrauen nicht mehr
darauf, dass uns lebenswichtige Gnade in den Sakramenten zuteil
wird; wir vertrauen überhaupt nicht mehr auf Gottes Wirken
- es sei denn, wir können sowieso nichts mehr anderes
als beten.
Liebe Schwestern und Brüder, seit wir den Sonntag zum
letzten Tag der Woche gemacht haben, haben wir die Tür
zur neuen Welt, die uns eröffnet wurde, sofort wieder
geschlossen. Der Sonntag schließt die Woche ab. Schluss
ist, Feierabend. Dahinter kommt nichts mehr; und wenn wir
Gottesdienst feiern, dann nur, um zu all unserem Tun auch
noch Gott um seinen nachträglich Segen zu bitten. Damit
die Woche auch wirklich einen Deckel bekommt.
Eine solche Welt ist klein, eng und spießig. Alles ist
überschaubar und beruhigend, Gott ist nur ein Störfaktor,
der allerhöchsten am Schluss vorkommen darf.
Dagegen sieht die eigentlich christliche Sicht anders aus:
Der Sonntag, der Tag des Herrn, eröffnet die Woche; denn
uns ist neues Leben gegeben. Wir beginnen mit Gott, denn er
ist es, der uns Leben schenkt. Und mit seinem Segen können
wir erst unser Tun beginnen.
Gott hat uns neues Leben geschenkt, wir leben nicht mehr für
diese Welt - wir leben nur noch in dieser Welt; über
uns aber weitet sich der Raum und ragt in den Himmel. Wir
sind umgeben von Engeln, die uns auf unseren Weg begleiten.
Die Heiligen stehen uns zur Seite; Gott gibt Kraft zu unserem
Tun.
Der Stein ist weggerollt, der Engel sitzt darauf: Die Materie
ist nicht mehr maßgebend; es gilt nicht mehr, was wir
haben, was wir besitzen oder wieviel wir wert sind - es gilt
nur noch, wer wir sind. Die letzten sind plötzlich die
ersten; die kleinsten sind jetzt die größten. Wer
verachtet war, weil er nichts hermachte, ist Gottes geliebtes
Kind und selig und heilig.
Liebe Schwestern und Brüder, mehr als ein Abschluss
des Vergangenen ist der Sonntag eine Öffnung für
die Zukunft. Es wird Morgen, ein neuer Tag, eine neue Woche
und ein neues Leben beginnt. Lassen Sie sich anstecken und
ergreifen von österlichen Geschehen: Eine neue Welt tut
sich auf, der Himmel ist mitten unter uns!
Amen.
14. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Haben sie eigentlich schon ihren Urlaub geplant? Und - wo
geht es dieses Jahr hin?
Ein Wunsch der meisten Menschen ist es, wenigstens für
eine gewisse Zeit alles hinter sich zu lassen. Einfach weg,
an nichts mehr denken, was mit Alltag zu tun hat. Raus aus
dem alten Leben, vielleicht nur auf dem eigenen Balkon oder
im Wintergarten, vielleicht nach Mallorca, am besten aber
in die Südsee, weißer Strand und nicht mehr an
Halverde denken. Das Paradies.
Sie werden sich vielleicht fragen, was dieser Wunsch mit
unserer Osterfeier zu tun hat. Nun, die meisten Menschen stellen
sich so - oder so ähnlich - das Leben nach dem Tode vor.
Alles hinter sich lassen - an nichts mehr denken, was früher
war, alles vergessen - vor allem auch die eigenen Unzulänglichkeiten.
Aber auch die Unzulänglichkeiten anderer, die Unzulänglichkeiten
unseres alltäglichen Lebens. Alles ist weg. Das Paradies.
In der alten Mythologie - vor allem der Ägypter - mussten
dementsprechend die Verstorbenen über den Fluss des Vergessens
schreiten. Was sie auf der anderen Seite erwartete, hatte
nichts mehr mit ihrem eigenen Leben zu tun. Den Fluss des
Vergessens überschreiten - auf unseren Flug in die Südsee
vielleicht mit der Zollschranke zu vergleichen - und ein neues
Leben beginnen. Das Paradies.
Da macht aber das Ostereignis, die Auferstehung Jesu also,
einen dicken Strich durch die Rechnung. Christus verlässt
nämlich nicht diese Welt, froh, endlich alles hinter
sich zu haben und in der Hoffnung, alles zu vergessen, was
ihm hier passiert ist. Sondern in Christi Auferstehung wird
eine ganz besondere, christliche Sicht des Lebens und des
Lebens nach dem Tode deutlich: Er kennt seine Jünger
wieder, er begrüßt Maria Magdalena, er zeigt Thomas
seine Wunden, er ißt mit den Aposteln und sogar mit
Petrus, der ihn verleugnet hatte.
Die Vorstellung, klar trennen zu können zwischen dem
hier und jetzt und dem dereinst, hat sich zerschlagen mit
dem Ereignis der Weltgeschichte: Mit der Auferstehung Jesu.
Denn mit dem neuen Leben, das er in der Osternacht begonnen
hat, knüpft er an sein früheres Leben an. Er hat
keinen vollkommen neuen Leib, sondern einen gewandelten. Die
Wunden sind noch vorhanden, man kann ihn noch erkennen.
Und somit hat auch für uns das neue Leben, das ewige
Leben seine scharfe Grenze verloren. Für uns hat schon
die Zukunft begonnen. Wir sitzen auf dieser Erde eben nicht
mehr wie in einer riesigen Wartehalle und drehen Däumchen,
bis endlich unser Flug aufgerufen wird. Für die, die
an Christus glauben und die Auferstehung ernst nehmen, hat
- sozusagen - der Urlaub - die Südseeinsel - schon begonnen,
aber das, ohne Vergessen und radikaler Neubeginn, sondern
mitten in unserem jetzigen Leben. Das ewige Leben gewinnen
wir nicht erst im Tode, sondern in dem Augenblick, in dem
wir uns zum Leben mit Christus entschließen.
Christi Auferstehung, in der die Brücke geschlagen wird
von unserem Leben zum ewigen Leben, sodass die Zukunft schon
heute beginnt, ist ein erlösendes, freudiges Geschehen
- trotz des Ernstes, der damit unserem Tun verliehen wird.
Die Tatsache der Auferstehung wertet nämlich unser ganzes
irdischen Leben enorm auf. Alles, was wir hier sind, was wir
hier tun und was wir haben, hat seinen Platz bei uns und bei
Gott. Nicht nur hier, sondern auch nach unserem Tode. Nichts
ist umsonst, nichts vergeblich: Unser jetziges Leben ist nicht
nur das Vorspiel, sondern der Beginn der Ewigkeit.
Bei Gott werden wir uns erinnern, wir werden uns erkennen.
Wir werden verstehen, was wir hier füreinander getan
haben, wir werden entdecken, was wir für andere gewesen
sind und was andere für uns waren. Die Schleier, die
jetzt noch vor unseren Augen liegen und die es uns oft schwer
machen, zu entdecken, wie viel Güte und Liebe in einer
Handlung oder in einer anderen Person uns tatsächlich
entgegengebracht wird, werden dann verschwunden sein.
Es mag für einige Menschen eine Enttäuschung sein
- dass es diesen Fluss des Vergessens nicht gibt. Und auch
keine Zollschranke, hinter der alles zurückbleibt. Das,
was wir hier in unserem Leben tun, ist von Bedeutung, hat
Bestand und Dauer.
Für einige mag das erschreckend sein, denn unser Leben,
unser Tun und Lassen hier gewinnt dadurch einen größeren
Ernst, einen sehr viel größeren Ernst. Es ist nun
nicht mehr egal, was wir tun, weil eben nicht alles am Ende
unseres irdischen Lebens einfach zurückgelassen wird.
Die christliche Botschaft von der Auferstehung verleiht unserem
Leben einen Ernst, der einigen unbequem erscheinen mag. Denn
wir tragen eine Verantwortung für das, was wir sein werden.
Und so schreibt Paulus auch die heute wenig angenehmen Worte:
«Müht Euch mit Furcht und Zittern um Euer Heil!»
Ganz schön heavy, dieser Paulus. Das Ganze klingt dann
aber schon weniger hart, wenn wir Paulus auch im Ganzen zu
Wort kommen lassen. Denn dort heißt es im Zusammenhang:
«Müht Euch mit Furcht und Zittern um Euer Heil!
Denn Gott ist es, der in Euch das Wollen und das Vollbringen
bewirkt, noch über euren guten Willen hinaus!»
Das ist die eigentliche Botschaft der Osternacht: Nicht wir
sind die Bezwinger und Überwinder des Bösen und
Schlechten in unserem Leben, nicht wir sind die, die gegen
den Tod und alles Tödliche in unseren Handlungen ankämpfen
müssen, sondern Christus ist es, der für uns überwunden
hat, was uns bedroht. Wir sind seine Mitarbeiter, wir sind
eben nicht auf uns allein gestellt.
Im späteren Leben wird alles das aufleuchten, was wir
an guten Werken, Gedanken und an Gefühlen für andere
investiert haben - aber Gott ist es, der uns dabei führt,
stärkt und leitet.
Wenn sie Urlaub machen, denken sie daran: Das Schöne
ist nicht, dass wir alles vergessen und hinter uns lassen.
Das Schöne ist, dass wir das Gute und Wertvolle mitnehmen.
Amen.
15. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, in unserer Kirche gibt
es viel zu sehen. Überall stehen Figuren herum, hängen
Bilder oder werden Gegenstände aufbewahrt, die wir für
unsere Gottesdienste gebrauchen. Und zu jeder Figur und zu
jedem Gegenstand könnte man Geschichten erzählen.
Da vorne, zum Beispiel, die heilige Apollonia. Die hat deswegen
eine Zange in der Hand, weil sie die Patronin der Zahnärzte
ist. Wissen sie warum? Nein? Das erzähle ich Ihnen ein
andermal.
Alles will uns an etwas erinnern, hat eine Bedeutung und
einen Sinn. So ist es auch mit den Gottesdiensten: gerade
in der Osternacht quillt der Gottesdienst nur so über
von Zeichen und Symbolen und Symbolhandlung. Am Gründonnerstag,
am Karfreitag und an vielen anderen Festen finden sich Gottesdienstelemente,
die einen uralten Sinn enthalten. Oder wissen Sie, warum wir
an Fronleichnam gerade vier Segensaltäre haben? Nein?
Das erzähle ich Ihnen dann ein andermal.
Das ist typisch katholisch: Wir schwimmen in Zeichen und
wissen manchmal gar nicht mehr, wofür sie gut sind und
was sie bedeuten. Aber wir spüren etwas von einem tieferen
Sinn; wir ahnen, dass sich hinter allem etwas von einem großen
Geheimnis verbirgt. Sehen tun wir allerdings immer nur das
äußere Zeichen.
Das kann manchmal hinderlich sein. Dann sind wir so sehr
mit den Zeichen beschäftigt, dass wir gar nicht mehr
dazu kommen, darüber nachzudenken, was sie bedeuten.
Ines wird sich zum Beispiel bei Ausgießen des Weihwassers
auf den Schulhof eher gefragt haben, wann es soweit ist; und
weniger, wofür das gut ist. Wofür das gut ist, erzähle
ich Ihnen ein andermal.
Aber auch wenn Zeichen manchmal den Blick versperren können,
gilt doch: Ohne diese Bilder und Figuren, den Zeichen und
Symbolen könnten wir gar nicht vermitteln, was wir glauben.
Dass Jesus auferstanden ist, ist eine Wahrheit. Aber erfahrbar,
lebendig wird sie erst, wenn wir es mit Leib und Seele erfahren.
Jesus ist schon seit mindesten 1968 Jahren auferstanden, und
dass er auferstanden ist, gilt am kommenden Freitag genauso
wie am Samstag vor Weihnachten. Aber erfahrbar wird das erst,
wenn wir uns einen Zeitpunkt setzen. Wir können nicht
das ganze Jahr an den Tod, die Auferstehung, die Geburt und
die Himmelfahrt gleichzeitig denken. Wir brauchen Tage, heilige
Zeiten und Riten, damit wir alles das begreifen.
Wir Menschen sind beschränkt! Wir sind so beschränkt,
dass wir auf Dinge in Zeit und Raum angewiesen sind, um Erfahrungen
zu machen und um uns auszudrücken. Ja, wenn wir nicht
mehr in der Lage sind, einem anderen Menschen unsere Liebe
auszudrücken und sie ihm mitzuteilen (und sei es nur
mit Blicken oder Seufzen), dann stellt sich die Frage, ob
wir uns dann überhaupt noch lieben können. Aber
darüber erzähle ich Ihnen ein anderes Mal mehr.
Was hat das nun alles mit Ostern zu tun? An Ostern, liebe
Schwestern und Brüder, geschieht etwas ganz Seltsames.
Jesus ist Mensch geworden, damit wir ihn erfahren und unsere
Liebe zu ihm ausdrücken können. Er hat sich klein
gemacht und sich mit unserer Beschränktheit begnügt.
Er ist, uns zuliebe, Mensch geworden, weil wir ihm - ohne
seine Anwesenheit in Raum und Zeit - nicht mit Liebe hätten
antworten können. Aber dann, nach seinem tiefsten Punkt,
in der er die ganze Beschränktheit unseres Lebens durchgemacht
hat bis zum Tod am Kreuz, fährt er nicht strahlend und
jauchzend in seiner Göttlichkeit aus seiner irdischen
Hülle und freut sich daran wieder Gott sein zu dürfen.
Nein, er behält seinen Körper. Er behält seine
Beschränktheit. Er behält die Angewiesenheit auf
Zeichen, Zeit und Raum. Können sie das verstehen?
Jesus, Gottes Sohn und dem Vater gleich in Allmacht und Göttlichkeit,
behält unseren irdischen Leib, mit all den vielen Gelenken
und Knochen und Organen. Er behält das menschliche Gesicht,
ja, er behält sogar die Wunden, die ihm zugefügt
sind. Er freut sich darüber, auch weiterhin in Zeichen
und Symbolen anwesend zu sein. Er kann sich zeigen und sich
verbergen. Er kann erscheinen und reden, lächeln und
sagen: "Ich liebe dich".
Jeder Platoniker (das sind die Anhänger der Philosophie
Platons) würde die Hände über den Kopf zusammenschlagen:
Für sie ist der Leib das Grab der Seele. Es gibt nichts
schöneres, als den Tod, wenn die Seele endlich den Leib
verlassen kann und zur vollkommenen Freiheit aufsteigt. Gott
und ein Leib? Lächerlich. Deshalb hat auch Sokrates einen
Hahn opfern lassen, als er starb. Das war das Opfer, das der
Sklave darbrachte, wenn man ihm die Freiheit schenkte. Davon
erzähle ich ein andermal noch mehr.
Aber bei Jesus ist das anders. Er freut sich an unserer Ausdrucksfähigkeit;
er freut sich an seinem Leib - über seinen Tod hinaus.
Nur ein wenig hat sich der Leib verändert: Er ist jetzt
vollkommener Ausdruck der Seele. Er begrenzt die Seele nicht
mehr, sondern dient ihr.
Liebe Schwestern und Brüder: Das ist Ostern, das ist
Auferstehung: Ganz und gar zum Ausdruck der Liebe zu werden.
Unseren Körper nicht um des Körpers willen pflegen,
keine Schönheitskult um der Schönheit willen pflegen,
keinen Jugendkult um der Jugend willen. Auferstehung heißt:
Ab jetzt dient alles der Liebe. Alles ist Ausdruck und Mitteilung,
alles, sogar die Wunden und das Leid, sind Zeichen der Liebe.
Wenn wir das versuchen zu leben, beginnt Ostern heute schon,
bei Ihnen zu Hause oder hier in der Kirche; um 5.00 Uhr morgens
oder um 3.00 Uhr nachmittags. Auferstehung ist möglich.
Amen.
16. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Ein weiteres Mal sind wir den Weg durch die Heilige Woche gegangen und
haben den Höhepunkt erreicht: Es ist Ostern! Vorbei sind die Tage
der Buße, der ernsten Besinnung und des Fastens jetzt braust
die Orgel wieder, Blumen schmücken den Altar und die vielen Lichter
künden vom Ostersieg Jesu über den Tod. Dasselbe tun auch die
Texte des größten Festes, das die Christenheit kennt, vor allem
das Evangelium. Sie sagen alle: Freut euch! Laßt alle Traurigkeit
hinter euch! Denn der Herr liegt nicht mehr tot im Grab, er lebt und stirbt
nie wieder!
So hören wir es jedes Jahr neu. Ja, jeden Sonntag wird es uns verkündet,
denn in jeder Sonntagsmesse feiern wir ja den Tod und die Auferstehung
Jesu. Diese ist das Fundament unseres Glaubens, ohne sie ist unser Glaube
wertlos und die Verkündigung umsonst. So sagt der Apostel Paulus
einmal: Wenn Christus nicht auferweckt worden wäre, dann wäre
euer Glaube nutzlos, und ihr wäret immer noch in euren Sünden.
(1 Kor 15,17)
Es ist offensichtlich, daß das heutige Festgeheimnis wirklich den
innersten Kern unseres Glaubens ausmacht. Und dennoch wird es bei weitem
nicht von allen Christen so eingeschätzt von den zahlreichen
Neuheiden einmal ganz abgesehen, die nicht einmal mehr wissen, was Ostern
eigentlich gefeiert wird. Es ist anscheinend nicht so selbstverständlich,
daß die Osterbotschaft in die Herzen der Menschen dringt, sie dringt
nicht so leicht durch. Ich frage mich schon seit längerer Zeit, warum
das so ist, denn für mich ist das ganz anders. Für mich gibt
es nichts Plausibleres als diese geniale Botschaft, nichts Wunderbareres
und nichts Erhebenderes. Ich kann mir keine Botschaft vorstellen, die
Anlaß zu größerer Freude geben könnte, denn was
ist schlimmer und trostloser als der Tod? Doch darum geht es doch gerade:
daß der Tod entmachtet ist, seinen Stachel verloren hat; daß
Jesus als der Erste von den Toten auferstanden ist, um nun alle, die mit
ihm sterben, zum neuen und ewigen Leben heimzuführen!
Was kann es also sein, das uns den Glauben an die Osterbotschaft so schwer
macht? Ich will ja nicht behaupten, daß Sie, die Sie hier sitzen,
gar nicht an die Auferstehung Jesu glauben. Aber ich weiß, daß
viele Christen nicht selten von Zweifeln geplagt werden und denken: Nach
dem Tod ist vielleicht doch alles aus. Andere wiederum können
keinen Trost und keine Freude aus der Osterbotschaft schöpfen, ihr
Herz bleibt trocken oder sogar kalt.
Verstopfte Ohren, verengte Herzen, blockierte Freude! Es ist, als läge
der Stein immer noch - oder inzwischen wieder - auf dem Grab Jesu, oder
besser auf unserer Seele. Wer nimmt uns diesen Stein vom Herzen? Wie kommt
er da überhaupt hin?
Auch dieser Stein braucht Engelskräfte, um versetzt zu werden! Durch
reine Willensanstrengung können wir unsere seelischen Blockaden nicht
überwinden. Doch wir singen im Osterlied: Ihm kann kein Siegel,
Grab noch Stein, kein Felsen widerstehn; schließt ihn der Unglaub
selber ein, er wird ihn siegreich sehn! Was heißt das? Selbst
der Unglaube, der Jesus in die tote Vergangenheit wegschließen will,
selbst die Trostlosigkeit einer Seele, die sich am Osterglauben nicht
mehr freuen kann, wird durch die Auferstehung Jesu besiegt.
Wie vollzieht sich dieser Sieg? Es ist ein Geheimnis, aber es geschieht
immer wieder. Denn weil Jesus lebt und in jeder Zeit gegenwärtig
ist, weil er eben auch hier und jetzt gegenwärtig und wirksam ist,
darum kann er jeden Felsen, jeden Stein hinwegfegen und jedes Seelengrab
öffnen und mit seinem Osterlicht erhellen. Die Feier der Osterliturgie
ist mehr als ein bloßes Erinnern an das, was damals vor langer
Zeit geschehen ist. Das zu denken heißt schon, sich selbst
ins Grab zu legen, sich vom lebendigen Gott abzuschließen und abzuschirmen
so als ob Gott nicht die Macht hätte, die Trennung von Raum
und Zeit zu überwinden! Aber selbstverständlich hat er diese
Macht! Wie gering denken wir eigentlich von Gott, wie ärmlich und
erbärmlich?! Wir tun so, als ob die 2000 Jahre, die uns von Jesus
von Nazareth trennen, eine mordsgewaltige Bedeutung hätten, und wir
denken so, weil wir unsere eigenen 70 oder 80 Lebensjahre auf dieser Erde
viel zu wichtig nehmen. Aber diese Jahre sind ein Nichts verglichen
mit der Ewigkeit! Wir selbst sind nur dann nicht nichts, wenn wir dem
Ewigen Gott Raum in unserem Leben geben und sobald wir das tun,
bekommt unser Leben Ewigkeitsbedeutung, dann wird es unendlich wichtig
und dann wird auch alles, was wir tun oder unterlassen, unendlich wichtig.
Dann verstehen wir auch, daß der Ostersieg, den Jesus errungen
hat, sich auch an uns und in uns ereignen muß. Und wann?
Wieder und wieder, vor allem aber JETZT! In dieser Stunde ist Jesus gegenwärtig
und klopft wie es in der Geheimen Offenbarung heißt
an die Türe unseres Herzens, fragt uns, ob er den Stein wegrollen
darf. Wer seine Stimme hört und zustimmt, bei dem wird er das Wunder
von Ostern erneut vollbringen, er wird eintreten und mit ihm Mahl halten.
(Offb 3,20)
Ja, wir können den Ostersieg auch in uns selbst erleben und Gottes
lebenspendende Macht erfahren. Dies geschieht vor allem in seinen Sakramenten,
in denen er seine Gegenwart schenkt. Gewiß auch durch die Begegnung
mit Menschen, deren herzerfrischender Glaube unsere Blockaden löst,
und durch unzählige kleine Zeichen, die das Leben transparent machen
für den lebendigen Gott. Freilich gibt es auch Hindernisse für
die Erfahrung der Liebe Gottes, an erster Stelle die falsche Selbstgenügsamkeit,
d.h. der Irrglaube, wir könnten unser Glück finden abseits von
der lebendigen Beziehung zu Gott. Dann schaufelt sich die Seele selbst
das Grab und läßt zu, daß sich Steine über sie legen,
Felsen der Trübsal, Grabplatten der Verzweiflung.
Bitten wir Gott darum, daß er zum diesjährigen Osterfest all
diese Blockaden wieder hinwegfegt! Und versprechen wir ihm, zum Dank ihn
mit erneuertem Glauben und erfrischter Liebe in unseren Alltag einzubeziehen!
17. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Was ist das Leben, was für ein Rätsel ist doch der Mensch?
Was habe ich auf dieser Erde zu schaffen? Selten, aber dann um so heftiger
kann diese Frage aus unserem Inneren herausbrechen, ausgelöst z.B.
durch eine schwere Krankheit oder auch durch den Tod eines lieben Menschen.
So erging es den Zeugen der Kreuzigung Jesu, vor allem Maria, der Mutter
Jesu, Maria von Magdala und dem Apostel Johannes. Maria von Magdala kennen
wir aus anderen Berichten des Evangeliums; sie hat Jesu heilende Liebe
in besonderer Weise erfahren, und darum hat sie ihn so außerordentlich
geliebt. Und darum wollte sie auch so früh zum Grab Jesu, um ihm
nahe zu sein, wenigstens seinem Leichnam. Der Sinn ihres Lebens war zusammengebrochen
was bedeutete ihr Leben noch, wo Jesus, den sie über alles
geliebt hat, tot war?
Maria Magdalena ist sich selbst zum Rätsel geworden. Wie Schreie
brachen die existentiellen Fragen aus ihrer Seele hervor. Woher
komme ich? Warum überhaupt dieses Ich? Warum kein anderer? Wie ist
es möglich, daß es mich gibt? Mich, der ich unverwechselbar
bin? Wer hat mich gemacht? Warum bin ich in diese Welt hineingeworfen?
Warum ist alles vergänglich? Wieso sterben die Menschen, die wir
doch so lieben, ohne die ein Stück unseres eigenen Lebens fehlt?
Es ist heute so schwer, solche Fragen ernsthaft zu stellen, weil wir
es gewohnt sind, alles locker und leicht zu nehmen, gerade auch die Beziehung
zum anderen Menschen, gerade auch die Liebe. Wenn ich alles nur locker
nehme, dann ist alles gleichgültig, es geht mich nichts an. So wird
oft gesagt: Was nach dem Tod kommt, das weiß keiner. Der eine sagt:
Nach dem Tod kommt gar nichts mehr, und der nächste: Die Seele lebt
irgendwie weiter; und andere meinen, sie inkarniert sich in Pflanzen,
Tieren oder sonstwie. Wieder andere sagen, die Seele kommt in den Himmel,
aber was das heißt, weiß ich auch nicht.
Doch diese Frage ist eben keineswegs gleichgültig. Sie muß
gestellt werden, und zwar immer, jetzt, nicht erst, wenn ich alt bin und
vielleicht dem Tod schon näher ins Auge sehe. Ich muß sie schon
als junger Mensch stellen. Als ich 17 Jahre alt war, da war das die wichtigste
Frage meines Lebens, und ich habe gesucht und gesucht, diese Frage zu
beantworten. Das Wichtigste überhaupt war, die Antwort zu finden.
Die Frage muß brennen, sie muß weh tun, sie muß mich
unruhig machen, so wie sie die Menschheit seit Bestehen unruhig gemacht
hat. Wozu dieses Ich, wenn es doch so jämmerlich stirbt?
Alles wird absurd, wenn es auf diese Frage keine Antwort gibt. Was bleibt,
wenn ich dieser Absurdität ins Auge sehe, das ist der blanke Egoismus
wie Paulus schreibt: Wenn Christus nicht auferstanden ist,
dann laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.
Der Egoismus schlägt oft in Grausamkeit um das zeigt uns die
Geschichte über die Jahrhunderte, das erfahren wir beinahe tagtäglich
in den Nachrichten. Wenn man überhaupt nichts mehr für sinnvoll
hält, erst recht seine eigene Existenz nicht, dann kann man auch
auf alles einschlagen.
Wenn der Tod das Leben endgültig beendet, dann bestimmt der Erfolg,
was Wahrheit ist, dann gilt das Recht des Stärkeren, dann gibt es
nur die mitleidlose Ellenbogengesellschaft, deren Härte wir zunehmend
beklagen. Dann leben wir in einer Welt, in der jeder vor dem anderen Angst
haben muß, davor, daß er vielleicht stärker ist als ich
und mich übermächtigt. Dann leben wir in einer Welt des Unfriedens,
des Kriegs und des Terrors, kurz, dann leben wir in einer Kultur des Todes,
wie der Papst schon seit Jahren sagt.
Allein, wer will das denn? Wir wollen doch in einer Zivilisation der
Liebe leben, und darum ist es so wichtig, daß wir auf die Frage
Was kommt nach dem Tod? eine Antwort haben und daß diese
Antwort auch unsere Vernunft beruhigt. Es wird oft gesagt: Es ist
ja noch keiner wiedergekommen wie sollen wir es dann wissen?
Aber gerade das stimmt nicht, denn es ist einer wiedergekommen, und das
feiern wir heute an Ostern. Ein Einziger freilich nur, sonst ist noch
keiner wiedergekommen, aber dieser Jesus von Nazareth, der auf so schmähliche
Weise umgebracht wurde, der drei Tage im Grab lag er ist auferstanden.
Das ist die große Überraschung. Keiner hätte sich das
ausdenken können, dieses Ereignis war unberechenbar. Obwohl Jesus
es ja selbst angekündigt hat, konnte es ihm keiner glauben, denn
es übersteigt schlechterdings die Erfahrung des Menschen. Und doch
ist das Unglaubliche passiert. Der schwere Stein war kein Hindernis, er
war plötzlich weggerollt, wer weiß wie, und der Tote lag nicht
mehr im Grab. Das leere Grab für sich allein ist natürlich kein
voller Beweis. Immerhin - Johannes, der Jünger, den Jesus besonders
liebte, sah das leere Grab und das zusammengebundene Schweißtuch
und glaubte. Und in den folgenden Tagen ereignete sich dann der endgültige
Beweis: Der Auferstandene erschien seinen Jüngern, die um ihn getrauert
haben, und nicht einmal, sondern mehrfach, nicht nur einer Person, sondern
mehreren. Er ließ sich von seinen Freunden wiedererkennen, er zeigte
seine Wundmale. Er ist derselbe, und doch ist er anders, er ist irgendwie
überirdisch, er läßt sich nicht festhalten, er ist plötzlich
weg, und dann taucht er wieder auf. Eben das, was wir Verklärung
nennen, ist an ihm geschehen. Er ist schon nicht mehr in dieser Welt,
er erscheint nur noch, um uns zu zeigen, daß das, wovon er gesprochen
hat, wahr ist, daß er beim Vater in der ewigen Wohnung ist, die
er auch für uns bereitet hat.
Es kann keine Halluzination gewesen sein, weil es so viele waren und
weil es an so vielen Orten geschehen ist, und weil es nicht vorausgewußt
werden konnte, ja nicht einmal für möglich gehalten wurde. Etwa
die traurigen Emmausjünger, die glauben, daß alles aus ist,
sie sehen ihn plötzlich wieder. Unerwartet, unglaublich, wunderbar.
Es ist auch keine erdachte Geschichte oder Lüge, denn sonst wären
die Zeugen sicher nicht bei ihrem Wort geblieben, wurden sie doch bedrängt
zu widerrufen, unter Druck gesetzt, mit Haft, ja mit dem Tod bedroht.
Sie hielten Stand, und sie sind alle für dieses Zeugnis in den Tod
gegangen, ausnahmslos. Am erstaunlichsten war die Bekehrung des Paulus,
der die Christen gehaßt und verfolgt hat, doch plötzlich seine
Leben änderte, weil ihm Jesus erschienen war.
Und so, wie Paulus sein Leben geändert hat, weil das Osterereignis
ihm als wahr aufgeschienen ist, müssen auch wir unser Leben in diesem
neuen Licht sehen und es ändern. Alles ist neu und anders geworden
durch die Auferstehung Jesu!
Unser Leben bekommt eine neue Tiefe und neuen Ernst. Das Gebot der Liebe,
von dem Christus immer wieder spricht, gewinnt Kontur. Lieben heißt:
sein Leben hingeben für die anderen, den Egoismus überwinden,
in das Opfer Christi eintreten und von ihm ewiges Leben empfangen. Aufbruch
und Befreiung ist das Motto, das wir über die österliche
Zeit gestellt haben. Es mahnt uns, unser eigenes Leben mit neuem Ernst
anzusehen und zu bewerten, es nicht zu locker und zu leicht zu nehmen.
Denn das, was wir nach dem Tod erwarten, ist nur die Besiegelung dessen,
was wir hier in diesem Leben tun. Die Liebe macht unseren Blick rein,
während der Egoismus ihn trübt und alles in verzerrtem Licht
darstellt. Die Liebe fördert die Gemeinschaft, und der Egoismus führt
uns in die Einsamkeit, und die letzte Einsamkeit ist eben dann erreicht,
wenn ich keine Gemeinschaft mit anderen mehr habe. Dann ist die Hölle
erreicht: dort sehe ich nur noch mich selbst und freue mich,
daß ich nun meinen Willen ganz alleine durchsetzen kann. Aber es
gibt dann keinen anderen mehr, mit dem ich diese zweifelhafte Freude teilen
kann. Ganz das Gegenteil die Liebe: Klarheit und Strahlen, sie verbündet
sich mit allen Menschen, wenn sie an ihr Ziel gekommen ist, und kennt
keine Konkurrenz und keine Angst vor dem Anderen.
Durch die Auferstehung Jesu sind wir befreit aus der Sklaverei der Sünde,
aus dem Gefängnis unserer Angst. Jesus hat uns herausgeholt aus unserer
Selbstsucht. Wir sind frei, für die Liebe zu leben und in ihr zu
wachsen, und wir sind frei, wieder zurückzugehen in das egoistische
Leben, wenn wir wollen. Durch Jesus Christus haben wir die Kraft, aus
der Macht des Bösen zu entkommen und als freie Menschen zu leben.
Es lohnt sich, gegen die Neigung des Bösen zu kämpfen, sie ist
kein Schicksal. Wir können am heutigen Osterfest den Sieg Christi
über das Böse feiern und den ewigen Lohn für unsere dankbare
Liebe erwarten.
Fürbitten zum Osterfest
Auferstandener Christus, Du Licht unser Tage und unseres
Lebens, zu Dir kommen wir, um Dir unsere Dunkelheiten, Sorgen
und Nöte anzuvertrauen. Voll Vertrauen bitten wir Dich:
-
Viele Menschen leben in der Dunkelheit des Glaubens,
sie suchen nach Sinn und finden keine Antwort. Leuchte
Du ihnen auf, erhelle sie mit der Freude des Glaubens
an Dich.
-
Viele Menschen leben in der Dunkelheit ihrer eigenen
Sorgen, Schwächen und Ängsten. Leuchte Du ihnen
auf, erhelle sie mit der Liebe zum Leben.
-
Viele Menschen leben in der Dunkelheit des Krieges, der
Hungersnöte und der Gewalt. Leuchte Du ihnen auf,
erhelle sie mit Deinem Frieden und Deiner Hoffnung.
-
Viele Menschen leben in der Dunkelheit von Krankheit,
Einsamkeit und Trauer. Leuchte Du ihnen auf, erhelle sie
mit dem Licht Deiner Nähe.
-
Viele Menschen leben in der Dunkelheit von Haß,
Selbstsucht und Neid. Leuchte Du ihnen auf, erhelle die
mit dem Licht Deiner Liebe und Deiner Freude.
-
Viele Menschen leben mitten unter uns in der Dunkelheit
des Vergessens. Leuchte Du ihnen in aufmerksamen Mitmenschen
auf, erhelle sie mit dem Glanz liebender Menschen.
Herr Jesus Christus, Du erfüllst alle Menschen mit dem
Licht dieser Nacht. Lass uns selbst zum Licht Deiner Liebe
werden und allen Menschen, die uns nahe sind, strahlende Zeugen
Deiner Auferstehung sein. Darum bitten wir Dich, Christus,
unseren Herrn. Amen.