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Hintergrundinformationen zu aktuellen Debatten

Wir wollen uns einer allgemeinen Medienschelte nicht anschließen - die vorhandenen Informationsquellen in unserer modernen Zeit sind überwiegend gut und vertrauenswürdig. In kirchlichen Debatten aber gehen wichtige Informationen oft unter oder werden - nach der heißen Phase eines "Shitstorms" - nicht mehr publiziert. Deshalb folgen wir den Bitten zahlreicher Besucher unserer Seite und versuchen hier, zu wichtigen Hintergrundinformationen zu verlinken und/oder zu zitieren.

Da nicht immer gesichert ist, dass die Quellen dauerhaft zugänglich bleiben, erlauben wir uns, die Informationen auf diese Seie zu übernehmen. Wir wollen dabei kein Copyright verletzen und bitten evtl. Rechteinhaber um eine Rückmeldung, wenn die Übernahme der Texte nicht gewünscht ist.

zur Frage der Diakonenweihe von Frauen durch Papst Franziskus (neu 12.05.2016)

zur Frage der »Freigabe der künstlichen Empfängnisverhütung« durch Papst Franziskus (neu 20.02.2016)

zur Berichterstattung über den amtsenthobenen Nutntius Weselowski (neu 24.08.2014)

Die aktuelle Debatte um Bischof Tebartz-van Elst und die Finanzierung der Kirche (neu 2.11.2013) - 3 Artikel aus der FAZ, der WELT und dem SPIEGEL

Verschiedene Themen: Pressekonferenz mit Papst Franziksus nach dem WJT in Rio (neu 31.7.2013)

Zur Frage von Therapieangeboten für Homosexuelle (neu 12.6.2013)

Zur Frage von Therapieangeboten für Homosexuelle (neu 16.5.2013)

Zu den Vorwürfen bzgl. der Vergangenheit von Papst Franziskus

Zur Frage der Entschädigung im Skandal um sexuellen Missbrauch

Zur Debatte um die Ablehnung der Untersuchung eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer in zwei Kölner Krankenhäusern

Zur Debatte um die Erlaubtheit der "Pille danach"

Zur Debatte um die Beendigung der Zusammenarbeit mit dem KPN (Dr. Pfeiffer) zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche

Zu den Äußerungen von Papst Franziskus über die Weihe von Frauen zu Diakonen

aus: http://www.catholicherald.co.uk - vom 12.05.2016:

In zahlreichen Medien wird zur Zeit behauptet, Papst Franziskus plane, die Diakonenweihe für Frauen einzuführen und setze deshalb demnächst eine Kommission zur Klärung dieser Frage ein. Der "Catholic Herald" dokumentiert dagegen, was Papst Franziskus tatsächlich gesagt hat:

Pope Francis said the question was 'obscure' and required study

Pope Francis has said that the historical role of female deacons needs to be studied, and that he will ask the Congregation of the Doctrine for the Faith (CDF) whether such research has been carried out. At a meeting with heads of women’s religious orders from around the world, the Pope was asked whether he would create an official commission to study whether women could be ordained as deacons. Female deacons are mentioned in the New Testament, by several Church fathers, and in the documents of the Council of Nicea, but it is debated whether this role was similar to that of present-day permanent deacons – who officiate at baptisms and weddings, and sometimes preach at Mass.

Francis told the meeting of the International Union of Superiors General (UISG) that, on his understanding, the women described as deacons in the New Testament were not ordained in the manner of today’s permanent deacons; rather, they helped when women received full-immersion baptism, or with anointing.

However, the Pope said, the question is “obscure” and needs more study. He told the meeting: “I will ask the [Congregation for the] Doctrine of the Faith to tell me if there are studies on this.”

He also said: “It seems useful to me to have a commission that would clarify this well.”

In 2001, the International Theological Commission, which advises the CDF, issued a document which concluded that female deacons in history were not equivalent to permanent deacons. “The deaconesses mentioned in the tradition of the ancient Church – as evidenced by the rite of institution and the functions they exercised – were not purely and simply equivalent to the deacons.” The commission added that the diaconate was separate from the priesthood. “The unity of the sacrament of Holy Orders, in the clear distinction between the ministries of the bishop and the priests on the one hand and the diaconal ministry on the other, is strongly underlined by ecclesial tradition, especially in the teaching of the Magisterium.”

The current prefect of the CDF, Cardinal Gerhard Müller, took part in the 2001 commission. He said afterwards that women could not be ordained as deacons for the same reason they could not be ordained priests. “It would be a real discrimination against women if they were considered as apt for the diaconate, but not for the priesthood or episcopacy,” the cardinal said.

Pope Francis told the meeting that women could not preach at Mass because the priest is serving “in persona Christi” and should therefore give the homily.

He said the Congregation for Divine Worship and the Sacraments would send the International Union of Superiors General a full explanation of why women could not give a homily at Mass.
Quelle: http://www.catholiherald.co.uk


Zum gleichen Thema (den Äußerungen von Papst Franziskus über die Weihe von Frauen zu Diakonen):

aus: http://www.domradio.de - vom 13.05.2016:

Papst gegen Weihe von Frauen

Franziskus drosselt Erwartungen

Ungeachtet seiner Initiative zur Prüfung des Frauendiakonats lehnt Papst Franziskus Weiheämter für Frauen in der Kirche ab. Frauen könnten auch als Laien und Ordensmitglieder stärker an Entscheidungsprozessen beteiligt werden, sagte er.

Vor dem Hintergrund von Spekulationen über eine baldige Einführung des weiblichen Diakonats veröffentlichte der Vatikan Äußerungen des Kirchenoberhaupts vom Vortag vor Ordensoberinnen.

Kirchenhistorische Untersuchungskommission

Demnach kündigte der Papst die Einsetzung einer kirchenhistorischen Untersuchungskommission an. Diese solle klären, welche Aufgaben Diakoninnen in den ersten christlichen Jahrhunderten übernahmen. "Es wird der Kirche gut tun, diesen Punkt zu klären." Schon heute nähmen Frauen in der katholischen Kirche Diakonendienste wahr. Ordensfrauen zufolge, die sich nach der Audienz im Sender Radio Vatikan äußerten, soll die Kommission auch ausloten, inwiefern Frauen zum Diakonenamt zugelassen werden könnten.

Keine Predigt bei Eucharistiefeiern

Frauen könnten jedoch keinesfalls die Predigt bei Eucharistiefeiern halten, da dies Priestern "in persona Christi" vorbehalten sei, bekräftigte der Papst. Diese Position hatte Franziskus bereits früher vertreten; Frauen müssten in der Kirche "aufgewertet, nicht klerikalisiert werden", sagte er 2013. Das Diakonenamt in der katholischen Kirche gilt als unterste von drei Weihestufen, vor dem Priester- und dem Bischofsamt. Diakone dürfen in der katholischen Kirche etwa über die Nottaufe hinaus das Taufsakrament spenden und predigen, nicht aber die Messe feiern oder Beichte hören. Es gibt daneben seit 1968 auch sogenannte Ständige Diakone, die verheiratet sein und einen Zivilberuf ausüben dürfen.

Bei der Begegnung mit Ordensoberinnen aus aller Welt beklagte er am Donnerstag erneut mangelnde Beteiligung von Laien in Pfarreien und Diözesen. Bis zu 60 Prozent der Pfarreien und etwas weniger Diözesen weltweit verfügten nicht über das im Kirchenrecht vorgesehene Laiengremium. Priester und Bischöfe müssten jedoch der Gemeinschaft dienen. Sie seien keinesfalls "Chef einer Firma", so der Papst.

Engagement von Laien in der Kirche dürfe nicht mit Weiheämtern belohnt werden, meinte der Papst. Die Weihe von Männern zu ständigen Diakonen etwa bremse positive Entwicklungen, sagte er unter Hinweis auf Erfahrungen in Argentinien.

Vatikansprecher dämpft Erwartungen

Vatikansprecher Federico Lombardi hat am Freitag unterdessen vor zu hohen Erwartungen beim Thema Frauendiakonat gewarnt. "Wir müssen ehrlich sein: Der Papst hat nicht gesagt, er habe die Absicht, eine Diakonenweihe für die Frauen einzuführen, erst recht nicht hat er von einer Priesterweihe für Frauen gesprochen. Im Gegenteil, als er über die Predigt bei der Messe gesprochen hat, hat er klar gemacht, dass er daran keinesfalls denkt", sagte Lombardi im Gespräch mit Radio Vatikan.
(epd)

 

Zu den Äußerungen von Papst Franziskus über die Abtreibung und Verhütung im Zusammenhang mit dem Zika-Virus in Brasilien

aus: www.http://de.catholicnewsagency.com - CNA deutsch - vom 19.02.2016:

VATIKANSTADT , 19 February, 2016 / 10:43 AM (CNA Deutsch).-

Auch wenn verschiedene Medien berichten, Papst Franziskus habe angesichts des Zika-Virus die Verwendung von Verhütungsmitteln erlaubt, so hilft ein gründlicher Blick auf seine Aussagen, was er auf der fliegenden Pressekonferenz im Flugzeug vom Mexiko nach Rom gesagt hat.

"Abtreibung ist ein Verbrechen, ein absolutes Übel"

Der Heilige Vater nahm Bezug auf das Thema des Zika-Virus und den aktuellen Gesundheitsnotstand. Er hob hervor, dass "die Abtreibung kein geringeres Übel ist: sie ist ein Verbrechen. Es bedeutet einen rauszuwerfen, um einen anderen zu retten. Es ist das, was die Mafia macht. Es ist ein Verbrechen, es ist ein absolutes Übel." Franziskus erinnerte im Flieger dann daran, dass vor einigen Jahren "Paul VI., der Große, in einer schwierigen Situation in Afrika den Ordensschwestern erlaubt hat, Verhütungsmittel anzuwenden, falls sie vergewaltigt werden" und dass "eine Schwangerschaft zu vermeiden kein absolutes Übel ist. In bestimmten Fällen, wie in diesem von Paul VI., den ich genannt habe, war das klar."
Diesbezüglich hat der Direktor des Pressebüros des Heiligen Stuhles, Pater Federico Lombardi, zu ACI Stampa — der italienischen Ausgabe von CNA — gesagt, dass "der Papst entschieden zwischen der Abtreibung, einem Verbrechen, und der Verhütung unterschieden hat. Dadurch, dass er an das Beispiel von Paul VI. erinnerte, hat er unterstrichen, dass in besonders schwerwiegenden Fällen eine — selbstverständlich nicht abtreibende — Anwendung in Betracht gezogen werden kann."
Zum diesem Thema sagte Frau Dr. Melissa Moschella, Professorin für Philosophie an der Catholic University of America (Vereinigte Staaten), dass der Papst, als er sich auf die Vermeidung einer Schwangerschaft im Fall von Zika bezog, nicht notwendigerweise die Verhütungsmittel eingeschlossen hat, sondern durchaus die natürliche Regulierung der Fruchtbarkeit gemeint haben könnte.
Normalerweise lehrt die Kirche für den Fall, dass ein Ehepaar einen schwerwiegende Grund hat, eine Schwangerschaft zu vermeiden, dass sie dies durch die natürliche Regulierung der Fruchtbarkeit tun kann: Dabei geht es um die Identifizierung der fruchtbaren Zeiträume und der Enthaltung von sexuellen Beziehungen an diesen Tagen.
Moschella sagte weiterhin, dass für den afrikanischen Fall, auf den der Papst Bezug nahm, die Dispens für die Ordensschwestern "nicht wirklich eine Ausnahme war, wenn man die Regel versteht".

Warum Nonnen im Kongo in den 1960ern Verhütungsmittel nahmen

Der betreffende Fall bezieht sich auf die frühen 1960er-Jahre, als der Vatikan eine Dispens für einige Ordensschwestern in Belgisch-Kongo gewährte, so dass sie orale Verhütungsmittel nehmen konnten, da sie angesichts der damals herrschenden Gewalt in Gefahr waren, vergewaltigt zu werden.
"Im Fall einer Vergewaltigung, hat sich die Person, die sie erleidet — aus moralischer Sicht — nicht in eine sexuelle Beziehung verwickelt, da der Missbrauch eine Schändung des Körpers der Frau ohne deren freien Willen ist und ohne Akzeptanz ihrerseits." Professorin Moschella weiter: "In diesem Sinn ist der Same, der als Ergebnis der Vergewaltigung eingeführt wurde, ein fremdes Eindringen in den Körper der Frau, das nicht akzeptiert oder freiwillig erlaubt wurde. Es ist somit ein gewaltsames Eindringen."

Katholisches Verständnis von Sexualität

Um diesen Unterschied zu verstehen, muss man zuerst die Absicht der menschlichen Sexualität verstehen und warum die Kirche sich gegen Verhütung ausspricht, fügte sie hinzu. "Sex bedeutet aus katholischer Sicht, dass sich eine Person ganz der anderen schenkt in einer Art Beziehung, die sich im Kinder haben und bekommen realisiert" erläutert sie. "Und so widerspricht man auf gewisse Weise dem, was man mit dem Körper macht, wenn man absichtlich die Fruchtbarkeit verhindert. Es ist als würde man nicken, um ´ja´ zu sagen, während der Kopf ´nein´ denkt. Das Ergebnis ist, dass Kontrazeption unmoralisch ist, weil sie die Natürlichkeit der Sexualität selbst verletzt, da man sexuelle Beziehungen hat ohne die natürliche Möglichkeit der Schwangerschaft.“ Aber diese Situation, legt Moschella dar, sei nicht gegeben bei einer Vergewaltigung. Im Fall der Vergewaltigung gebe es schließlich keinen freiwilligen Sex von Seiten der Frau.

Verhütung als Selbstverteidigung

Aus diesem Grund würde man die Verhütung nicht als unmoralisches kontrazeptives Mittel ansehen, das versucht, im Sex den Aspekt der Vereinigung vom Aspekt der Zeugung zu trennen, sondern als Teil eines Aktes der Selbstverteidigung, durch den die Frau versucht, sich der Situation zu erwehren. Das erkläre auch, so die Professorin, warum einige Handlungen - wie die Verwendung von Spermiziden oder der Versuch, den Einsprung zu verzögern, wenn er noch nicht stattgefunden hat - akzeptabel sein können, auch in Fällen von Vergewaltigung, vorausgesetzt sie beinhalten nicht das Risiko, einen bereits entstandenen menschlichen Embryo zu töten. All das "ist sehr unterschiedlich" von der Situation des Zika-Virus, betonte sie.

"Im Fall des Zika-Virus sprechen wir von Frauen, die freiwillig sexuelle Beziehungen eingegangen sind und dann Kontrazeptiva benutzen, um zu vermeiden, dass diese sexuellen Beziehungen fruchtbar seien. Und das widerspricht der Bedeutung des sexuellen Aktes und beinhaltet einen Mangel an Integrität, der für die Person und die Beziehung schädlich ist", endet die Expertin der Catholic University.

Quelle: www.de.catholicnewsagency.com


 

Zur Berichterstattung über den amtsenthobenen Nuntius Weselowski

aus: www.kathnwes.de - Autor: Felizitas Küble - vom 24.08.2014:

Tageszeitung „Die Welt" betreibt unseriöse Stimmungsmache gegen den Vatikan

Am gestrigen Samstag, den 23. August, veröffentlichte die Tageszeitung „Die Welt" online einen Artikel über Mißbrauchstaten des polnischstämmigen Ex-Vatikandiplomaten und Ex-Erzbischofs Weselowski. Im Laufe des Berichts erfährt man zwar, daß der mutmaßliche Kinderschänder vom Vatikan als Botschafter in der Dominikanischen Republik amtenthoben und darüber hinaus aus dem Priesterstand entlassen wurde, doch im Titel der Zeitung ist durchaus nicht vom „Ex-Erzbischof" oder „ehemaligen" Erzbischof die Rede, wie dies logisch und korrekt wäre.

Noch schlimmer: Es heißt schon in der Einleitung, Weselowski „laufe frei in Rom herum, vom Vatikan geschützt". Ebenso tendenziös und schlichtweg falsch ist der Schlußsatz des reißerischen Artikels: „Dass der Vatikan jetzt einen mutmaßlichen Täter in einem der dramatischsten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche schützt, wird für etliche Gläubige mehr als ernüchternd sein." Für das angebliche „freie Herumlaufen" beruft sich die Verfasserin Constanze Reuscher auf eine einzige und noch dazu anonym bleibende, angebliche Zeugenaussage. Daß der Mißbrauchstäter „vom Vatikan geschützt" werde, weil er nicht der Justiz der Dominikanische Republik überstellt wird, stellt eine billige und dümmliche Stimmungsmache gegen die katholische Kirche dar, denn der Ex-Vatikan-Diplomat ist nun einmal Bürger des Vatikanstaates – und daher entspricht es dem üblichen und international gängigen Recht, daß er in seinem Heimatstaat verurteilt wird, nicht in seinem Gastland.

Dazu kommt, daß das Urteil der Glaubenskongregation gegen den Ex-Erzbischof noch nicht rechtskräftig ist, weil die Einspruchsfrist des Beschuldigten noch nicht abgelaufen ist – und es entspricht den üblichen rechtlichen Standards, einen Angeklagten erst zu verhaften, wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Die Einhaltung rechtsstaatlicher Kriterien wird folglich in diesem streckenweise unseriösen Artikel als Hebel für haltlose und unfaire Seitenhiebe gegen den Vatikan verwendet. Es wird unterschlagen, daß der Vatikan sich als Staat in dieser Causa rechtskonform verhält und keineswegs einen Mißbrauchstäter „schützt"; vielmehr ihn bereits vorweg kirchenrechtlich bestraft (amtsenthoben, suspendiert, laiisiert) und zudem durch die Glaubenskongregation verurteilt hat.

Textquelle: Christliches Forum

Quelle: www.kathnwes.de


 

Zur Debatte um Bischof Tebartz-van Elst - und den Reichtum der Kirche

aus: www.faz.net - Autor: Georg Meck - vom 26.10.2013:

Beschimpft die Kirche nicht! Christen entlasten den Sozialstaat. Und das ist gut so.

Eine freistehende Badewanne als Symbol hat gereicht, um die Limburg-Debatte überschwappen zu lassen zu einem Angriff gegen die Kirchen und deren angeblichen Reichtum: Verschwendung, wohin das Auge blickt!, so der Tenor der Empörten. Und der Bürger, der wehrlose Tropf, zahlt mal wieder die Zeche. Dabei ist die Gegenwehr einfach: Wer nichts mit der Kirche zu tun haben will, dem steht es frei auszutreten (und sonntags auszuschlafen). Das tun mehr Menschen, Katholiken wie Protestanten, als den Pfarrern lieb ist, auch wenn sich die wenigsten Abtrünnigen zu den monetären Motiven für diesen Schritt bekennen. Jedenfalls haben diese Leute dann ihre Ruhe von der Kirchensteuer. „Ja, ja, aber auch Nichtmitglieder zahlen trotzdem für die Kirche“, melden sich nun die einschlägigen „Kirchenkritiker“ (diese Tätigkeit übrigens war selten einträglicher als in diesen Tagen). Auf verschlungenen Wegen schustere der Staat den Kirchen das Geld der Steuerzahler zu, lautet der Vorwurf.

Gewiss: Der Staat zieht die Kirchensteuer ein, dadurch sparen die Kirchen Geld. Aber würden die Finanzämter sonst überflüssig? Oder zumindest um die insinuierten Milliarden billiger, wenn die Kirchen eine parallele Organisation aufziehen? Kaum. Eher handelt es sich hier um einen echten Synergieeffekt. Da die Empörung umso höher schlägt, je höher sich das kirchliche Vermögen auftürmt, wird addiert, was sich addieren lässt. Und so zählt zum vermeintlichen Reichtum alles, was im Laufe eines Jahres die Kirchenkassen erreicht. Wie viel davon wieder abfließt – egal, die Ausgaben werden erst mal unterschlagen: Umsatz gleich Gewinn. Hauptsache, die Zahlen haben viele Nullen. Mit bloßem Auge zu erkennen ist die Absicht, wenn als größter Posten der Staatsgelder die Kindertageseinrichtungen ausgewiesen werden. Die Milliarden, die an die Kirchen dafür fließen, sind erstens kein Geschenk, sondern Entgelt für eine erbrachte Leistung, die Kinderbetreuung nämlich, und landen – zweitens – nicht auf dem Festgeldkonto und schon gar nicht in den Kirchenkellern bei den anderen Schätzen, sondern finanzieren das Gehalt von Erziehern. Reich werden die auch nicht, das nur nebenbei bemerkt.

Kirche hat sich Wettbewerb zu stellen
Richtig ist: Der Staat bezuschusst die Kinderbetreuung, und zwar nicht zu knapp. Für Kinder von Christen wie Nichtchristen übrigens. In den Genuss kommen kirchliche Träger wie kommerzielle Einrichtungen. So oder ähnlich verhält es mit Pflegebedürftigen, Alten, Kranken. Auch dort sind die Kirchen, wie viele andere, engagiert. Weitgehend religionsfrei sind Tierheime, Sportplätze, Freibäder. Der Steuerzahler ist auch hier mit dabei. Sind Katzen, Fußballtrainer, Bademeister deswegen reich?

Zu klären wäre also: Welche Leistungen des Sozialstaates sind sinnvoll, welche unsinnig, überflüssig, überteuert? Da fiele einem einiges an Streichmasse ein. Von den Aufgaben, die bleiben, ist zu entscheiden: Wer soll die Arbeit erledigen? Der Staat, private Anbieter oder die Kirche? Im Zweifel doch, wer es am besten und effizientesten kann. Diesem Wettbewerb hat sich die Kirche zu stellen. Ein Beispiel: In einer Kleinstadt im Frankfurter Umland fehlen Krippenplätze für Kleinkinder. Die Eltern murren, der Bürgermeister muss handeln. Die Kirchengemeinde stellt den Baugrund, die Stadt finanziert Steine und Mörtel. Für die laufenden Kosten müssen die Eltern herhalten. Die Kirche wird Träger der Einrichtung, kümmert sich um Einstellung des Personals sowie unangenehme organisatorische Fragen. Zum Betriebsausflug fährt der Pfarrer mit, die Kinder singen Adventslieder. Weitere Übergriffe christlicher Agitatoren sind nicht bekannt, die Klientel des Kindergartens ist bunt gemischt, von Nationalität wie Religion. Was daran ist also verwerflich? Der Grund, warum Kämmerer und Bürgermeister solche Modelle lieben, hat weniger mit weltanschaulichen Präferenzen zu tun als mit der Tatsache, dass sie sich so Geld und Ärger sparen. Wer profitiert, ist der Steuerzahler (und hoffentlich die gut versorgten Kinder).

Nun lässt sich nicht bestreiten, dass die Kirchen, katholische wie evangelische, zu einem erheblichen wirtschaftlichen Faktor im Land geworden sind. Caritas und Diakonie beschäftigen zusammen eine Million hauptamtlicher Mitarbeiter und nochmal doppelt so viele ehrenamtliche; die werden am wenigsten reich. Wie alle Organisationen dieser Größe arbeiten die Kirchen nicht immer effizient, vermutlich dulden sie sogar mehr Schlendrian als anderswo: Eine christliche Kirche als Arbeitgeber tut sich schwerer, „underperformer“ auszusortieren als ein Dax-Konzern oder eine Investmentbank. Dilettanten oder Versager ließen sich in den kirchlichen Sozialkonzernen wahrscheinlich finden, darum aber geht es in der Wutwelle nicht: Die Kirche soll sich zurückziehen in ihren heiligen Winkel, das ist die bittere Botschaft. Katholiken-Bashing sei weniger gefährlich als Islamkritik, beschwert sich ein Leser der Sonntagszeitung: „Es macht nachdenklich, dass die Einführung von islamischem Religionsunterricht in einigen Bundesländern als besonderer Erfolg gerühmt wird, während man gleichzeitig den christlichen Religionsunterricht in Frage stellt.“

Georg Meck ist evangelisch und Mitglied im Kirchenvorstand.

Quelle: www.faz.net


aus: www.welt.de - Autor: Tim Röhn - vom 26.10.2013:

Limburger Skandal löst Selbstfindungsprozess aus

Das Domkapitel will den Eindruck vermitteln, ganz Limburg wolle Tebartz-van Elst loswerden. Die Realität ist das nicht. Die Hintergründe der Affäre zeigen, dass es nicht nur um hohe Baukosten geht.

Einen Vorwurf darf man den Menschen, die so gerne Richter spielen wollen, unter keinen Umständen machen: Dass sie nicht alles versuchen würden, den Mann loszuwerden. Sie trommeln selbst jetzt noch laut für seinen Rücktritt, da der Vatikan bereits eine Zwangspause für den Bischof verkündet hat. Das Domkapitel, das höchste Gremium im Bistum Limburg, lud am Mittwoch zur Pressekonferenz, um zu sagen, dass man nichts zu sagen habe. Drei Dutzend Journalisten erfuhren, dass das Domkapitel nicht im Vorfeld über die Entscheidung von Papst Franziskus informiert worden war und dass es die Hintergründe nicht kenne. Die honorigen Herren konnten angesichts der zahlreich erschienenen Journalisten aber die Gelegenheit nutzen, den Druck auf Tebartz-van Elst aufrechtzuerhalten.

Domdekan Günther Geis sagte das, was er schon einer Bistumszeitung verraten hatte: dass das Vertrauen in den Bischof zerstört sei, dass man keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit sehe. Helmut Wanka, Personaldezernent, erzählte, was man im Bistum mit Pfarrern anstelle, die in ähnlichen Lagen wie Tebartz-van Elst stecken: Man versetze sie in eine andere Pfarrei. Das, sagte Wanka, könne auch im vorliegenden Fall eine "Perspektive" sein.

Die Inszenierung wirkte wie ein verzweifelter Versuch, klare Signale nach Rom zu senden. Dabei wurde schon mit der Entscheidung an sich und dadurch, dass die Herren nicht im Vorfeld informiert worden waren, klar: Das, was sich ein paar Amtsträger im Bistum Limburg wünschen, interessiert den Heiligen Vater herzlich wenig. Die katholische Kirche ist kein Wunschkonzert.

Ein flexibles Verständnis zur Wahrheit

Franz-Peter Tebartz-van Elst hat große Fehler gemacht, daran gibt es keinen Zweifel. Er soll eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben haben. Er hat seinem Bistum lange Zeit nicht die Wahrheit über die wahren Kosten für den Bau des Diözesanen Zentrums gesagt, wie der Mann überhaupt ein flexibles Verhältnis zur Wahrheit zu haben scheint. Trotzdem tragen die Versuche, Tebartz mit aller Gewalt aus dem Amt zu jagen, mitunter obskure Züge.

Viele Geistliche sind der Meinung, dass die harsche Kritik im Zusammenhang mit dem Bau nur Mittel zum Zweck ist, um den Mann abzusägen. Dass die Kostenexplosion zwar schlimm sei, aber dass das kein Grund sei, eine Vernichtungskampagne zu führen. Robin Baier ist Kaplan im Pastoralen Raum Nentershausen im Westerwald. Bis August war der 32-Jährige zwei Jahre in der Limburger Dompfarrei tätig. Er sagt: "Es gibt auch sehr viele positive Dinge über Bischof Tebartz zu sagen. Aber das tun die Leute, die ihm schaden wollen, natürlich nicht."

Und weiter: "Die Leute, die ihm bei den Bistumswallfahrten oder den Visitationen begegnen, erleben ihn überaus positiv. Er hat für jeden ein offenes Ohr und nimmt sich immer Zeit für ein Gespräch." Und er versuche, mit dem Bistum einen Weg der "geistlichen Erneuerung" zu gehen, damit "die ganze Schönheit des katholischen Glaubens eröffnet wird."

Er sei dem Bischof dankbar für klare Entscheidungen. In diesem Amt müsse man die Diözese leiten: "Dazu gehört, sich alle Meinungen anzuhören und am Ende das zu tun, was man als richtig erkannt hat – auch wenn diese Entscheidungen unpopulär sind." Baier wünscht sich eine Rückkehr des Bischofs: "Die Aussage, ganz Limburg sei für seinen Rücktritt, spiegelt die Realität in keiner Weise wieder." Die "Welt" sprach auch mit anderen Geistlichen, die ähnliches erzählten. Am Ende des Gesprächs sagten sie, dass sie lieber nicht namentlich genannt werden möchten.

Unter seinem Vorgänger ging es harmonisch zu

Bevor Tebartz-van Elst 2008 seinen Dienst antrat, ging es zwischen der Kirche und den Gläubigen im Bistum sehr harmonisch zu. 25 Jahre lang war Franz Kamphaus Bischof von Limburg. Dank ihm und seinem Vorgänger Wilhelm Kempf war die Bedeutung der synodalen Gremien im Bistum enorm gewachsen. Kamphaus pflegte eine Kultur des gemeinsamen Entscheidens. Als er den Vorschlag, Laien die Leitung von mehreren Gemeinden zu übertragen, umsetzte, stieg sein Beliebtheitsgrad weiter. Dass solche Maßnahmen kirchenrechtlich extrem umstritten sind, interessierte nur am Rande.

Hinter den Kulissen gab es aber auch Kleriker, die die Vorgänge im Bistum Limburg argwöhnisch beobachteten. Ein Insider sagte der "Welt": "Nicht umsonst gehörte Tebartz-van Elst zu den drei Namen, die der Papst dem Domkapitel als Kandidaten für die Kamphaus-Nachfolge nannte. Der Vatikan wollte, dass da künftig jemand mit einem katholischen Verständnis arbeitet und seine Positionen vertritt. Dass endlich wieder jemand führt."

Und so spürten Kleriker wie Laien im Limburger Bistum nach dem Amtsantritt von Tebartz-van Elst ziemlich schnell, dass auf dem Domberg nun ein anderer Wind weht. Den Vorstoß, dass Laien eine Gemeinde leiten, machte der Bischof umgehend rückgängig. In einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" erklärte er, es gehöre nun einmal zu seinem Amt, "dass er, um ein altes biblisches Bild aufzugreifen, als Hirte der Herde vorangeht."

Schon in der Frühphase Dekan abberufen

Schon in der Frühphase seines Wirkens hatte Tebartz-van Elst einen Dekan abberufen, weil dieser ein homosexuelles Paar nach dessen standesamtlicher Trauung gesegnet hatte. An diese aus säkularer Sicht skandalöse Entscheidung erinnern jene Männer und Frauen, die den Mann als gnadenlos und autoritär darzustellen. Solche Geschichten würden ja mal überhaupt nicht zum neuen Papst passen, sagte jüngst eine Gläubige bei einer Protestkundgebung gegen Tebartz-van Elst auf dem Limburger Domplatz.

Dabei wurde jüngst ein australischer Priester in der Kirche exkommuniziert, der sich für die Öffnung des Sakraments der Ehe für Homosexuelle und für Frauen als Priesterinnen eingesetzt hatte. Die Order zum Rauswurf soll direkt aus dem Vatikan gekommen sein.

Und so geht es bei der Affäre um das Limburger Bauprojekt nicht nur um die Fragen, wie autoritär ein Bischof sein soll und wie viel Geld er für den Bau seiner Residenz ausgeben darf. Auch gilt es, grundsätzlich zu klären, wie kirchentreu ein Bischof anno 2013 sein kann, um vom Volk akzeptiert zu werden. Oder noch konkreter: Wie muss die katholische Kirche im Jahr 2013 sein, um die Gläubigen zu erreichen? Es ist auch ein Selbstfindungsprozess, den ein 31 Millionen Euro teurer Bau ausgelöst hat.

Ein Fiasko für die Amtsträger im Bistum

Die Entscheidung des Papstes, (noch) nicht den Stab über Tebartz-van Elst zu brechen, ist für einige Amtsträger im Bistum ein Fiasko. Dass die Mitglieder des Domkapitels am nachdringlichsten den Rücktritt von Tebartz-van Elst fordern, dürfte kein Zufall sein. Wollen die Herren von der eigenen Schuld an der Affäre ablenken?

Domdekan Geis sagte am Mittwoch, das Domkapitel habe den Bischof nicht zwingen können, es in Entscheidungsprozesse einzubeziehen; kirchenrechtlich sei das nicht möglich. Klar ist aber: Öffentlich protestiert hat auch niemand. Und nicht der Bischof war es, der den Bau genehmigte, sondern das Domkapitel. Während der Sedisvakanz – dem Zeitraum zwischen dem Rücktritt Kamphaus' und dem Antritt Tebartz-van Elsts – fällte das Gremium diese Entscheidung. Es war ein Verstoß gegen das Kirchenrecht, nur ein Bischof kann solche Beschlüsse fassen. Tebartz-van Elst begehrte nicht dagegen auf, aber er nahm dem Domkapitel die Kontrollfunktion über das Vermögen und die Finanzgeschäfte des Bischöflichen Stuhls.

Die "Schlüsselfigur" bei dem Bauprojekt

Ein Vermögensverwaltungsrat wurde gegründet. Dessen drei Mitglieder bestimmte Generalvikar Franz Kaspar. Das Trio war es, das den Bischof öffentlich vorführte, ehe sich herausstellte, dass es dabei gelogen hatte. Kaspar saß bis zuletzt zwischen allen Stühlen: Er war bis Mittwoch Generalvikar und damit der engste Vertraute Tebartz-van Elsts, hatte aber gleichzeitig einen Sitz im Domkapitel, das den Abgang des Bischofs will. Mit beiden Seiten arbeitete er zusammen. Der Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller hält Kaspar für die "Schlüsselfigur" bei dem Bauprojekt. Ohne ihn wäre diese Affäre nicht möglich gewesen, sagte er.

Kaspar war es auch, der durchsetzte, dass mehrere Zeitungen, die kritisch über die Kosten für den Bau berichteten, vom Bischöflichen Ordinariat gekündigt wurden. Außerdem befahl er der Pressestelle, Anfragen der "FAZ" "ins Leere" laufen zu lassen. Man würde über seine Rolle beim Bauprojekt gerne mit Kaspar selbst sprechen, aber der Mann reagiert nicht auf Gesprächsanfragen der "Welt". Mit der vorzeitigen Berufung von Wolfgang Rösch wurde die Ära Kaspar am Mittwoch abrupt beendet.

Tebartz-van Elst wartet derweil weiter auf den Bericht der Prüfungskommission der Deutschen Bischofskonferenz. Wie der Bischof die Sachlage mittlerweile einschätzt – ob er von der eigenen Unschuld überzeugt ist oder Fehler erkennt – ist unklar. Selbst für den Fall, dass er Reue zeigt, dürfte es einigen Limburgern schwer fallen, dem Mann die Hand zu reichen.

Quelle: www.welt.de


aus: www.spiegel.de - Autor: Jakob Augstein - vom 14.10.2013:

S.P.O.N. - Im Zweifel links: Von Limburg nach Lampedusa

Der Bischof von Limburg hat sich in Teufels Küche gebracht. Der wahre Skandal ist aber nicht das Bauwerk, sondern die Selbstzufriedenheit der deutschen Katholiken. Franziskus, der erste Papst der Globalisierung, wird sie daran erinnern.

An der Lahn hat der Bischof nen Fimmel
Für Pracht, Prunk und teures Gebimmel
Sein schickes Gemäuer
Wurd' dann ziemlich teuer
Jetzt stinkt er wie Käs' hoch zum Himmel

Pardon. In Limburg und anderswo ist den Katholiken vermutlich nicht nach Scherzen zumute. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich durch seine Bau-Eskapaden in Teufels Küche gebracht. Er hat dem Ruf seines Bistums geschadet, dem Ansehen seiner Kirche in Deutschland, überhaupt dem Ansehen der katholischen Kirche. In der Tat: Ein Bischof sollte mit der Wahrheit sorgsam umgehen und mit dem Geld anderer Leute auch. Vor allem aber wirkt der Luxus von Limburg wie aus der Zeit gefallen, wenn in Rom der erste Papst der Globalisierung den Katholizismus neu erfindet. Und zwar als Kirche der Armen.

Dennoch sollten die Gerechten und die Selbstgerechten ein paar Sachen bedenken, wenn sie in diesen Tagen über den Bischof von Limburg herfallen:
Erstens, wenn der Bischof stürzt, dann nicht, weil er mit dem Geld so freigiebig war, sondern mit der Wahrheit so geizig.
Zweitens, die Limburger werden ihm eines Tages dankbar sein, denn nach allem, was man sieht, ist diese bischöfliche Residenz ein ungewöhnliches Beispiel gelungener Architektur.
Und drittens, die römisch-katholische Kirche wird auch diese Affäre überleben. Ja, für Papst Franziskus und seine Predigt von Fürsorge und Demut kann sie gar zum Fanal werden.
Mitleid. Wenn man das sonderbar greisenhafte Gesicht des Bischofs Tebartz-van Elst sieht, kommt einem das als Erstes in den Sinn. Offenbar ist hier einer überfordert und hat sich und die anderen überfordert. "Alle Kreatur braucht Hilf' von allen", hat Brecht geschrieben. Aber das wird jetzt schwer. Wer kann diesem Bischof noch helfen? Seine Adventskranzhängevorrichtung kostet 100.000 Euro.

Andererseits, was ist der Preis der Exaltation? Nein, es sind nicht die Kosten, die dem Bischof auf die Füße fallen, sondern die Lügen: "Wir sind durch den Bischof in Limburg hinters Licht geführt worden", haben die drei Mitglieder des Vermögensverwaltungsrats gesagt. Da bestätigt sich wieder eine bekannte Lehre aus der Politik, die auch ins Priesterseminar gehört: Selten stürzt einer über den Fehler, aber oft über den Umgang damit.

"Eines der besten deutschen Neubauvorhaben seiner Art"

Die Kosten mögen zu hoch sein. Aber sie sind gut investiert. "Das Diözesane Zentrum ist exzellente Baukunst, eines der besten deutschen Neubauvorhaben seiner Art aus den letzten Jahren", hat Rainer Haubrich in der "Welt" geschrieben und das glaubt man mit Blick auf die Bilder sofort. Ein "Protz-Bischof", wie er auf dem Boulevard beschimpft wird, ist dieser Tebartz-van Elst gerade nicht, sondern ganz im Gegenteil ein geschmackvoller Mann, dem man allerdings ein solches Bauvorhaben nicht anvertrauen sollte. Aber für solche Differenzierung ist nur wenig Raum im Strudel all der Empörung.

Das Keifen der Menge ist übrigens in der Architektur des öffentlichen Raumes kein guter Maßstab. "Wird die Stadt Paris sich wirklich den (...) geschäftstüchtigen Phantastereien einer Maschinenkonstruktion anschließen, um sich für immer zu schänden und zu entehren?", hieß es seinerzeit in einem Manifest gegen den Eiffelturm. Und man sollte auch daran erinnern, dass demokratische Legitimierung und saubere Rechnungslegung gerade bei den großen kirchlichen Bau- und Kunstwerken historisch eher die Ausnahme waren.

Der Mann, dem wir den Neubau des Petersdoms verdanken, hieß im wahren Leben Giuliano della Rovere, war nicht nur Feldherr und Vater von drei Töchtern, sondern auch Papst, Beiname: "der Schreckliche". Ohne ihn gäbe es Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle nicht. Aber wie wollte man das heute bei Günther Jauch erklären?

Hinter dem Streit über das Bauwerk lauert jedoch ein anderer, viel ältererer Konflikt. Hier geht es nicht nur um Mittel und Verantwortlichkeit - sondern um Mitleid und Verantwortung. Welche Rolle spielen die deutschen Bischöfe und die katholische Kirche in Deutschland in der Debatte um die soziale Gerechtigkeit? Deutschland ist ein reiches Land. Aber die katholische Kirche darf keine Kirche der Reichen sein. Das Problem von Limburg beschäftigt die Kirche buchstäblich seit rund tausend Jahren, seit vom Kloster in Cîteaux die erste mächtige Bewegung zur Erneuerung der Kirche ausging: der Konflikt zwischen der Sehnsucht nach dem Einfachen und der Lust an der Repräsentation.
Es ist kein Zufall, sondern geradezu historische Notwendigkeit, dass mit Jorge Mario Bergoglio gleichzeitig in Rom ein neuer Papst eingezogen ist, der sich auf den Heiligen Franziskus von Assisi beruft und dessen erste Reise im Amt ihn nach Lampedusa führte, an den Ort des europäischen Versagens, zu den Schiffbrüchigen einer grausamen Globalisierung. Denn von Limburg nach Lampedusa ist der Weg heute immer noch so weit, wie er es in der Zeit des Heiligen Franziskus von den Hütten in die Paläste war.

Der Argentinier Bergoglio weiß das, und man darf hoffen, dass er den gefallenen Bischof aus Deutschland und seine Glaubensbrüder daran erinnern wird.

Quelle: www.spiegel.de - Autor: Jakob Augstein - vom 14.10.2013:

Zu verschiedenen Themen: Homosexualität, Kurienreform, Wiederverheiratete Geschiedene...

aus: www.kath.net - Autor: Armin Schwibach

Die mysteriöse Ledertasche

Ach ja: die Ledertasche: „Ich bin ins Flugzeug mit meiner Tasche gestiegen, weil ich das immer so mache. Was da drin war? Der Rasierapparat, das Brevier, der Terminkalender und ein Buch zum Lesen: ich habe die heilige kleine Therese mitgenommen, der ich sehr ergeben bin. Es ist normal, sich seine Tasche zu tragen, wir müssen uns helfen, normal zu sein, und ich bin ein wenig überrascht, dass das Bild der Tasche durch die Welt gegangen ist. Wie dem auch sei: es war nicht der Koffer mit den Codes für die Atombombe“.

Die Homolobby im Vatikan

„Viel wird von der Homolobby geschrieben. Mir ist bisher im Vatikan noch keiner begegnet, auf dessen Personalausweis ‚homosexuell’ steht. Man muss zwischen Homosexualität, diese Tendenz zu haben, und einem Lobbyismus unterscheiden. Die Lobbys, alle Lobbys, sind nicht gut. Wenn ein Mensch homosexuell ist und guten Willens den Herrn sucht, wer bin ich da, dass ich diesen verurteile? Der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt, dass die homosexuellen Menschen nicht diskriminiert werden dürfen, sondern aufgenommen werden müssen. Das Problem ist nicht, diese Tendenz zu haben, das Problem ist, Lobbyismus zu betreiben, und das gilt für diese wie für Lobbys in der Wirtschaft, in der Politik und der Freimaurer.“

Warum „Bischof von Rom“ nicht „primus inter pares“ heißt: der Primat des Papstes

Oft wurde beredet, dass sich Franziskus lieber als „Bischof von Rom“ und nicht als „Papst“ bezeichnet. Einige meinen darin ein Signal für die „Aufweichung“, „Desakralisierung“ und Aufgabe des Jurisdiktionsprimats des Papstes zu erkennen, der zu einem „primus inter pares“ werde. Diesbezüglich stellte Franziskus klar: der Primat des Papstes steht nicht in Frage.

„Man darf nicht über die Worte hinaus lesen. Der Papst ist Bischof, er ist Bischof von Rom, und von dort geht alles aus. Das ist der erste Titel, dann kommen die anderen. Doch zu denken, dass dies besagen wolle, dass der Nachfolger Petri ein ‚primus inter pares’ sei, bedeutet, darüber hinauszugehen. Die Betonung des ersten Titels, des Titels ‚Bischof von Rom’, kann für die Ökumene förderlich sein.“

Die Arbeit des Bischofs und Papstes

„Die Arbeit des Bischofs ist etwas Schönes. Das Problem stellt sich ein, wenn einer diese Arbeit sucht, das ist nicht so schön. Es besteht immer die Gefahr, sich für den anderen gegenüber überlegen zu halten, sich ein wenig für einen Fürsten zu halten. Doch die Arbeit des Bischofs ist schön: er muss vor den Gläubigen stehen, inmitten der Gläubigen und hinter den Gläubigen. Als ich Erzbischof von Buenos Aires war, war ich glücklich. Da war ich so glücklich. Und als Papst? Auch. Wenn der Herr dich da hin stellt, wenn du annimmst, das zu tun, was der Herr von dir fordert, bist du glücklich.“

Franziskus und das IOR: es muss sich was ändern

„Alles, was ich tun musste, stammte aus den Kardinalskongregationen vor dem Konklave. Die Kommission der acht Kardinäle – es ist wichtig, dass sie von außerhalb kommen – geht in die Richtung einer Reifung der Beziehung zwischen Synodalität und Primat. Es gibt viele Reformvorschläge, zum Beispiel des Sekretariats der Synode.

Dann ist da das IOR. Ich dachte, mich mit der Frage das kommende Jahr zu beschäftigen, doch der Terminkalender hat sich aufgrund der euch wohl bekannten Probleme geändert, denen nun entgegengetreten werden muss. Wie soll man es reformieren und das sanieren, was sanierbar ist? Ich habe eine referierende Kommission ernannt. Ich weiß nicht, wie das IOR enden wird: einige sagen, es sei besser, eine Bank zu haben, andere, dass es eines Hilfsfonds bedürfe, wieder andere sagen, es zu schließen. Ich vertraue der Arbeit der Menschen des IOR und der Kommission, die dafür arbeiten. Ich wüsste nicht, wie es enden wird: man probiert aus, man sucht. Was auch immer aus dem IOR werden wird: es bedarf der Transparenz und Rechtschaffenheit.“

Änderungen und Widerstände in der Römischen Kurie

„Die Änderungen wurden von den Kardinälen vor dem Konklave gefordert, und dann ist da das, was meiner Persönlichkeit entstammt. Ich könnte zum Beispiel nicht alleine im Palast leben. Das päpstliche Appartamento ist groß, aber nicht luxuriös. Aber ich kann nicht alleine mit einem kleinen Grüppchen von Personen leben. Ich brauche es, unter den Leuten zu leben, Leuten zu begegnen. Aus diesem Grund habe ich gesagt, dass da ‚psychiatrische’ Motive gegeben sind: ich konnte das psychologisch nicht, und jeder muss davon ausgehen, wie er ist. Wie dem auch sei: auch die Wohnungen der Kardinäle, die, die ich kenne, sind streng. Jeder muss so leben, wie es der Herr von ihm fordert. Doch eine allgemeine Strenge ist notwendig für alle, die im Dienst der Kirche arbeiten. In der Kurie gibt es Heilige, Bischöfe, Priester und Laien, Leute, die arbeiten. Viele, die im Verborgenen zu den Armen gehen, oder in der Freizeit eine Kirche aufsuchen, um dort ihren Dienst zu verrichten.

Dann gibt des da auch Leute, die nicht so heilig sind, und diese machen Lärm, weil – wie ihr wisst – ein Baum, der umfällt, mehr Lärm macht als ein Wald, der wächst. Ich empfinde einen großen Schmerz, wenn diese Dinge geschehen. Wir haben da diesen Monsignore (gemeint ist: Nunzio Scarano der APSA; kath.net hat berichtet), der im Gefängnis sitzt. Er ist nicht ins Gefängnis gekommen, weil er heiligen Imelda ähnelt (in Argentinien übliche Redewendung).

Ich glaube, dass die Kurie gegenüber ihrem einstigen Niveau etwas gesunken ist, als da einige alte und treue Kurienleute waren, die ihre Arbeit taten. Wir bedürfen des Profils der alten Kurienleute. Wenn es da Widerstand geben sollte, so habe ich ihn nicht gesehen. Es ist wahr, ich habe nicht viel gemacht, doch ich habe Hilfe vorgefunden, treue Leute. Mit gefallen die Leute, die mir sagen: ‚Ich bin nicht einverstanden’. Das sind treue Mitarbeiter. Dann gibt es jene, die dir ins Gesicht sagen: ‚Wie schön!’, und dann womöglich hinausgehen und das Gegenteil erklären. Doch solche habe ich noch nicht gefunden.“

Die Kirche und die Frauen

„Eine Kirche ohne Frauen ist wie ein Apostelkollegium ohne Maria. Die Rolle der Frau ist die Ikone der Jungfrau, der Gottesmutter. Und die Gottesmutter ist wichtiger als die Apostel. Die Kirche ist weiblich, weil sie Braut und Mutter ist. Man muss weiter voran gehen. Eine Kirche ohne Frauen, die in ihr aktiv sind, kann man nicht verstehen. (...) Wir haben noch keine Theologie der Frau hervorgebracht. Man muss sie machen.

Was die Priesterweihe von Frauen betrifft, hat die Kirche gesprochen und nein gesagt. Johannes Paul II. hat mit einer definitiven Formulierung gesprochen, diese Tür ist zu. Doch erinnern wir uns daran, dass Maria wichtiger als die Apostel-Bischöfe ist, und so ist die Frau in der Kirche wichtiger als die Bischöfe und Priester“.

Franziskus und der „Großvater Benedikt XVI.“

„Das letzte Mal, als es zwei oder drei Päpste zusammen gegeben hat, redeten sie nicht miteinander, sondern bekämpften sich, um zu sehen, wer von ihnen der wahre Papst ist. Ich und Benedikt XVI. haben uns sehr gern, er ist ein Mann Gottes, ein demütiger Mann, ein Mann, der betet. Ich bin glücklich gewesen, als er zum Papst gewählt wurde, und dann haben wir seine Geste des Amtsverzichts gesehen... für mich ist er ein Großer. Jetzt wohnt er im Vatikan, und es gibt da Leute, die sagen: ist das nicht eine zu große Last für dich? Rudert er dir nicht dagegen?

Nein, für mich ist es, als hätte ich einen weisen Großvater im Haus. Wenn es in der Familie den Großvater gibt, wird er verehrt und man hört auf ihn. Benedikt XVI. mischt sich nicht ein. Für mich ist es, als hätte ich den Großvater im Haus, er ist mein Papa. Wenn ich ein Problem habe, kann ich zu ihm gehen und darüber sprechen, wie ich dies bei jenem großen Problem ‚Vatileaks’ getan habe... Als er am 28. Februar die Kardinäle empfangen hatte, um sich zu verabschieden, hat er gesagt: ‚Unter euch ist der neue Papst, dem ich schon heute meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam verspreche’. Er ist ein Großer!“

„Vatileaks“

„Als ich Benedikt XVI. in Castel Gandolfo besucht habe, sah ich, dass auf dem Tischchen eine Schachtel und ein Umschlag waren. Benedikt XVI. hat mir gesagt, dass in der Schachtel alle Zeugenaussagen der von der dreiköpfigen Kardinalskommission zu Vatileaks befragten Menschen seien, während sich in dem Umschlag die Schlüsse, die abschließende Zusammenfassung befanden. Benedikt XVI. wusste alles auswendig. Ein großes Problem, aber ich habe keine Angst bekommen.“

Die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten

„Das ist ein immer wiederkehrendes Thema. Ich glaube, dass dies die Zeit der Barmherzigkeit ist, dieser Epochenwechsel, in dem es so viele Probleme auch in der Kirche gibt, auch aufgrund des unguten Zeugnisses einiger Priester. Der Klerikalismus hat viele Wunden hinterlassen, und man muss dazu übergehen, diese Wunden mit der Barmherzigkeit zu heilen.

Die Kirche ist Mutter, und in der Kirche muss es Barmherzigkeit für alle geben. Und auf die Verwundeten muss man nicht nur warten, sondern man muss sie suchen. Ich glaube, dass dies die Zeit der Barmherzigkeit ist, wie dies Johannes Paul II. erahnte, der das Fest der Göttlichen Barmherzigkeit eingerichtet hat.

Die Geschiedenen können die Kommunion empfangen, die wiederverheirateten Geschiedenen können dies nicht. Man muss auf das Thema in der Gesamtheit der Ehepastoral blicken. Die Orthodoxen folgen zum Beispiel der Theologie der Ökonomie und erlauben eine zweite Ehe. Wenn sich die Gruppe der acht Kardinäle versammeln wird, in den ersten drei Tagen im Oktober, werden wir uns damit beschäftigen, wie man in der Ehepastoral weitergehen soll.

Wir sind unterwegs zu einer tieferen Ehepastoral. Mein Vorgänger in Buenos Aires, Kardinal Quarracino, sagte immer: ‚Für mich ist die Hälfte aller Ehen ungültig, weil sie heiraten, ohne zu wissen, dass es für immer ist, weil sie es aus sozialer Konvenienz machen, usw.’. Auch das Thema der Nullität muss untersucht werden.“

Die Anklagen gegen Battista Ricca, Prälat des IOR

„Im Fall von Msgr. Ricca (eines „skandalösen Verhaltens“ bezichtigt, als er vor dreizehn Jahren seinen Dienst als Diplomat in Uruguay verrichtete) habe ich das getan, was das Kirchenrecht vorsieht: eine vorläufige Untersuchung. Es ist nichts von dem gefunden worden, dessen er bezichtigt wird. Wir haben nichts gefunden!

Oft werden in der Kirche die Sünden der Jugend gesucht und dann veröffentlicht. Wir sprechen nicht von Verbrechen, Vergehen wie den Missbrauch von Minderjährigen, was eine ganz andere Sache ist, sondern von Sünden. Wenn aber ein Laie, ein Priester oder eine Schwester gesündigt und sich dann bekehrt und gebeichtet hat, dann vergibt der Herr, er vergisst. Und wir haben nicht das Recht, nicht zu vergessen, weil wir andernfalls Gefahr laufen, dass der Herr unsere Sünden nicht vergisst.

Oft denke ich an den heiligen Petrus, der die schwerste Sünde begangen hat: er hat Christus verleugnet. Und dennoch haben sie ihn zum Papst gemacht. Doch ich wiederhole: zu Msgr. Ricca haben wir nichts gefunden“.

Quelle: www.kath.net

Zur Kurienreform im Vatikan

Aus: katholisches.info - hier: 12.6.2013

Die Veröffentlichung eines Gedächtnisprotokolls über ein einstündiges Gespräch von Papst Franziskus sorgt für Aufregung (siehe eigenen Bericht). Darin spricht der Papst über „heilige Männer“ an der Römischen Kurie, aber auch über viel Korruption und bestätigt die die Existenz einer „Homo-Lobby“ in der Kirche. Er spricht über Pelagianismus und Gnosis, über restaurative Kräfte und Pantheismus in der Kirche.

Am 6. Juni hatte der Papst den Vorstand des Dachverbandes der Ordenleute Lateinamerikas und der Karibik Confederación Latinoamericana y Caribeña de Religiosos y Religiosas (CLAR) in Privataudienz empfangen. Über den Inhalt der Begegnung gibt es daher keine offizielle Bekanntgabe. Die progressive chilenische Seite Reflexion y Liberacion veröffentlichte eine Mitschrift, die – wie sich inzwischen herausstellte – authentisch ist und von der Delegation gleich im Anschluß an die Audienz angefertigt wurde. Offiziell, wie es heißt, sollte die Niederschrift nur als Gedächtnisstütze für die Vorstandsmitglieder dienen. Das Gedächtnisprotokoll wurde jedoch sofort Reflexion y Liberacion zugespielt und veröffentlicht.

Erst vor kurzem hatten Bischöfe Apuliens öffentlich über Aussagen von Papst Franziskus gesprochen, die er ihnen gegenüber bei deren Ad-limina-Besuch gemacht hatte. Der Papst hatte ihnen erzählt, daß unmittelbar nach seiner Wahl starker Druck auf ihn ausgeübt worden sei, den päpstlichen Zeremonienmeister Msgr. Guido Marini zu entlassen, um die von Papst Benedikt XVI. eingeleitete liturgische Erneuerung rückgängig zu machen. Der Papst lehnte die Forderung jedoch ab.

Der CLAR-Vorstand gab inzwischen eine offizielle Erklärung zu dem Vorfall ab:

Erklärung des Vorstandes der CLAR
Der Vorstand der CLAR bedauert zutiefst die Veröffentlichung eines Textes, der sich auf ein Gespräch des Heiligen Vaters Papst Franziskus während der Begegnung am vergangenen 6. Juni bezieht. Eines Gesprächs, das sich aus den von den Anwesenden an den Papst gerichteten Fragen entwickelte.
Bei dieser Gelegenheit wurden keine Aufzeichnungen des Gesprächs gemacht, aber kurz darauf wurde auf der Grundlage der Erinnerungen der Teilnehmer eine Zusammenfassung angefertigt. Diese Zusammenfassung, die die an den Heiligen Vater gerichteten Fragen nicht enthält, war als persönliche Gedächtnisstütze für die Teilnehmer und keineswegs für die Veröffentlichung gedacht, für die keine Genehmigung erbeten oder erteilt wurde.
Es ist klar, daß auf dieser Grundlage die einzelnen im Text enthaltenen Ausdrücke nicht mit Sicherheit wörtlich dem Heiligen Vater zugeschrieben werden können, sondern nur sinngemäß.
Der Vorstand der CLAR bedauert den Vorfall zutiefst und die Verwirrung, die daraus entstanden ist.
Sr. Mercedes Leticia Casas Sánchez FSpS, Vorsitzende
P. Gabriel Naranjo Salazar CM, Generalsekretär
Bogota, Kolumbien, 11. Juni 2013

Quelle: www.katholisches.info

Zu Therapieangeboten für Homosexuelle

Aus: Christa Meves aktuell - hier: 16.5.2013

"Liebe Freunde, so schwer es fällt, es muss von mir als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin widersprochen werden! Herzliche Frühlingsgrüße - Christa Meves

Meves aktuell
Die Bundesfraktion der Grünen will therapeutische Angebote verbieten lassen, die minderjährigen Homosexuellen helfen wollen, ihre sexuelle Orientierung zu ändern. Die Fraktion werde dazu einen eigenen Gesetzentwurf einbringen, erklärte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Volker Beck. Nach dem Entwurf sollen Verstöße mit einer Geldbuße von mindestens 500 € geahndet werden. Sogenannte „Konversionstherapien" hätten „ein erhebliches gesundheitliches Risiko,“ so hieß es in der Verlautbarung - wie die WELT online berichtet. „Wenigstens Kinder und Jugendliche müssten davor geschützt werden“.
Das ist ein schockierendes Ansinnen gegenüber der Zunft der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Das Institut für Jugend und Gesellschaft in Reichelsheim hat deshalb am 20.3.13 mit einer Presseerklärung reagiert. Nach einer Zurückweisung “einer falschen und unsachlichern Terminologisierung und unzulässigen Verknüpfungen“ wird darin darauf hingewiesen, dass „ der Gesetzentwurf auf einen unzulässigen Eingriff in die gesetzlich gewährleistete Autonomie jeder Therapie zielt, deren Ziel und Methode zwischen Therapeut und Klient vereinbart werden.“ Die Verlautbarung von Volker Beck unterstelle, dass Therapeuten nicht fähig seien, das Anliegen und die Motivation von minderjährigen Kindern angemessen einschätzen zu können. In einer Stellungsnahme des Bundesgesundheitsministeriums von 2008 heiße es:
“Wenn homosexuell empfindende Menschen eine psychotherapeutische Behandlung wünschen oder in Anspruch nehmen, sind sie in der Wahl ihrer Therapie und ihres Therapeuten nicht eingeschränkt. Die Ziele einer Therapie werden grundsätzlich zwischen der Patientin oder dem Patienten und der Therapeutin oder dem Therapeuten vereinbart. Die Therapiefreiheit ist verfassungsrechtlich durch Artikel 5 Absatz 3, Satz 1 und Artikel 12 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetzes geschützt.“
Eine solche rechtliche Zusicherung der Therapiefreiheit des Bundesbürgers gewinnt angesichts des Vorschlags von Volker Beck an Gewicht. In der Praxis kommt es zwar selten – aber doch immer einmal wieder - vor, dass Eltern Beratung suchen, weil eins ihrer Kinder im Vor- und Grundschulalter ostentativ erklärt, es wolle kein Junge sein und kein Mann werden, sondern lieber eine Frau. Solche Wünsche verbergen sich häufig auch hinter den Aktionen solcher Kinder, Kleidungsstücke aus Mamas Wäsche heimlich an sich zu nehmen und damit zu schmusen. Manchmal ergibt sich die Aufdeckung dieser Tatbestände aber auch erst, nachdem die Kinder wegen anderer Verhaltensschwierigkeiten vorgestellt werden, besonders durch eine Renitenz gegen schulische Belange. Die allmählich gewonnene Vertrautheit des kleinem Patienten erst mit seinem Helfer während der Therapie führt dann zur Aufdeckung der Ursache des Problems. In solchen Fällen lässt sich meist eine unzureichende Identifikation des Jungen mit seinem Vater und nicht selten auch eine starke Verbundenheit mit der Mutter ausmachen, was meist in geschlechtsuntypischen Verhaltensweisen der Eltern ihre Ursache hat.
Wenn diese Zusammenhänge erkannt sind, ändert das Kind bei gezielter Mitarbeit der nahen Bezugspersonen – besonders aber des Vaters – meist in einer umso kürzeren therapeutischen Phase, je besser die Eltern mitarbeiten und je jünger das Kind ist umso rascher – seine Einstellung.. Dieses pflegt regelmäßig als eine seelische Entlastung sichtbar zu werden, eindeutig erkennbar in aufblühender Fröhlichkeit und Lernbereitschaft.
Die Behauptung von Volker Beck, dass die Festigung der sexuellen Identität des Kindes durch eine fachgerechte psychotherapeutische Einwirkung „Ängste, Isolation, Depressionen und eine Erhöhung der Selbstmordrate“ zur Folge habe, stellt die Fakten auf den Kopf. In der Praxis bestätigt sich gerade das Gegenteil.
Dieser Plan eines Übergriffs in eingebahnte Strukturen analytischer Kinderpsychotherapie und einer sogar besonders erfolgreichen Möglichkeit rechtzeitiger Wirksamkeit ist ein schockierendes Ansinnen einer politischen Gruppierung.
Es bedarf fachlicher Zurückweisung.
Es geht von der Behauptung einer vorhandenen allgemeinen Offenheit für sexuelle Orientierung aus, wie sie auch bei der Gender-Mainstreaming-Ideologie vertreten wird.
Aber die Hormonforschung kann dagegen belegen, dass die bereits bei der Zeugung festgelegte Unterschiedlichkeit des Geschlechts bereits beim Fötus - und zwar wenige Wochen nach der Zeugung - im Mutterleib aktiviert wird und schon dort Einfluss auf sich einprägende Wesensunterschiede zwischen Mann und Frau in das sich nun allmählich konstituierende Gehirn nimmt." - Quelle: www.christa-meves.eu

Zu den Vorwürfen bzgl. der Vergangenheit von Papst Franziskus

Offener Brief von Franz Jaics SJ

"Seit meiner Erklärung vom 15. März dieses Jahres habe ich sehr viele Anfragen bekommen, deswegen möchte ich folgendes ergänzen. Ich fühle mich dazu nahezu verpflichtet, weil manche Kommentare das Gegenteil dessen bedeuten, was ich gemeint habe.

Dies sind nun die Tatsachen: Orlando Yorio und ich wurden nicht von Pater Bergoglio angezeigt.
Wie ich in meiner früheren Erklärung deutlich gemacht habe, sind wir wegen einer Katechetin verhaftet worden, die zuerst mit uns zusammenarbeitete und später in die Guerilla eintrat (aufgrund eines
Übersetzungsfehlers wurde sie in der vorigen Erklärung als Mann bezeichnet). Dreiviertel Jahre lang haben wir sie nicht gesehen. Zwei oder drei Tage nach ihrer Verhaftung wurden dann auch wir festgenommen. Der Offizier, der mich verhört hat, bat um meine Dokumente. Als er sah, dass ich in Budapest geboren war, hielt er mich für einen russischen Spion.

In der argentinischen Jesuitenprovinz und in kirchlichen Kreisen wurden schon in den Jahren davor falsche Informationen verbreitet, dass wir darum ins Elendsviertel gezogen sind, weil wir selber zur Guerilla gehörten. Das war aber nicht der Fall. Meiner Vermutung nach sind diese Gerüchte aber der Grund, weswegen wir nicht sofort freigelassen worden sind.

Früher neigte ich selber zu der Ansicht, dass wir Opfer einer Anzeige geworden sind. Ende der 90er Jahre aber ist mir nach zahlreichen Gesprächen klar geworden, dass diese Vermutung unbegründet war.
Es ist daher falsch zu behaupten, dass unsere Gefangennahme auf die Initiative von Pater Bergoglio geschehen ist.

Franz Jalics SJ
20. März 2013"

Die Rückständigkeit des Staates im Missbrauchskandal

(Einleitung aus einem blog:) "Frau Leutheuser-Schnarrenberger? Es wird langsam Zeit, dass Sie Verantwortung übernehmen! Die Kirche, der Sie so gerne mangelnden Aufklärungswillen und unzureichende Hinwendung zu den Opfern vorwerfen, zahlt bereits und kümmert sich um seelsorgliche oder therapeutische Betreuung - oft auch in Fällen, die vor keinem Gericht der Welt als "Missbrauchsfall" anerkannt würden ..."

15.2.2013 - Missbrauchsopfer müssen weiter auf Entschädigung warten - Quelle: www.abendblatt.de

"Berlin. Ein gutes Jahr nachdem der runde Tisch gegen sexuellen Kindesmissbrauch seine Arbeit beendet hat, warten viele Betroffene immer noch auf Hilfe. Trotz der Bekundungen von Bund und Ländern wurde der Entschädigungsfonds noch nicht aufgelegt. Ein Gesetz zur Stärkung der Opferrechte liegt seit Monaten im Rechtsausschuss. Und das Ende der Legislaturperiode naht. In der nächsten Woche trifft sich der runde Tisch, um eine Bilanz über seine Empfehlungen zu ziehen.

Eigentlich sollte das Treffen bereits im Dezember stattfinden. Aber die drei verantwortlichen Bundesministerien - Justiz, Forschung und Familie - hatten die Notbremse gezogen und es abgesagt. Weil sie nur wenig hätten vorweisen können, so interpretierten es viele Beteiligte. Offizieller Grund war die Abstimmung zum Beschneidungsgesetz, die an dem Tag im Bundestag stattfand.

Auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, wurde von der Absage überrascht. Damit stehe nun endgültig fest, dass die Politik bis zum Jahresende in wesentlichen Bereichen keine Verbesserungen für Missbrauchopfer erreicht habe, erklärte er. Zwar hat der Bund seine Zusage gegeben, mit 50 Millionen Euro die Hälfte der Gesamtsumme in den Entschädigungsfonds für die Opfer einzuzahlen. Anders sieht es bei den Ländern aus, die die andere Hälfte tragen sollen. Dort herrscht weiter Uneinigkeit (...)".

Die ganze Meldung ist abrufbar unter: www.abendblatt.de - 15.2.2013 - Missbrauchsopfer müssen weiter auf Entschädigung warten

Zur Debatte um die Ablehnung der Untersuchung eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer in zwei Kölner Krankenhäusern

Das Schreiben eines Oberarztes aus Köln - Grund für Unsicherheit des Klinikpersonals?

5.2.2013 - Quelle: www.frischer-wind.blogspot.de

Noch ein Wort zu der angeblichen Hilfeverweigerung zweier katholischer Kliniken und Abweisung einer mutmaßlich vergewaltigten Frau in Köln:

Wie bekannt, hatte die diensthabende Ärztin einer von den katholischen Krankenhäusern unabhängigen Notfallpraxis* im Dezember 2012 eine 25-jährige Frau behandelt, die offenbar am Abend zuvor nach einer Party mit k.o.-Tropfen betäubt und wahrscheinlich vergewaltigt worden war. Irmgard Maiworm, die behandelnde Ärztin, wandte sich dann über Telefon an die fachgynäkologische Abteilung des angrenzenden St.-Vinzenz-Hospitals mit der Bitte um weitere Behandlung und Durchführung der anonymen Spurensicherung im Rahmen der ASS (Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten).

Die dort tätige Ärztin versuchte zu erklären, dass es im St.-Vinzenz-Hospital nicht möglich sei, eine ASS durchzuführen und gab die Empfehlung, die junge Frau an ein Krankenhaus zu überweisen, in dem die ASS zusammen mit der weiteren Behandlung aus einer Hand erfolgen könne. So werde der traumatisierten Frau auch eine weitere zusätzliche Schilderung der Situation erspart.

Eine zweite Klinik, die daraufhin von der Notfallpraxis telefonisch um Weiterbehandlung angegangen wurde (das Hl.-Geist-Krankenhaus in Köln-Longerich), gab eine gleichlautende Empfehlung. Scheinbar war Frau Maiworm, so der Name der diensthabenden Notfallärztin, nicht klar, dass die beiden katholischen Kliniken der Cellitinnen inzwischen nicht mehr befugt und wegen fehlenden Instrumentariums auch nicht mehr in der Lage waren, eine Untersuchung im Rahmen der ASS durchzuführen.


Welche Rolle spielte der Oberarzt der katholischen Klinik?

Das Verhalten der Ärztinnen an den beiden Krankenhäusern, dem St.-Vinzenz-Hospital und dem Hl.-Geist-Krankenhaus, wurde als unbarmherzige Abweisung der hilfesuchenden vergewaltigten Frau ausgelegt. Diese Einschätzung ist jedoch falsch, da eine ASS wie oben bereits dargelegt, überhaupt nicht hätte durchgeführt werden können und die Frau also ohnehin an eine der fünf Kliniken hätte überwiesen werden müssen, die am Netzwerk der ASS teilnehmen.

Wie kam es nun dazu, dass die beiden Kliniken nicht mehr dem Netzwerk der ASS angehörten?

Das das Projekt ASS ist seit dem 05.07.2011 in der Spurensicherung tätig. Am 14.09.2012 gab der Arbeitskreis ASS eine Pressemeldung heraus, die über die Aktivitäten im ersten Jahr des Bestehens berichtet und in der auch mitgeteilt wird, dass zwei Krankenhäuser (dabei handelt es sich um die beiden genannten katholischen Kliniken) aus dem Projekt hätten ausgesteigen müssen.

Wie kam es dazu?

Hierzu ist die Richtigstellung des "Notrufs für vergewaltigte Frauen" vom 18.01.2013 aufschlussreich. Demnach hatte sich ein Oberarzt einer der beiden genannten Kliniken im März 2012 an den "Notruf" gewandt. Aus einem Schreiben vom 30.03.2012 wird zitiert, er informiere darüber,
“dass unsere Abteilung ab sofort keine Untersuchungen an Patientinnen nach einer Sexualstraftat mehr durchführt”.
Begründung:
“Unser Träger hat die Verordnung der Postexpositionsprophylaxe (Pille danach) auch in diesem Zusammenhang untersagt. Eine alleinige körperliche Untersuchung und Spurensicherung ohne das Angebot zur Postexpositionsprophylaxe ist aus ärztlicher Sicht sowohl medizinisch als auch ethisch nicht vertretbar. Daher sollten Patientinnen zukünftig in einer Einrichtung betreut werden, die eine umfassende Versorgung in einer Hand gewährleistet”.
Offensichtlich handelt es sich hier um einen Konflikt zwischen dem Oberarzt und dem Träger der Klinik, also der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria. Infolge des Schreibens kam es laut der Richtigstellung zu "viele(n) Telefonate(n) mit unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen der beiden Krankenhäuser" die aber "letztlich keine Veränderung der – unbefriedigenden – Situation herbeiführen" konnten. Gemeint ist damit, dass die Krankenhausleitungen gemäß den Vorgaben der Lehre der Kirche und des Erzbistums Köln an der Praxis festhielten, nicht die "Pille danach" zu verschreiben. Der "Notruf für vergewaltigte Frauen" sieht die Verschreibung der (möglicherweise) frühabtereibenden "Pille danach" jedoch als Bestandteil der Behandlung im Rahmen der ASS. Beide Seiten bedauerten daraufhin, die engere Zusammenarbeit beenden zu müssen. Seinen Niederschlag fand diese Aufkündigung in der schon obengenannten Pressemeldung vom 14.09.2012 und in der Abholung der "Kisten mit den ASS-Untersuchungs-Sets" aus den beiden Krankenhäusern.

Das heißt: Laut eigenem Bekunden instruierte der Oberarzt seine Abteilung ab April 2012 dahingehend, bei Patientinnen nach einer Sexualstraftat "keine Untersuchungen" mehr durchzuführen. Dieses Vorgehen widerspricht aber eindeutig den Vorgaben des Trägers des Krankenhauses, der - bis auf die Verschreibung der "Pille danach"- für seine Ärzte und Ärztinnen eine umfassende ganzheitliche Betreuung der Patientinnen postulierte.

Besagter Oberarzt unterband somit die Behandlung mutmaßlich vergewaltigter Frauen in der katholischen Klinik und favorisierte in seinem Schreiben die Behandlung in einer Einrichtung, die bereit ist, auch die potentiell abtreibende "Pille danach" zu verschreiben. Das ist zumindest ein eigenartiges Verständnis von Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber und lässt vermuten, dass er selbst nicht mit dessen Überzeugung übereinstimmt.


Die Stellungnahme des Ethikkomitees

Rund sieben Monate später, am 07.11.2012 erschien dann, herausgegeben vom Klinischen Ethikkomitee der Hospitalvereinigung St. Marien, die "Ethische Stellungnahme zur Notfallkontrazeption bei Patientinnen, die vermutlich Opfer eines Sexualdelikts geworden sind".
In dieser "Stellungnahme" wird als "Rahmenbedingung für die tägliche medizinische Betreuung" der Patientinnen festgehalten, dass
eine befruchtete Eizelle ab dem Zeitpunkt der Kernverschmelzung als menschlicher Embryo gelte, auch im pränidativen, nicht eingenisteten, Stadium
die beiden auf dem Markt befindlichen Wirkstoffe der "Pille(n) danach" nidationshemmend sind
der Mensch von Beginn an Person ist und sich als Person entwickelt und der direkte Abbruch zu verwerfen ist
künstliche Verhütung (gemeint ist hier die Einnahme der "Pille danach") daher, auch nach einem vermuteten Sexualdelikt, moralisch nicht gerechtfertigt ist.
Weiterhin werden für den Umgang mit Patientinnen mach vermutetem Sexualdelikt folgende Weisungen nach den in einem solchen Fall wichtigsten ethischen Prinzipien, nämlich Fürsorge, Schadensvermeidung und Autonomie, gegeben:
zur Verfügungstellen aller moralisch unbedenklichen Mittel zur medizinischen Gesundung und auch das gesamte Spektrum psychologischer, seelsorgerlicher und ethischer Betreuung
zeitnahe Hilfsmaßnahmen ohne Verzögerung, volle Kooperation mit der ASS
Eigenentscheidung der Patientin zur Einnahme der Notfallkontrazeption und entsprechende Weiterleitung an entsprechende Instanzen
Information der Patientin über weitere Behandlung und Achtung der autonomen Entscheidung
Die "umfassende medizinische Versorgung" solle "nach bestem ärztlichen Ethos" geschehen.


War die Stellungnahme zur Notfallkontrazeption bekannt?

Einen guten Monat nach Einführung dieser Stellungnahme - ob sie in diesem Zeitraum bereits zu allen Mitarbeitern durchgedrungen war ist fraglich) entstand die am Anfang geschilderte Situation, in der die Krankenhausärztin eine Patientin - im Telefongespräch mit der Notfallpraxisärztin Maiworm - an ein anderes Krankenhaus verwies.

Sie handelte korrekt, da an ihrem Krankenhaus (wie auch in der zweiten betroffenen Klinik) keine ASS durchgeführt werden konnte. Fraglich ist, ob sie, was andere Untersuchungen angeht, möglicherweise durch die Anordnung des Oberarztes, Vergewaltigungsopfern jedwede Behandlung vorzuenthalten, beeinflußt war.


Eigenmächtigkeit des Oberarztes zum Schaden der Klinik

Dass das Schreiben des Oberarztes an den "Notruf für vergewaltigte Frauen" nicht mit der Klinikleitung abgesprochen war und im Gegensatz zu deren Intention steht, dürfte die Aussage auf www.radio-koeln.de deutlich machen, in der es heißt:
“Beide Kliniken sind allerdings nicht aus dem Programm zur Spurensicherung nach Vergewaltigung ASS ausgestiegen. Das haben sowohl Klinikleitung als auch das klinische Ethik-Komitee bekräftigt. Wie die Ethikbeauftragte Radio Köln sagte, sei die Teilnahme und das Angebot ausdrücklich gewollt. Vielmehr sei man vom Notruf für vergewaltigte Frauen von der Internetseite entfernt worden. Nach Meinung des Notrufs sei das Betreuungsangebot durch das Fehlen der “Pille danach” nicht vollständig.” (hierzu erfolgte dan die Richtigstellung des "Notrufs für vergewaltigte Frauen")
Was der Oberarzt mit der - ebenfalls offensichtlich nicht mit der Klinikleitung abgesprochenen - Anordnung der Behandlungsverweigerung bezwecken wollte, bleibt rätselhaft. Sowohl die in diesem Sinne erfolgte Instruktion seiner Abteilung wie auch sein eigenmächtiges, im Alleingang getätigtes Schreiben an den "Notruf für vergewaltigte Frauen" könnte möglicherweise der Auslöser für die unsäglichen Angriffe vor allem der Medien gegen die katholischen Krankenhäuser im einzelnen und die katholische Kirche im Allgemeinen gewesen sein. Damit hat er der Klinik, deren Träger, der katholischen Kirche und ihrem Engagement im Lebensschutz, vor allem aber den betroffenen Frauen einen Bärendienst erwiesen.

* Die Notfallpraxis befindet sich auf dem Gelände des St.-Vinzenz-Hospitals in Köln, ist aber nicht diesem angeschlossen.

5.2.2013 - Quelle: www.frischer-wind.blogspot.de

Zur Debatte um die "Pille danach"

Kardinal Joachim Meisner erklärt die katholische Haltung zur "Pille danach"

Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, hat sich heute nochmals zur sogenannten "Pille danach" zu Wort gemeldet und angesichts neueren Erkenntnissen festgestellt, dass diese nicht die nach katholischer Auffassung nach wie vor abzulehnende Abtreibungspille Mifepriston (RU 486, „Mifegyne“) betreffe.

Die Erklärung des Erzbischofs von Köln im Wortlaut:

"Aus gegebenem Anlass habe ich mich mit Fachleuten über die Frage der Verordnung der so genannten „Pille danach“ beraten. Dabei wurde deutlich, dass darunter unterschiedliche Präparate mit unterschiedli­chen Wirkprinzipien zu verstehen sind, deren Wirkungen und Nebenwirkungen sich in der wissenschaftlichen Diskussion immer weiter klären. Daraus ergeben sich ethische Konsequenzen.

Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.

Wenn ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Nidationshemmung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Einnistung der bereits befruchteten Eizelle zu verhindern, ist das nach wie vor nicht vertretbar, weil damit der befruchteten Eizelle, der der Schutz der Menschenwürde zukommt, die Lebensgrundlage aktiv entzogen wird. Dass das Abgehen befruchteter Eizellen auch ganz natürlicherweise ohne menschliches Zutun geschieht, berechtigt einen Menschen nicht dazu, diesen natürlichen Vorgang aktiv zu imitieren. Denn die Beendigung eines Menschenlebens durch die Natur nennt man ein Naturereignis. Dessen absichtliche Imitation nennt man Tötung.

Die Ärzte in katholischen Einrichtungen sind aufgefordert, sich rückhaltlos der Not vergewaltigter Frauen anzunehmen und sich dabei unter Berücksichtigung des neusten Stands der medizinischen Wissenschaft in ihrem ärztlichen Handeln an den oben genannten Prinzipien auszurichten. Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären, wenn sie dabei, ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern. In jedem Fall muss in katholischen Einrichtungen die Hilfe für vergewaltigte Frauen aber natürlich weit über die Erörterung solcher Fragen hinaus gehen."

(Quelle: http://opencms.erzbistum-koeln.de/modules/news/news_1318.html)


Erklärung der Pressestelle des Erzbistums Köln

"Bisher wurde oft davon ausgegangen, dass die nidationshemmende Wirkung das zentrale Wirkprinzip der Präparate sei, die als „Pille danach“ bezeichnet werden. (Nidationshemmung bedeutet, dass eine bereits befruchtete Eizelle sich nicht in der Gebärmutter einnisten kann.) Das ist offenbar nicht mehr Stand der Wissenschaft. Die Kirche muss aber in ihren Einschätzungen die wissenschaftlichen Erkenntnisse immer berücksichtigen. Dabei gehört es zur Eigenart solcher Erkenntnisse, dass sie nicht selten kontrovers sind. Die Kirche kann dazu nur die moralischen Prinzipien erklären. Der einzelne Arzt einer katholischen Einrichtung muss sich dann unter Voraussetzung dieser Prinzipien gewissenhaft kundig machen und so zu einer verantwortungsvollen Entscheidung kommen.

Bei der Entscheidung muss der Arzt aus eigener wissenschaftlicher Einschätzung abwägen, inwieweit bei einem Präparat eine nidationshemmende Wirkung besteht. Andererseits haben bekanntlich sehr viele Präparate und Verhaltensweisen Nebenwirkungen, die das beginnende menschliche Leben schädigen oder im Ex­tremfall sogar töten können. Solche Effekte sollten selbstverständlich minimiert werden. Ganz ausschließen kann man sie nie. Nach der Lehre Papst Pius XII. sind zum Beispiel Schmerzmittel bei einem Sterbenskranken dann erlaubt, wenn sie zwar mit der Absicht der Schmerzlinderung eingesetzt werden, aber als Nebeneffekt gegebenenfalls eine Verkürzung des Lebens zur Folge haben können.

Die Instruktion „Dignitatis personae“ der Kongregation für die Glaubenslehre vom 8. September 2008 nennt unter den „Interzeptiva“ „die so genannte ,Pille danach‘“, bezieht sich dann aber ausschließlich auf die nidationshemmende Intention, wenn sie vorsichtig formuliert: „Man muss jedoch anmerken, dass bei denen, welche die Einnistung eines möglicherweise empfangenen Embryos verhindern wollen und deshalb solche Mittel wünschen oder verschreiben, im Allgemeinen die Vorsätzlichkeit zur Abtreibung vorhanden ist.“ Die Grundsätze dieser Erklärung bleiben also weiterhin gültig, es muss allerdings offenbar eine Differenzierung bei der „Pille danach“ vorgenommen werden.

Zu betonen ist, dass sich die Erklärung des Erzbischofs von Köln auf die Situation einer Vergewaltigung bezieht und nicht auf die Situation in einer sakramentalen Ehe, die die Enzyklika „Humanae Vitae“ behandelt. Entsprechend hatte auch schon die Glaubenskongregation die Einnahme von Antikonzeptiva durch Ordensschwestern in einer Weltgegend, in der sie Vergewaltigungen fürchten mussten, erlaubt. Es geht beim Thema Vergewaltigung nicht um die Ganzheitlichkeit eines liebenden Aktes, sondern um die Verhinderung einer verbrecherischen Befruchtung."

(Quelle: http://opencms.erzbistum-koeln.de/modules/news/news_2283.html)


Die Erklärung von Kardinal Meisner findet nicht nur Zustimmung - im Internet finden sich auch zahlreiche kritische Anmerkungen, die laufend um weitere Statements ergänzt werden. Wer sich für die Kritik an der bedingten Erlaubtheit einer "Pille danach" interessiert, wird auf www.kath.net, www.katholisches.info oder bei Gunter Annen www.babycaust.de fündig.

(Meine persönliche Einschätzung: Die Frage, OB es eine "Pille danach" gibt, mag medizinisch unterschiedlich gesehen werden - muss aber unabhängig von der ethischen, politischen oder theologichen Ausrichtung diskutiert werden; es handelt sich schließlich um eine rein wissenschaftliche Frage. FALLS eine solche "Pille danach" existiert, bezeichnet Kardinal Meisner sie nur im Falle einer Vergewaltigung als erlaubt - auch das kann diskutiert werden, scheint mir aber theologisch unstrittig zu sein. - In den Diskussionen um die "Pille danach" werden leider diese beiden unterschiedlichen Fragen vermengt, weshalb ich die gerade genannten Quellen nur eingeschränkt empfehlen kann.)


Die "Pille danach" wirkt auf verschiedene Weise

Warum eine Anwendung nach Vergewaltigung unter Umständen vertretbar ist - Antworten eines Pharmakologen. Von Andreas Reimann

2.2.2013 - Quelle: http://www.die-tagespost.de - Andreas Reimann

Für praktisch alle, die sich mit dem Lebensschutz ernsthaft auseinandersetzen, war für viele Jahre eines gewiss: Die häufig auch als "Notfallverhütung oder -kontrazeption" bezeichnete "Pille danach" hemmt die Einnistung der befruchteten Eizelle und wirkt damit frühabtreibend. Das mit Abtreibung im juristischen Sinne erst die Tötung des Embryos nach erfolgter Einnistung in die Gebär-mutter (Nidation) gemeint ist, machte die Sache für überzeugte Katholiken - und übrigens auch für logisch denkende Atheisten - nicht besser: Biologisch existiert der Mensch von Anfang an und seine Tötung ist damit absolut verboten. Diese Auffassung hat Kardinal Meisner nachdrücklich bestätigt. Aber er hat nun dieses Prinzip von der Bewertung konkreter Arzneimittel und deren Wirkmechanismus getrennt. Während Ersteres Aufgabe der Kirche ist, fällt Letzteres in die Kompetenz von Ärzten und Apothekern. Nehmen sie ihren katholischen Glauben ernst, werden sie sorgfältig prüfen, ob die Anwendung eines bestimmten Arzneimittels vertretbar ist oder nicht.

Prinzipielle Wirkweisen von "Notfallkontrazeptiva"
Schaut man sich genau an, was unter "Notfallverhütung" verstanden werden kann, wird schnell klar: Man muss die Verhütung der Zeugung nach einem ungeschützten - und im Falle der Vergewaltigung der Frau aufgezwungenen - Geschlechtsverkehr unterscheiden von der Tötung des sich entwickelnden Embryos nach erfolgter Befruchtung.
Nur während einer relativ kurzen Zeit des weiblichen Zyklus ist eine Befruchtung wahrscheinlich. Dies resultiert daraus, dass nach dem Eisprung die Eizelle nur circa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig ist und die Spermien nur 3 bis 5 Tage überleben können. Somit besteht 4 bis 5 Tagen vor dem Eisprung und circa ein Tag nach dem Eisprung eine hohe Empfängniswahrscheinlichkeit nach dem Geschlechtsverkehr. Sie ist am höchsten an den beiden Tagen vor dem Eisprung. Da häufig unklar ist, zu welchem Zykluszeitpunkt die Vergewaltigung erfolgt ist, wird der Einsatz von Notfallkontrazeptiva stets empfohlen. Sie aber können verschiedene Angriffspunkte haben.

Verfügbare Präparate und wie sie wirken
In Deutschland zugelassen sind als "Pille danach" Levonorgestrel (LNG) 1,5 mg (PiDaNa®) sowie Ulipristalacetat (UPA) (ellaOne® 30 mg). Hersteller beider Präparate ist HRA-Pharma (Paris). Darüber hinaus steht als Medizinprodukt die Kupferspirale, die auch als "Spirale danach" verwendet werden kann, zur Verfügung. Nicht zugelassen ist die niedrigdosierte Anwendung von Mifepriston (in Deutschland nur als Abtreibungsmittel Mifegyne®), die vor allem in China weit verbreitet ist. Die erste "Pille danach", die hochdosierte Östrogen/Gestagen Kombination Tetragynon® , wurde wegen ihres ungünstigen Nutzen/Risiko-Profils schon vor über zehn Jahren vom Markt genommen. Unstrittig ist, dass die "Spirale" auch die Entwicklung des Embryos nach der Befruchtung angreift und daher jedenfalls als frühabtreibend eingeordnet werden muss.
Bei LNG handelt es sich um ein dem natürlichen Hormon Gestagen nachgebildetes Molekül. Es ist nur für die Anwendung in den ersten 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr zugelassen, verliert aber bereits 24 Stunden nach dem Verkehr einen großen Teil seiner Wirkung. Als Hauptwirkungsmechanismus konnte die Verhinderung des Eisprungs gezeigt werden.
UPA ist ein der "Abtreibungspille" Mifepristone chemisch verwandtes Molekül, das im Gegensatz zu Mifepristone nicht ausschließlich als Gegenspieler des für die Erhaltung einer frühen Schwangerschaft wichtigen Progesterons agiert, sondern an den Progesteronrezeptoren - also den "Schlössern", in die der natürliche "Schlüssel" passt - dessen Wirkung sowohl reduzieren als auch verstärken kann. Es gibt Befunde dafür, dass UPA insbesondere bei länger zurückliegendem ungeschütztem Geschlechtsverkehr besser wirkt als LNG. Im Gegensatz zu diesem ist es deshalb für die Anwendung bis zu 5 Tage "danach" zugelassen und wirkt auch noch unmittelbar vor dem Eisprung. Es soll ebenfalls überwiegend über eine Verschiebung beziehungsweise Verhinderung des Eisprungs wirken.
Die meisten Lehrbücher der Gynäkologie und der Pharmakologie beschreiben für LNG und UPA neben einer Hemmung oder Verzögerung des Eisprungs auch eine Wirkung auf die Einnistung des Embryos als möglich. In der aktuell gültigen Fachinformation des LNG-Präparates PiDaNa® ist dies sogar in einem amtlichen Dokument über das Arzneimittel so ausgesagt. Die Kirche konnte daher zu Recht die Auffassung vertreten, eine Verordnung beziehungsweise Abgabe dieser Präparate verstoße gegen das Verbot der Abtreibung und somit auch in Richtlinien eine Verordnung in ka-tholischen Krankenhäusern untersagen.

Neue Erkenntnisse: Was hat sich geändert?
Die Biowissenschaften und somit auch die Medizin unterliegen immer schnelleren Aktualisierungszyklen. Bis neue Befunde in die Lehrbücher Eingang gefunden haben, vergehen oft Jahre. Dazu kommt: Vielen Gynäkologen dürfte der tatsächliche Wirkungsmechanismus der "Pille danach" nicht sehr wichtig sein, denn sie legen eher Wert auf die Verhinderung der Schwangerschaft - ohne die ethischen Probleme vor der Einnistung zu vertiefen. Schließlich bleiben auch heute noch wichtige Fragen zu den Wirkungsmechanismen ungeklärt.
Betrachtet man allerdings nun die Veröffentlichungen der letzten fünf Jahre intensiver, so kommen die meisten Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Annahme einer frühabtreibenden Wirkung zumindest von LNG nicht mehr aufrechterhalten werden kann. In der Tat findet sich kein schlüssiger Beweis für eine solche These. Der Hersteller beabsichtigt nach eigenen Angaben die Fachinformation in diesem Punkt noch in diesem Jahr ändern zu lassen. Insbesondere eine 2011 veröffent-lichte Studie an 148 Frauen zeigt eine fehlende Wirkung von LNG, wenn dieses nach dem Eisprung gegeben wurde. Dies ist ein starker Hinweis auf eine fehlende Wirkung auf die bereits befruchtete Eizelle. Auf der anderen Seite finden sich aber auch begründete wissenschaftliche Meinungen, die eine solche generelle Aussage für noch nicht möglich halten.
Beim UPA gibt es ebenfalls keine direkten Beweise für eine frühabtreibende Wirkung. Allerdings ist die Datenlage hier noch wesentlich unsicherer und Aussagen zu einer fehlenden frühabtreibenden Wirkung werden auch wegen der pharmakologischen Nähe zum Mifepriston sowie der längeren Wirksamkeit nach dem Geschlechtsverkehr angezweifelt. Es spricht sehr vieles dafür, dass zumindest das LNG-Präparat keine frühabtreibende Wirkung hat. Kardinal Meisner hat klargestellt, was Aufgabe der Kirche ist und was nicht: Sie muss ganz klar sagen. wann die Anwendung eines Arzneimittels mit dem Recht auf Leben vereinbar ist - und wann nicht. Nämlich dann, wenn ein Arzneimittel frühabtreibend wirkt und bewusst auch so eingesetzt wird. Dagegen obliegt es dem ver-ordnenden Arzt (und übrigens auch dem abgebenden Apotheker), ob die aktuelle wissenschaftliche Befundlage eine Anwendung im Lichte dieses Prinzips vertretbar macht oder nicht. Die Kirche steigt somit nicht in die sich schnell weiterentwickelnde naturwissenschaftlich/medizinische Diskussion ein, sondern hilft, das Gewissen zu schärfen. Die Erklärung des Kölner Erzbischofs hat in keiner Weise die kirchliche Lehre verändert, sie hat aber einen wichtigen Beitrag zur eigenen Beru-fung von theologischen Laien mit medizinischer oder pharmazeutischer Kompetenz geleistet. Dies ist zum Wohle von Frauen, die Opfer eins besonders widerlichen Verbrechens geworden sind. Es gibt allen Grund, hierfür dankbar zu sein.

Dabei ist es absolut normal, dass wissenschaftliche Meinungen kontrovers diskutiert werden, auch zwischen katholischen Wissenschaftlern. Dies sollte "sine studio et ira" und insbesondere ohne ideologische Scheuklappen geschehen. Dass es solche auf allen Seiten gibt, kann nicht verleugnet werden.

Der Autor ist Apotheker und Betriebswirt mit 22 Jahren Berufserfahrung in Universität (Pharmakologie), pharmazeutischer Industrie und Patientenorganisationen. Eine ausführliche wissenschaftli-che Stellungnahme mit Literaturbelegen ist beim ihm erhältlich. Anfragen bitte an die Redaktion der "Tagespost". Telefon 0931/30863-0; Email: info@die-tagespost.de

Quelle: http://www.die-tagespost.de - Andreas Reimann

Zur Debatte um die Beendigung der Zusammenarbeit mit dem KPN (Dr. Pfeiffer) zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche

Missbrauch in Katholischer Kirche: Ein absehbarer Eklat bei der Aufklärung

16.1.2013 - Quelle: www.faz.net - Von Daniel Deckers

Nach dem Zerwürfnis mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer stehen die Bischöfe wieder als Vertuscher da. Es war ein absehbarer Eklat, der ihrem Willen zur echten Aufklärung nicht gerecht wird. -

Der Kriminologe Christian Pfeiffer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Trierer Bischof Stefan Ackermann im Juli 2011: Für beide Seiten stand viel auf dem Spiel
Professor Christian Pfeiffer war schnell, wie immer. Kaum sah sich die katholische Kirche in Deutschland im Winter 2010 nach den Berichten über sexuelle Übergriffe von Ordensleuten am Berliner Canisius-Kolleg dem Vorwurf ausgesetzt, Täter in ihren Reihen um jeden Preis geschützt zu haben, war der langjährige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) zur Stelle.

Es sei höchste Zeit für eine breitangelegte Untersuchung über sexuellen Missbrauch durch Priester, ließ er die Öffentlichkeit per Zeitungsartikel und einige Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz per Telefon wissen. Und die Bischöfe ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie standen ja mit dem Rücken zur Wand, auch wenn die meisten Taten, die Gegenstand von Berichten wurden, lange zurücklagen und nach Kirchen- wie nach deutschem Strafrecht verjährt waren. Der Öffentlichkeit mussten sie neben Zeichen der Reue auch Werke der Buße präsentieren.

Pfeiffer kam da wie gerufen. Denn in Gestalt des protestantisch-sozialdemokratischen Kriminologen bot sich eine Persönlichkeit an, die nicht im Entferntesten im Verdacht stand, bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Raum der Kirche falsche Rücksicht zu nehmen. Überdies verfügte Pfeiffer, der in der kurzen Amtszeit des niedersächsischen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel in Hannover Justizminister war, auf dem Forschungsgebiet sexueller Missbrauch über eine im deutschen Sprachraum seltene Fachkenntnis. Am KFN, einem 1979 gegründeten Institut, das vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium grundfinanziert wird, im Wesentlichen aber von drittmittelfinanzierten Forschungsaufträgen lebt, war schon 1982 eine Erhebung über sexuellen Missbrauch in Deutschland entstanden.

Im Herbst 2010 konnten sich der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, der Jesuit Hans Langendörfer, und der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, bereits über erste Vertragsentwürfe beugen. Das Vorhaben schien auf gutem Weg, so dass es die Bischöfe nicht für nötig hielten, das Forschungsprojekt öffentlich auszuschreiben. Ebenso wenig drangen Stimmen aus dem Raum der Wissenschaft und auch der Politik durch, die die Bischöfe gewarnt hatten, Pfeiffer mit dem Forschungsprojekt zu betrauen.

Effekthascherische Zuspitzungen
Denn der Wissenschaftler war nicht nur dafür bekannt, im Umgang mit Medien virtuos zu sein. Vor allem war er bei der Beurteilung von Jugendgewalt, Ausländerfeindlichkeit oder Kindstötungen mit Diagnosen und Ratschlägen schnell bei der Sache. Mehr als einmal erwiesen sich seine Einschätzungen als vorschnell, wenn nicht gar grundfalsch, seine politischen Zuspitzungen durchaus seriöser Forschungsergebnisse als effekthascherisch und die schillernden Kausalketten als wenig belastbar – was nicht nur unter Fachkollegen Befremden über einen „inkontinenten“ Kollegen hervorrief, sondern auch in der Politik zu Vorbehalten führte. Für beide Seiten aber stand zu viel auf dem Spiel. Das Projekt musste gelingen. Pfeiffer, Jahrgang 1944, winkte zum Abschluss seines Wirkens als Direktor des KFN die Krönung seines Lebenswerks. Und die Gruppe der an einer Aufarbeitung der Vergangenheit interessierten Bischöfe um Ackermann wollte die Gunst der Stunde nutzen und das Eisen schmieden, solange es heiß war – will sagen: solange das Interesse der Öffentlichkeit noch nicht erlahmt und der Druck auf die Kirche noch nicht abgenommen hatte.

Trotzdem zogen sich die Vertragsverhandlungen hin. Erst im Sommer 2011 war der Vertrag fertig, über den sich für das Sekretariat der Bischofskonferenz auch deren Hausjuristen aus der Sozietät Redeker, Sellner, Dahs gebeugt hatten. Die Tinte unter dem Vertrag war noch nicht trocken, als sich beide Seiten mit öffentlichen Einlassungen über die Bedeutung des Projektes überboten. Pfeiffer sprach von der methodisch aufwendigsten Studie weltweit über sexuellen Missbrauch und verhieß umfassende Einsicht in die Psyche von Männern, die sich an Kindern oder Jugendlichen vergangen hatten. Bischof Ackermann erhoffte sich neben der systematischen Durchforstung von Akten nach Fällen, die noch unentdeckt waren, Hinweise auf institutionelle Defizite im Umgang mit Tätern und Opfern.

Tücken kirchlicher Personalakten
Doch es stellte sich bald heraus, dass beide Seiten die Rechnung ohne die jeweils andere gemacht hatten. Schon die Tücke des Objekts in Gestalt kirchlicher Personalakten war kaum zu überbieten. Denn in vielen Bistümern herrschte Durcheinander. Mal waren Akten von Straftätern wie vorgeschrieben in einem Geheimarchiv archiviert worden, mal fand sich im Geheimarchiv kein einziges Dokument, mal waren Personalakten nach Ablauf der kirchenrechtlich vorgegebenen Fristen vernichtet worden, mal über Jahrzehnte aufbewahrt worden, mal waren sie vollständig, mal lückenhaft – wer wusste, wie es in den Bistumsarchiven aussah, musste ahnen, dass schon die repräsentative Erhebung von Daten über Täter und Opfer auf erhebliche methodische Schwierigkeiten stoßen würde. Doch um vermeintliche Details wie dieses scherte sich zunächst niemand.

Ebenfalls unterschätzt worden war der Umstand, dass kaum ein wissenschaftliches Forschungsvorhaben juristisch so vermint ist wie eines, das auf personenbezogenen Daten basiert. Fachjuristen, die den von Pfeiffer und den Bischöfen gutgeheißenen Vertragstext im Herbst 2011 zu Gesicht bekamen, waren entsetzt. Der Text zeugte von einer stupenden Ahnungslosigkeit der Vertragsparteien hinsichtlich der Vorschriften des allgemeinen Kirchenrechts, des kirchlichen Dienstrechts, des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung und der staatlich garantierten Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

Ein datenschutzrechtlicher Aberwitz
In neun Bistümern alle Personalakten aus den Jahren 1945 bis 2010 auswerten zu lassen von angehenden oder pensionierten Juristen, die keiner strafbewehrten Verschwiegenheitspflicht unterliegen? Ein datenschutzrechtlicher Aberwitz. In den 18 übrigen Bistümern verdachtsunabhängig alle Personalakten aus den Jahren 2000 bis 2010? Ein solches Vorhaben wäre im Fall einer Klage eines kirchlichen Mitarbeiters wohl vor jedem Arbeitsgericht gescheitert, wenn die Justiz des Vatikans den deutschen Bischöfen nicht vorab Einhalt geboten hätte. Als Pfeiffer die Bischöfe im Herbst 2011 dann wissen ließ, dass alleine „der Markt“ regle, wann und wie seine Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt würden, und das Forschungsinstitut über die erhobenen Daten nach Gusto verfügen dürfe, dämmerte es auch den Letzten in den Reihen der Bischöfe, dass der Umgang mit Pfeiffer unangenehm werden würde. Doch was tun?

Als die F.A.Z. im Januar vergangenen Jahres berichtete, dass das Forschungsprojekt wegen ungelöster Fragen des Datenschutzes und des Arbeitsrechts nicht vorankomme, hatte das Erzbistum München die Kooperation mit dem KFN und die Mitarbeit im Beirat des Forschungsprojektes schon ausgesetzt. Erst müssten alle juristischen Fragen im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Fürsorgepflicht vertraglich so geklärt sein, dass mit den Daten aus dem Raum der Kirche sorgsam umgegangen würde, hieß es aus Bayern. Im Frühjahr 2012 machte eine neue Fassung des Vertrags die Runde, die im Wesentlichen in München entworfen worden war und die den datenschutzrechtlichen und arbeitsrechtlichen Anforderungen genügte.

Pfeiffer schäumte und setzte fortan darauf, den Verwaltungschef des Erzbistums München, Generalvikar Peter Beer, als Gegner umfassender Aufklärung zu diskreditieren. Nur gehörte das, was den anderen Bistümern mit Pfeiffers Forschungsprojekt zumindest der Idee nach bevorstand, im Erzbistum München, das seit 2007 von Erzbischof Reinhard Marx geleitet wird, schon der Vergangenheit an.

„Offenkundige Lücken“
In München war man bereits im Frühjahr 2010 davon überzeugt gewesen, dass an einer rückhaltlosen Aufklärung kein Weg vorbeiführe. In der Folge wurden mit Unterstützung der Münchner Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl annähernd 13200 Akten unter zum Teil abenteuerlichen Umständen gesichert und analysiert. Im Zuge dieses Prozesses stellte sich nicht nur heraus, dass Akten über Jahrzehnte „in erheblichem Umfang vernichtet“ oder „offenkundige Lücken“ aufwiesen, weil sie von Unbefugten manipuliert worden waren. Noch beschämender war das Ergebnis der Untersuchung. Die jahrzehntelange krasse Missachtung der Opfer und eine durchgängige, wenn auch in unterschiedlicher Entschlossenheit ausgeprägte Bereitschaft, „selbst gravierende Vergehen unaufgeklärt und ungesühnt zu lassen“. Diese Bereitschaft, so die Münchner Gutachter, habe eine ihrer Wurzeln in einem „fehlinterpretierten klerikalen Selbstverständnis, das einem brüderlichen Miteinander verpflichtet in einem im Ergebnis rücksichtslosen Schutz des eigenen Standes eine Rechtfertigung für eine nicht tolerable Vertuschung sucht“. Härter als in diesen Worten wurde noch in keinem staatlichen oder gar von der Kirche in Auftrag gegebenen Gutachten mit der über Jahrzehnte vorherrschenden Mentalität von Bischöfen, Generalvikaren und Personalchefs abgerechnet.

Beers Aufklärungswillen in Frage zu stellen führte demnach nicht weit. Vielmehr war umgekehrt zu fragen, was Pfeiffers Untersuchung darüber hinaus ans Tageslicht bringen könnte – zumal Pfeiffer schon im Juli 2011 ankündigte, dass seine Forschungen gewiss zu dem Ergebnis führen würden, dass sexueller Missbrauch durch Geistliche in Deutschland seit den achtziger Jahren rückläufig sei. Doch auch die sachliche Debatte kam über den Sommer vergangenen Jahres nicht vom Fleck. Mal schien Pfeiffer einsichtig, mal nahm er Zugeständnisse, die er kurz zuvor gemacht hatte, umgehend wieder zurück. Zugleich drohte er den Bischöfen damit, dass Medien und Opferverbände nur auf ein Signal von ihm warteten, um die skandalöse Zensur und Beschränkung der Wissenschaftsfreiheit bekanntzumachen.

Im Herbst 2012 galt eine Mediation unter Leitung eines von beiden Seiten anerkannten Schlichters als letzte Möglichkeit, sich in einer vollkommen verfahrenen Sache halbwegs gesichtswahrend zu einigen. Nach zwei Gesprächsrunden unterzeichnete Pater Langendörfer um die Jahreswende eine Mediationsvereinbarung. Als Pfeiffer sich aber auch am Morgen des 8. Januar, dem letzten Tag der Einigungsfrist, noch nicht gerührt hatte, begann man im Sekretariat der Bischofskonferenz in Bonn zu ahnen, dass Pfeiffer gewitzter gewesen sein könne.

Bischof Ackermann war nach Israel gereist, Pater Langendörfer in die Schweiz. Im politischen Berlin war kein Signal angekommen, dass „die Bombe“ bald platzen könnte. Als Matthias Kopp, der Pressesprecher der Bischofskonferenz, Hals über Kopf für den Abend jenes Tages zu einem Hintergrundgespräch nach Berlin trommelte, hatte Pfeiffer längst schon mehrere Redaktionen mit seiner Version der Ereignisse munitioniert. Am nächsten Morgen standen die Bischöfe wieder so da wie vor drei Jahren: als Vertuscher, Trickser und Täuscher.

© REUTERS

16.1.2013 - Quelle: www.faz.net - Von Daniel Deckers