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Predigtvorschläge - Palmsonntag
1. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

Gentleman der alten Schule - der ganz alten Schule - tun es gelegentlich noch: Sie helfen einer Dame über die schlammige und unangenehme Stellen auf der Straße, indem sie ihre Kleider ausbreiten. Sie geben - wenn auch nicht buchstäblich - ihr letztes Hemd. Sie geben das, was sie selbst zum Leben brauchen - nicht, um der Dame das Leben zu retten, sondern nur, um es ihr angenehmer zu machen; sie vor Unannehmlichkeiten zu bewahren.

«Sie legten ihre Kleider auf den Weg...»; «Sie legten ihre Kleider auf den Esel...» - Die Jünger geben ihr letztes Hemd für den Herrn. So zeigen sie ihre Liebe, ihre Zuneigung - denn sie verzichten auf wesentliches, nur damit es der Herr ein wenig angenehmer hat.

Ein Liebesbeweis, ein Zeichen der Zuneigung und der Aufopferung, das nicht lange anhält. Wir wissen, was wenige Tage später geschieht: Sie stehen fassungslos vor der Verhaftung und Kreuzigung des Herrn. Und unter dem Kreuz sind nur noch wenige der Apostel - und viele der Jünger, so können wir zurecht annehmen, haben mit das "kreuzige Ihn" geschrien - oder sind zumindest stumm geblieben.

Wahre Liebe und Zuneigung findet ihre schönsten Momente in den Momenten des Glücks. Aber die tiefste Liebe, die ehrlichsten Augenblicke sind die Augenblicke im Leid. Wenn wir noch im Dunkel zu unserer Liebe stehen; wenn wir bereit sind, auch dann noch Opfer zu bringen, wenn wir unmittelbar davon keine Glücksgefühle haben - wenn wir bereit sind, auch angesichts der Ausweglosigkeit noch unsere Liebe zu zeigen - dann ist Liebe nicht nur ein Ausdruck eines Gefühls, sondern eine Entscheidung, die sich bewährt.

Liebe Schwestern und Brüder, jedes Leid in einer Beziehung ist eine Krise. Eine Krise (das Wort ist griechisch und heißt "Entscheidung") ist allerdings noch nicht schlimm - ganz im Gegenteil. Denn dann müssen wir uns neu entscheiden - und eine neue Entscheidung heißt neue Liebe und neuen Glauben.

Das Leid ist wie eine Last, ein Gewicht: Entweder zerbricht die Beziehung - oder sie wird tiefer, gräbt ihre Wurzeln fester und reift.

Der Jubel von Palmsonntag ist nicht falsch oder unehrlich. Er ist kein Hohn, sondern aufrichtige Liebe; Begeisterung. Brechen wir nicht den Stab über diese Menschen - wir sind genauso.

Aber wir alle brauchen auch das gemeinsam getragene Leid; Gott weiß das, auch wenn wir nicht davon begeistert sind. Brechen wir auch nicht den Stab über Gott, wenn er uns leiden lässt - er hat seinen eigenen Sohn nicht geschont; er hat in seinem eigenen Sohn das Leid selbst erfahren. Brechen wir nicht den Stab über Gott und werfen wir ihm vor, er hätte uns vor allem Leid bewahren müssen.

Er ist bei uns und lässt nur das zu, was unsere Liebe tiefer werden lässt. Entscheiden wir uns neu; immer wieder, jeden Tag. Vertrauen wir darauf, dass aus dem Palmsonntagsjubel der Osterjubel werden kann.

Amen.

2. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

Vor ein paar Tagen stand eine Meldung in der Zeitung, bei der ich mich regelrecht geehrt fühlt: Es wurde über die Mozart-Oper "Cosi van tutte" geschrieben - wohlgemerkt: van mit "v" - wie in meinem Namen ("van Briel").

Dabei steht das van nicht für einen Names-Zusatz, sondern "Cosi fan tutte" ist italienisch (und wird natürlich mit "f" geschrieben) und heißt: So machen es alle.

"So machen es alle" - ein Satz, der nicht nur zu Mozarts Zeiten als eine Entschuldigung gebraucht wurde. Auch wir denken und rechtfertigen uns immer wieder damit, dass es doch alle anderen auch so machen. Bereits Kinder und Jugendliche argumentieren gerne so: "Alle anderen dürfen das aber auch!"

Vermutlich haben die Jubler von Palmsonntag auch so gedacht: "Da wird gejubelt? Da mach ich mit!" - Genauso wie am Krafreitag: Mitbrüllen mit der Masse. "Kreuzigt Ihn! Das wollen alle - also auch ich!"

Sogar Petrus ist ins Wanken gekommen. Als alle Jesus verleugneten, hat er mit geleugnet. Wenn auch ein "kreuige Ihn" nicht über seine Lippen gekommen ist - er hat sich nicht getraut, entgegen der Massenstimmung bei der Wahrheit zu bleiben.

"Lügen? Jeder lügt doch."

"Jeden Sonntag zur Kirche? Tut doch keiner mehr?"

"Abtreibung? Machen doch alle."

"Bis zur Ehe warten? Wer macht das heute schon noch?"

Liebe Schwestern und Brüder, es ist gefährlich, die Masse zum Maßstab zu machen. Vor allem dann, wenn wir damit unsere Sünden rechtfertigen wollen. Es ist allerdings genauso gefährlich, nur deshalb bei der Masse nicht mitzumachen, weil man kein Mitläufer sein will. Es ist auch nicht gut, das zu tun, was alle tun - auch wenn es gut ist. Nicht nur Jugendliche sind oft aus Prinzip schon anderer Meinung als die Eltern - und ordnen gleichzeitig ihre Meinung unter, wenn es um die Clique geht.

Besser ist es, ein überzeugter Mensch zu sein. Bereit zu sein, zur Wahrheit zu stehen. Jesus sagt vor Pilatus: "Ich bin gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen". Zeugnis: Das heißt auf griechisch "martyrium" - und schließt das Missverstandenwerden, das Leidenmüssen und das Belächeltwerden ein.

Die Wahrheit, für die wir Zeugnis ablegen, ist aber nicht theoretisch, sondern ganz konkret: Wir sind hier, weil wir Gott lieben - und Gott uns liebt. Das ist die Wahrheit, und für die solten wir uns niemals schämen.

Amen.

3. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

Noch heute bereitet uns der schnelle Stimmungsumschwung Nachdenken. Gerade noch heiß umjubelt, mit Palmzweigen, Hosianna und Prozession gefeiert, und nur vier Tage später von der Menge ans Kreuz geschlagen.

Wie oft betonen wir, dass unsere Zeit eine äußerst schnelllebige ist. Heute noch ein Star, morgen vergessen. Heute umjubelter Politiker, morgen ein Ausgestoßener. Heute Everybody's Darling, morgen der Sündenbock. Offensichtlich, so zeigt uns das Evangelium vom Palmsonntag, liegt das aber nicht nur an der Zeit. Offensichtlich war das schon zu Jesu Zeiten nicht anders. Offensichtlich scheint das ein Grundzug des Menschen zu sein. Mit den Wölfen heulen, mit dem Strom schwimmen, nur nicht auffallen, den Ball flach halten. Wer kein Rückgrat hat, kann sich auch nichts brechen.

Wir wissen, dass Jesus all diesen Menschen verziehen hat. Sogar dem Petrus, dessen Liebesbeteuerungen und Verleugnung vielleicht den größten Gegensatz bilden. Aber nur, weil Gott dies alles erträgt und eben nicht nachträgt, sollten wir uns trotzdem davor hüten, immer wieder in die gleiche Falle zu tappen.

Jugendliche neigen dazu, sich in einer Clique zu verstecken. Was alle tun, dafür brauch ich mich nicht zu rechtfertigen, genauso wenig für das, was die anderen ebenso unterlassen wir ich. Wie sich die Haltung in einer Clique herausbildet, ist ein höchst komplizierter Prozess; da spielt das jeweilige Gewissen, der persönliche Mut genauso eine Rolle wie die Bequemlichkeit und die Feigheit.

Erschreckend ist allerdings, wie wenig sich die Menschen ändern, wenn sie Erwachsen werden. Da gibt es andere Cliquen, die Arbeitskollegen, die Familie, der Ehepartner oder die Freundinnen. Was bleibt, ist das Gemisch aus persönlichem Gewissen, Mut, Bequemlichkeit und Feigheit.

Vielleicht stört sie das harte Wort «Feigheit». Damit ist nichts anderes gemeint als mangelnder Mut: mangelnder Mut, sich unbeliebt zu machen, belächelt zu werden, als nervend zu gelten, als Sonderling oder als frömmelnd, als rückständig oder als Betbruder, als Moralapostel oder als penetrant.

Ich lade sie herzlich ein, Ihren ganzen Mut zusammenzunehmen. Sie brauchen ihn.
Ich lade sie herzlich ein, gemeinsam mit ihrer Familie, ihren Freunden und ihrer Clique, heute Abend, zur Beichte. Den Mutigen gehört das Himmelreich.

Klar, typisch, das mit der Beichte musste ja kommen. Merkt der denn nicht, das der sich damit unbeliebt macht?

Genau.

Amen.

4. Predigtvorschlag

Palmen sind Ehrenzeichen für einen Sieger. Die Kaiser und großen Feldherren, die von ihren Kriegszügen nach Rom zurückkamen, zogen mit Palmen geschmückt in die Stadt ein - und mit ihnen die lange Kette derer, die sie sich unterworfen hatten. - In diesem Sinne passen zu Jesus keine Palmen. Der Evangelist Markus spricht auch nicht von Palmen, sondern von Grasbüscheln, die die Leute auf den Feldern abgeschnitten hatten und nun vor Jesus auf den Weg streuten.

Zu Jesus paßt auch kein Pferd. Das Pferd ist ein Statussymbol. Es steht für Macht und Reichtum. Jesus kommt nicht auf einem Pferd; er kommt auf einem Esel.

Viele Menschen fahren in diesem Heiligen Jahr nach Rom, zu den Stätten der frühchristlichen Märtyrer, zu den Basiliken und Plätzen, zu den Überresten vergangener Reiche. Dort, in Rom, entdeckte man vor ungefähr hundert Jahren eine eigenartige Kritzelei auf einer Wand. Diese Wand gehörte zu einem Raum, in dem sich die Leibwache des römischen Kaisers aufhielt. Diese Kritzelei zeigt einen Mann mit einem Eselskopf, der am Kreuz hängt. Davor kniet ein Soldat und betet den Mann am Kreuz an. Darunter steht: "Alexamenos betet seinen Gott an." - Was damit gesagt werden soll, ist klar. Dieser Alexamenos war wohl ein Mitglied der jungen Christengemeinde. Das wurde seinen Mitsoldaten bekannt, und sie machten sich darüber lustig: Was soll das denn für ein Gott sein, der sich von den Menschen ans Kreuz schlagen läßt! Das kann doch nur ein Esel sein! - Und einer, der vor einem solchen Gott auf die Knie fällt, kann ebenfalls nur ein Esel sein!

Der Esel, der heute, am Palmsonntag, dazugehört, er kann uns helfen, zu verstehen, was Jesus mit seinem Einzug in die Stadt Jerusalem bewirken will. Dieser Einzug war kein Triumphzug. Viele von den Menschen, die da "Hosanna!" gerufen haben, werden den Wunsch gehabt haben, nun bald ein neues Wunder zu sehen. In Betanien, einem Vorort von Jerusalem, hatte Jesus seinen Freund Lazarus auferweckt. Davon hatte man gehört. - Wir können uns auch vorstellen, dass viele nur aus Neugierde dabei waren und dass manche auch in der Menge waren, die von Haß und Neid erfüllt waren. - Nein, dieser Einzug war kein Triumphzug. Das zeigt uns schon der Esel. Von ihm sagt Jesus ganz einfach: "Der Herr braucht ihn" (Mk 11,3). Der Herr braucht einen Esel, ein Tier, das unser Volksmund ein dummes Tier nennt. Jesus wählt einen solchen Esel aus, weil der Esel für Armut steht, für Demut, für Arbeit und Getretenwerden. Der Esel ist das Lasttier der kleinen Leute. Die Großen sitzen auf einem hohen Roß; Jesus setzt sich auf einen Esel. Er zieht in Jerusalem ein, um sich treten zu lassen, um die letzte Erniedrigung zu erfahren. Aber gerade hierin liegt das Geheimnis unserer Erlösung.

5. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

Vom Jubelgesang zur traurigen Stille, vom «Hosianna» zum «Kreuzige ihn» - die Heilige Woche, die mit dem heutigen Palmsonntag beginnt, ist ein Wechselbad der Gefühle. Jubel - Angst - Trauer - Osterjubel. Wie im richtigen Leben.

Unser eigenes Leben ist doch auch ständig hin- und hergerissen zwischen Tod - Geburt - Freude - Leid - Feierlichkeiten und Trauer. Wo ist da der rote Faden, wo ist da der Sinn?

Liebe Schwestern und Brüder, die Ereignisse, die uns hin- und herreißen, bringen uns nur dann aus dem Gleichgewicht, wenn wir keinen Stand haben. Wenn wir uns selbst nicht treu bleiben können, weil wir nicht wissen, wer wir sind.

Jesus konnte durch alle Höhen und Tiefen gehen, weil er wusste, wer er war: Nicht der König, der allen Prunk und Reichtum dieser Welt versammelt, nicht der selbstherrliche Richter, der Judas vernichtet, bevor er ihn verraten konnte, nicht der verurteilte Verbrecher, der ans Kreuz gehängt wurde und auch nicht der vernichtete Tote, der ins Grab des Vergessen gelegt wurde.

Alles dieses war er nicht.

Er war in allem Geschehen immer der Gleiche: Der geliebte Sohn des himmlischen Vaters. Darin blieb er sich treu.

Wenn auch in ihrem Leben die Mächte des Schicksals wüten: Nichts kann Sie von der Liebe Gottes trennen. Sie sind und bleiben die geliebten Kinder des Vaters. Darin können Sie sich immer treu bleiben. Amen.

6. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder, der Gegensatz zwischen dem Himmelhoch-Jauchzen auf Palmsonntag und dem "Kreuzige ihn!" auf Karfreitag findet sich nicht nur im Evangelium, sondern auch in unserem Leben wieder. Wie oft stürzen wir von einem Hochgefühl in ein tiefes Loch: Gerade noch frisch verliebt und dann plötzlich im Stich gelassen; gerade noch voller Freude bei der Taufe eines neuen Erdenbürgers und dann wenig später bei der Beerdigung; gerade noch zufrieden über das Erreichte, und dann, ohne Vorwarnung, stehen wir mit leeren Händen da.
Liebe Schwestern und Brüder!

Vom Jubelgesang zur traurigen Stille, vom «Hosianna» zum «Kreuzige ihn» - die Heilige Woche, die mit dem heutigen Palmsonntag beginnt, ist ein Wechselbad der Gefühle. Jubel - Angst - Trauer - Osterjubel. Wie im richtigen Leben.

Unser eigenes Leben ist doch auch ständig hin- und hergerissen zwischen Tod - Geburt - Freude - Leid - Feierlichkeiten und Trauer. Wo ist da der rote Faden, wo ist da der Sinn?

Liebe Schwestern und Brüder, die Ereignisse, die uns hin- und herreißen, bringen uns nur dann aus dem Gleichgewicht, wenn wir keinen Stand haben. Wenn wir uns selbst nicht treu bleiben können, weil wir nicht wissen, wer wir sind.

Jesus konnte durch alle Höhen und Tiefen gehen, weil er wusste, wer er war: Nicht der König, der allen Prunk und Reichtum dieser Welt versammelt, nicht der selbstherrliche Richter, der Judas vernichtet, bevor er ihn verraten konnte, nicht der verurteilte Verbrecher, der ans Kreuz gehängt wurde und auch nicht der vernichtete Tote, der ins Grab des Vergessen gelegt wurde.

Alles dieses war er nicht.

Er war in allem Geschehen immer der Gleiche: Der geliebte Sohn des himmlischen Vaters. Darin blieb er sich treu.

Wenn auch in ihrem Leben die Mächte des Schicksals wüten: Nichts kann Sie von der Liebe Gottes trennen. Sie sind und bleiben die geliebten Kinder des Vaters. Darin können Sie sich immer treu bleiben. Amen.

Menschen, die solch ein Wechselbad der Gefühle ausgesetzt sind, verlieren manchmal den Halt, den Boden unter den Füssen. Und manche verlieren vielleicht sogar noch mehr: Den Glauben an das Gute; die Freude am Leben; die Hoffnung darauf, dass alles wieder gut wird. Wie soll man sich noch über etwas freuen, wenn jede Freude immer nur von so kurzer Dauer ist? Jedes Leben gefährdet? Jeder Erfolg nur vorübergehend?

Es tut dann gut, sich zu erheben. Mein Leben in Ruhe zu betrachten, Abstand gewinnen. Sich aus den Zwängen der nächsten Notwendigkeit zu befreien und sich eine Auszeit zu nehmen. Dann bekommen wir vielleicht wieder die größeren Zusammenhänge in den Blick.

Wer den Jubel am Palmsonntag mit dem Verflucht! des Karfreitags sieht, kann den Glauben an die Güte Gottes und an die Menschheit verlieren. Aber wenn wir den größeren Rahmen sehen, bekommen wir auch den Ostersonntag mit in den Blick: Es gibt eine Auferstehung. Jesus bleibt nicht dort, wohin ihn die Menschen verbannen wollten.

Und auch die Menschenmenge löst sich auf: Es schälen sich Freunde Jesu heraus, die erkennen, was sie getan haben. Es gibt immer mehr von denen, die sich zu dem bekennen, den sie verscharren wollten.

Auch wir müssen erst noch geschält werden; geschrubbt und gereinigt durch ein Wechselbad der Gefühle. Es muss in uns noch viel Porzellan zerschlagen werden, bevor wir den Blick frei bekommen auf das ganz große Geheimnis:

Das Jesus immer, zu jeder Stunde, der König unseres Lebens ist. Dass er mitleidet, uns mitnimmt auf seinen Weg, der von Palmsonntag nur über den Karfreitag nach Ostern führt.

Amen.

7. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

Das ist so typisch menschlich: In der Masse ist es ein leichtes, dem König der Juden zuzujubeln. Da machen ja alle mit, da fall ich nicht auf und muss auch nicht mit irgendwelchen Konsequenzen rechnen. Und außerdem: Jubeln kostet ja nichts - Verfolgung allerdings tut weh.
Deswegen waren die Jubler auch schnell von den Straßen verschwunden, als das Blatt sich gewendet hat. Ihr König gefangen, die Apostel verstreut: Tja, das war's dann wohl. Keiner ging auf die Straße, kein Geschrei erhob sich vor den Häusern der Pharisäer oder dem Hohen Rat der Juden. Denn das hätte gefährlich werden können. Da kann man schnell seinen Kopf verlieren.

Liebe Schwestern und Brüder, die Menschen haben sich bis heute nicht geändert:

Wir alle wissen, dass wir auf Kosten der dritten Welt leben und dass es nicht mehr lange so weiter geht. Das sagen alle, da kann ich dann ja ruhig zustimmen. Aber wehe, es geht mir an mein eigenes Gehalt! Dann werde ich zum Wolf, das lasse ich mir nicht bieten.
Wir alle wissen, dass unser Staat über seine Verhältnisse lebt. Einschneidende Reformen müssen her. Das sagen alle, da kann ich dann ja ruhig zustimmen. Aber wehe, es geht um meine eigenen Steuervorteile!
Wir alle wissen, dass keiner von uns perfekt ist; wir kennen unsere eignen Fehler genauso wie die Fehler der anderen. Klar bin ich kein Heiliger: Das sagen alle, da kann ich dann ja ruhig zustimmen. Aber wehe, wenn es ans Beichten geht! Dann bin ich plötzlich ein guter Mensch und habe nichts schlimmes getan.

Liebe Schwestern und Brüder, «wasch mich - aber mach mich nicht nass!» könnte die Überschrift über Palmsonntag sein:
Einen König? Gerne! Aber nur, wenn es mich nichts kostet.
Gerechtigkeit? Gerne! Aber nur, wenn ich nicht weniger habe als jetzt.
Sozialstaat? Gerne! Aber nur, wenn die anderen zahlen.
Erlösung? Gerne! Aber doch bitte ohne Pflichten.

Liebe Schwestern und Brüder: Werfen sie nur einen etwas längeren Blick auf Jesus, der hier vorne als Gekreuzigter dargestellt ist. Er hat es sich etwas kosten lassen, damit WIR mit Gott versöhnt werden. Es hat ihn sein Leben gekostet. Schauen sie ruhig hin.
Und WIR? Was sind wir bereit zu geben?

Amen.

8. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

Ein bedeutender Maler hat auf einem Krippenbild zwar einen Ochsen gemalt, aber einfach den Esel weggelassen. Den hat er nicht etwa vergessen. Vielmehr war er der Meinung, dass alle, die das Bild anschauen, an der Stelle des Esels stehen sollten, sozusagen den Esel vertreten.

Das mag für andere eine Beleidigung sein. Für uns Christen ist aber - zumindest seit Palmsonntag - der Esel ein Vorbild. Denn Jesus hat sich ganz bewusst kein Pferd herausgesucht, um in Jerusalem einzuziehen. Sondern eben den Esel.

Jesus ist ein König, ja. Aber ein anderer als die Menschen es sich manchmal vorstellen. Er ist ein König der Liebe, der dienen will. Liebe aber ist immer ganz unten. Liebe kann Karriere machen; es ist aber immer eine Karriere nach unten. Dazu gibt es für Christen keine Alternative. Liebe besteht eben nicht darin, dass wir oben sind und uns bedienen lassen. Und gerade deshalb nimmt diese Liebe die Gestalt eines Esels an: Ein Esel, der ein Lasttier ist für andere.
Wer grundsätzlich Dienst verweigert, kann den Namen Christi nicht für sich in Anspruch nehmen. Und darum wird Jesus selbst so, wie der Esel, auf dem er sitzt: Er trägt uns - und wenige Tage nach dem Jubel vom Palmsonntag ist er selbst ganz unten. Am Boden zerstört. Weil er uns liebt.

Darin liegt die Größe des Königs Jesus: Dass er sich so klein macht, dass sein Rücken noch unter die Lasten der Leute passt - unter unsere Last. Liebe Schwestern und Brüder, nichts und niemand kann so tief gesunken sein, dass er nicht doch noch vom tragenden Rücken des Herrn aufgefangen wird.

Vielleicht denken sie jetzt, dass es unpassend ist, Jesus mit einem Esel zu vergleichen. Das allererste Kreuz-Bild aber, dass uns überliefert ist, ist eine Wandkritzelei, mit der ein römischer Soldat seinen christlichen Kameraden verspotten wollte. Diese Darstellung zeigt einen Esel, der am Kreuz hängt. Davor kniet ein Mann, und darunter steht das Wort: «Alexamenos betet seinen Gott an!»

Liebe Schwestern und Brüder, das passiert uns heute doch auch noch. Jedem Christen - sogar dem Papst - und der Kirche insgesamt: Dass unser Glaube als Eselei, als Dummheit dargestellt wird.

Der Jünger steht nicht über dem Meister, sagte Jesus. Und wenn er selbst in seinem liebevollen Dienst an uns das Bild eines Esel nimmt - dann dürfen wir uns nicht davor fürchten, ebenfalls ausgelacht zu werden, weil wir dienen und lieben.

Amen.

Fürbitten

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